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Impulse für BrauchtumNeue Herseler Karnevalsgesellschaft „Mir vom Werthche von 2023“ stellt sich vor

Lesezeit 4 Minuten
Drei Männer sitzen auf einer Bank und halten Bilder in die Kamera.

Wolfgang Raschke, Tommy Müller und Michael Raschke (von links) luden zur gut besuchten Infoveranstaltung zur Gründung der Herseler Karnevalesgesellschaft „Mir vom Werthche“ in den Prinzenhof.

Die Vereinsfarben stehen bereits fest und der Fahrplan für die kommenden Monate wurde ebenfalls bei einem Infoabend konkretisiert. 

Der Herseler Karneval braucht neue Impulse. Das dachte sich auch das Herseler Karnevalsurgestein Wolfgang Raschke am 11.11. und gründete mit einer Handvoll Mitstreitern kurzerhand die neue Herseler Karnevalsgesellschaft „Mit vom Werthche von 2023“. Der Name spielt auf die Rheininsel Herseler Werth zwischen Uedorf und Hersel an.

Was aus einer närrischen Laune heraus entstand, wird nun Ernst. Im Herseler Gasthaus „Prinzenhof“ hatten Wolfgang Raschke, sein Sohn Michael Raschke sowie Thomas Müller zu einem ersten Infoabend eingeladen. Mit rund 50 Besuchern kamen deutlich mehr Besucher als erwartet, freute sich Wolfgang Raschke, der zunächst einmal erzählte, wie es überhaupt zu der Idee, eine neue Karnevalsgesellschaft aus der Taufe zu heben, kam.

Tradition der Großen Herseler Karnevalsgesellschaft (GroHeKa) wieder aufleben lassen

Jahrzehntelang gab es die Große Herseler Karnevalsgesellschaft (GroHeKa), die irgendwann in der Versenkung verschwand. Laut Wolfgang Raschke weiß niemand so recht, was aus ihr geworden ist. Die neue Gesellschaft soll die Tradition der GroHeKa wieder aufleben lassen, auch vor dem Hintergrund, dass sich 2029 der organisierte Karneval in dem Rheinort zum 100. Mal jährt und das entsprechend groß gefeiert werden soll. 1929 wurde der Milchhändler Wilhelm Schmitz zum ersten Prinz Karneval von Hersel proklamiert.

Gründung der neuen Karnevalsgesellschaft mit Unterschriften auf einem Porzellanteller besiegelt

Doch zurück ins Jahr 2023. Am 11.11. erhielt Thomas Müller eine Nachricht von Wolfgang Raschke. Was der Empfänger dort las, überraschte ihn sehr: Raschke schrieb, dass „einige Herseler Frauen und Männer, Mädchen und Jungs“ eine neue Herseler Karnevalsgesellschaft gegründet hätten, mit dem Namen „Mir vom Werthche.“ „Besiegelt“ wurde diese Gründung mit Unterschriften auf einem Porzellanteller.

Müller informierte sofort seine Freunde Udo Pieper, Stefan Großmann und Wolfgang Raschkes Sohn Michael über diese Neuigkeit. Die Nachricht erreichte sie auf Mallorca, denn seit vielen Jahren feiern sie mit anderen Herseler Freunden den Elften im Elften auf der Baleareninsel.

Neue Gesellschaft soll keine Konkurrenz zu bestehenden Vereinen werden

Die treibende Kraft, Wolfgang Raschke, ist im Herseler Karneval kein Unbekannter, viele Jahre stand er als Sitzungspräsident unter anderem für den Bornheimer Tollitätentreff auf der Bühne und war an der Seite von Wolfgang Lorenz Teil des Rednerduos „Strunz un Büggel“, das für seine humorvollen rheinischen Zwiegespräche in der Region bekannt war.

Wichtig sei Wolfgang Raschke, dass die neue Gesellschaft keine Konkurrenz zu den bestehenden Vereinen in Hersel oder im benachbarten Uedorf werden soll. Im Gegenteil, der Karneval solle besser organisiert werden und eine Struktur bekommen. So wollen sie auch der Vereinsgemeinschaft Hersel-Uedorf und dem Förderverein Rheinhalle beitreten. Natürlich gebe es einige Karnevalssitzungen am Ort, die von den jeweiligen Vereinen organisiert werden, wie beispielsweise den „Kaffeeklatsch“ vom Männerverein oder die traditionelle „Konfetti-Sitzung“ vom Turnverein und vom Tambour-Corps. „Wir möchten nicht, dass das Brauchtum verkümmert“, sagte Raschke. Die Corona-Jahre hätten auch dem Karneval stark zugesetzt. So bedauere Raschke, dass es in diesem Jahr in der Rheinhalle die offizielle Sessionseröffungssitzung „Alles unger enem Hoot“ nicht gab, weil sich keine Tollitäten fanden.

„Wir wollen das Dorfleben aktiv und damit auch die anderen Vereine unterstützen und spätestens 2025 auch im Zug mit gehen“, betonte Thomas Müller, der als erster Präsident der KG gehandelt wird.

Vereinsfarben sollen Blau-Rot sein

Als Vereinsfarben hat die KG die Farben Blau-Rot gewählt, da diese Kombination noch nicht belegt war, so Thomas Müller.  Auf dem Informationsabend wurde auch der Fahrplan für die kommenden Monate festgelegt. Am Ende soll ein eingetragener Verein stehen, mit einem ordentlich gewählten Vorstand, dem ein Präsident vorsteht.

Die eigentliche Gründungsversammlung ist für den 21. Dezember um 20 Uhr im Prinzenhof, Gartenstraße 84, in Hersel terminiert. Dann soll ein kommissarischer Vorstand bestimmt werden. Thomas Müller und seine Mitstreiter hoffen, dass genauso viele Interessenten vorbeikommen und sich vor allem auch engagieren werden: „Wir möchten es schaffen, dass Jung und Alt zusammen feiern und sich einbringen für den Karneval.“

Sobald die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt sind, um einen „e. V.“, also einen eingetragenen Verein zu gründen, soll 2024 eine erste Jahreshauptversammlung einberufen werden. Dann wird auch ein ordentlicher Vorstand gewählt.


Karneval in Hersel

Bis zum Ausbruch des Krieges feierten die Herseler ab 1929 ihren organisierten Karneval. In dem Jahr ging auch der erste Zug durch den Ort. In der Nachkriegszeit, etwa ab Anfang der fünfziger Jahre, wurde endlich wieder richtig gefeiert. Ab 1953 gab es mit Prinz Adi I. (Adolf Hönighausen) und Prinzessin Dorchen I. (Doris Frey, später Stoffel) auch wieder ein Prinzenpaar. Bis 2023 folgten 55 weitere Tollitäten. Mal waren es Dreigestirne, mal Soloprinzen oder –prinzessinnen oder wie in der vergangenen Session mit Herbert II. und Andrea I.  (beide Kambeck) auch immer wieder ein Prinzenpaar. Anfangs wurden die Tollitäten noch von den Herseler Stadtsoldaten begleitet, später vom Ortsausschuss und seit einigen Jahren von der Vereinsgemeinschaft, die bis heute den Karnevalszug organisiert.

1956 gründete sich im Bahnhofsrestaurant „Rademacher“ die Große Herseler Karnevalsgesellschaft (GroHeKa), die den größten Teil der Veranstaltungen übernahm, wie die Sessionseröffnung, Proklamationen, Prunk-, Damen- und Kindersitzungen. Bis 1967 feierten die Jecken vom Rhing im Saal Decker, danach im Festzelt und seit 1979 in der Rheinhalle. Dort finden seitdem unter anderem auch der Bornheimer Tollitätentreff oder die große Karnevalssitzung der Bonner Werkstätten statt.

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