Gutachter lobt Stadt BornheimZeitvorgabe fürs Anrücken zu 85 Prozent erfüllt

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Die Stadt Bornheim modernisiert sukzessive den Fuhrpark ihrer Freiwilligen Feuerwehr. Nach und nach wurden bzw. werden insgesamt sechs Fahrzeuge und ein Feuerwehrboot ausgeliefert. Foto: Stadt Bornheim

Die Stadt Bornheim modernisiert sukzessive den Fuhrpark ihrer Freiwilligen Feuerwehr.

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Bornheim ist personell und finanziell so gut aufgestellt, dass auch weiterhin keine hauptamtliche Feuerwehr eingerichtet werden muss.

Patrik Habeth von dem Bonner Gutachterbüro Forplan bescheinigte der Freiwilligen Wehr, alle Anforderungen zu erfüllen, obwohl diese bei einer Stadt mit fast 50.000 Einwohnern recht hoch sind. Im Feuerwehrausschuss stellte er die wichtigsten Daten des Entwurfs vor. Das Gremium stimmte daraufhin einstimmig dem Plan zu. Damit soll nun eine weitere Sondergenehmigung bei der Bezirksregierung beantragt werden, um die Feuerwehr nicht hauptamtlich führen zu müssen. Dies erspart der Kommune einiges an Geld ein, denn für eine hauptamtliche Feuerwehr würden schnell zwei bis drei Millionen Euro pro Jahr fällig.

Tagesalarmgruppe hat die Feuerwehr schneller gemacht

Alle fünf Jahre müssen Kommunen in NRW ihren Brandschutzbedarfsplan (BSP) fortschreiben. In Bornheim ist das in diesem Jahr wieder der Fall. Zuallererst gab es ein Lob vom Experten: „Sie haben in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Job gemacht. Wenn ich in Ihrer Stadt wohnen würde, würde ich mich sehr sicher fühlen, Nachbarkommunen von Ihnen zücken ihre Taschentücher, wenn Sie Ihre Entwicklungen sehen. Machen Sie weiter so!“ Die zwölf Löschgruppen seien personell gut aufgestellt, stellte Habeth fest. Dies gelte auch für die Jugendfeuerwehr. Bei den Beschaffungen neuer Fahrzeuge und Geräte sowie bei der Ertüchtigung der Gerätehäuser habe sich seit dem letzten BSP von 2018 sehr viel getan.

Zum BSP gehört auch eine Risikoanalyse. Obwohl 15 Prozent der Einsatzziele nicht in der vorgeschriebenen Zeit erreicht wurden, stellte Habeth der Bornheimer Wehr ein gutes Zeugnis aus: „85 Prozent der Einsatzziele werden innerhalb der vorgeschriebenen acht bis zehn Minuten ab Alarmierung erreicht.“ Dies hänge auch damit zusammen, dass eine Tagesalarmgruppe eingerichtet worden ist: „Damit haben Sie noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht“, betonte Habeth. Im Schnitt fährt die Bornheimer Feuerwehr momentan 300 Einsätze pro Jahr. 2021 waren es fast doppelt so viele wegen der Hochwasserkatastrophe im Juli. Dies entspreche durchaus dem Pensum einer Berufsfeuerwehr einer Kommune von vergleichbarer Größe, so Habeth.

Den mit Abstand größten Teil der Einsätze machten technische Hilfeleistungen aus. Einsätze bei Bränden rangieren erst dahinter. In den vergangenen fünf Jahren hat die Stadt Bornheim knapp vier Millionen Euro ausgegeben, um die Ausstattung der Löscheinheiten zu verbessern. Neue Fahrzeuge und Geräte wurden angeschafft, Gerätehäuser modernisiert. Auch der Fuhrpark wurde verjüngt. Das Durchschnittsalter der Einsatzfahrzeuge sank von 16 auf acht Jahre.

Beschaffung neuer Wagen dauert schon drei Jahre

Damit dies auch so bleibt, riet Habeth den Fahrzeugbeschaffungsplan aktuell zu halten: „Hätten Sie das in den vergangenen Jahren nicht geschafft, würden Sie jetzt vor einer Bugwelle stehen und müssten auf einen Schlag zehn neue Fahrzeuge bestellen.“ Und dabei würde ganz automatisch das nächste Problem entstehen, denn die Lieferzeiten hätten sich aufgrund der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage dramatisch verlängert: „Sie müssen heute damit rechnen, wenn Sie ein Fahrzeug bestellen, dass dieses frühestens in drei Jahren bei Ihnen auf dem Hof steht.“

In der Vergangenheit konnten Fahrzeuge ab Bestellung innerhalb eines Jahres geliefert werden. Die positiven Entwicklungen spiegeln sich auch in der Zufriedenheit der Feuerwehrleute wider: Fast 90 Prozent der Freiwilligen gaben an, dass sie mit der Einsatztechnik zufrieden seien. Vor fünf Jahren war der Zufriedenheitswert deutlich niedriger. Damit die Feuerwehr weiterhin so zufrieden bleibt, beschlossen die Politiker, dass ein jährliches Controlling erfolgen soll. Die Verwaltung soll einmal pro Jahr im Feuerwehrausschuss oder im Rat über die aktuellen Entwicklungen berichten.

Um die personelle Situation zu halten oder gar zu verbessern, gelte es weiterhin für dieses Ehrenamt zu werben, vor allem bei Frauen, die gerade einmal drei Prozent an den Einsatzkräften ausmachten. Die Jugendarbeit sei weiter zu stärken, und es müsse weiter in Feuerwehrgerätehäuser, Fahrzeuge und Geräten investiert werden. Die Ergebnisse des BSP sollen noch in den einzelnen Löschgruppen vorgestellt werden. Hinweise und Anregungen, die sich daraus ergeben könnten, werden in der nächsten Feuerwehrsitzung im Mai präsentiert und diskutiert.


Personal

366 Kameraden hatte die Freiwillige Feuerwehr in Bornheim im Jahr 2021. Deren Zahl war in den Jahren zuvor stark angestiegen. Im Jahr 2017 hatte die Bornheimer Feuerwehr erst 308 Kameraden. Dies entspricht einem Anstieg von 18,8 Prozent. Nur drei Prozent der Feuerwehrkameraden sind Frauen. (fes)

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