„Lesbian Gender Expression“17-Jährige beeindruckt beim Jugendkunstpreis Bornheim

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Den ersten Platz beim Jugendkunstpreis bekam Alexia Castor für ihr Gemälde "Rebirth" und ihre Collage "Lesbian Gender Expression".

Den ersten Platz beim Jugendkunstpreis bekam Alexia Castor für ihr Gemälde 'Rebirth' und ihre Collage 'Lesbian Gender Expression'.

Mit ihrer Selbstporträtserie „Lesbian Gender Expression“ hat die 17 Jahre alte Alexia Lisa Castor beim Bornheimer Jugendkunstpreis die Jury tief beeindruckt. Der Lohn: Platz 1.

Mal lässig verträumt und verspielt, dann lasziv und grell geschminkt oder im Stil der Marlene Dietrich in einem schwarzen Anzug – die junge Frau auf den Fotos weist viele Facetten auf. Sie zeigt sich in unterschiedlichen Posen. Alle sechs Aufnahmen sind Selbstporträts von Alexia Lisa Castor.

„Lesbian Gender Expression“ hat die 17-Jährige, die die QII am Gymnasium der Ursulinenschule Hersel besucht, ihre Fotoserie genannt und damit die Jury des Bornheimer Jugendkunstpreises überzeugt, der in diesem Jahr zum 6. Mal vom Stadtjugendring (SJR) ausgelobt und im Ratssaal des Bornheimer Rathauses verliehen worden ist.

Selbstporträt von Alexia Castor als Marlene Dietrich in ihrer Fotoserie "Lesbian Gender Expression".

Selbstporträt von Alexia Castor als Marlene Dietrich in ihrer Fotoserie „Lesbian Gender Expression“.

Castor hat sich gegen 36 Mitbewerber durchgesetzt, die 46 Werke eingereicht hatten. „Das ist ein neuer Rekord, so viele Teilnehmer hatten wir noch nie“, freute sich Sarah El-Zayat, Vorsitzende des SJR und Ideengeberin für diesen Kunstwettbewerb.

Überzeugen konnte Castor die Jury nicht nur durch ihre kreative Arbeit, sondern auch durch ihre Botschaften. Die Dersdorferin stelle mit ihrer Fotoserie „die komplizierten, schmerzhaften, aber auch inspirierenden und vielseitigen Beziehungen, welche lesbische Personen mit Maskulinität und Femininität haben“, dar, urteilte die Jury.

Viele lesbische Personen haben, vor allem in ihren jungen Jahren Angst, sich von stereotypischer Femininität zu trennen, da ihnen durch Filme, Zeitschriften und anderen Medien vermittelt wird, dass dies der einzige Weg wäre, schön und begehrbar zu sein.
Jury im Bornheimer Jugendkunstpreis

Castor identifiziere sich als lesbisch, führe eine „komplexe Beziehung“ mit ihrer Geschlechtsidentität und finde es spannend, in die Rollen verschiedener Identitäten zu schlüpfen: „Viele lesbische Personen haben, vor allem in ihren jungen Jahren Angst, sich von stereotypischer Femininität zu trennen, da ihnen durch Filme, Zeitschriften und anderen Medien vermittelt wird, dass dies der einzige Weg wäre, schön und begehrbar zu sein.“ Deswegen sei es ihr besonders wichtig, die Diversität und Schönheit ihrer Community zu zeigen.

Überzeugt hatte Alexia Castor die Jury, zu der die Vorjahressiegerin Freya Mohr, die von ihren Schülern nominierte Kunstlehrerin Elena Becker vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium sowie die Malerin Waltraud „Trudi“ Bollenbeck aus Bornheim gehörten, auch mit ihrem zweiten eingereichten Werk, dem Ölgemälde „Rebirth“ in dem sie mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur, Leben und Tod spielt.

Die von ihr gemalte Frau ist tot. Der leblose Körper der Frau wird von der Natur zurückgeholt und als fruchtbarer Boden verwendet. Aus ihren Rippen wachsen kleine Pilze und Sträucher. Die Frau auf dem Bild findet in dem Tod ihre Ruhe, fühlt keinen Schmerz und hat Abschied genommen. Darauf folgt ein Neuanfang: „Ihr Opfer wird neues Leben schenken und nicht als überflüssiges Material in einer Tonne landen“, erläutert die junge Künstlerin.

Ich habe großen Respekt davor, dass Sie sich trauen, hier auszustellen und an die Öffentlichkeit zu gehen. Als ich in den Saal kam, habe ich eine unheimliche Energie und Kreativität gespürt.
Christoph Becker, Bürgermeister von Bornheim

Für Bürgermeister Christoph Becker, der die Ausstellung eröffnete, sind alle Teilnehmer Sieger: „Ich habe großen Respekt davor, dass Sie sich trauen, hier auszustellen und an die Öffentlichkeit zu gehen. Als ich in den Saal kam, habe ich eine unheimliche Energie und Kreativität gespürt.“

Die Vielfalt an eingereichten Werken war wie in den vergangenen Jahren geprägt von einer hohen Qualität und Vielseitigkeit. Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren hatten Fotografien, Installationen, Skulpturen oder Gemälde eingereicht. „Wir freuen uns über die große Resonanz. Das zeigt uns, dass die Jugendlichen stolz sind, ihre Werke ausstellen zu können“, betonte Maja Singenstreu, die mit Jennifer Keil, Sarah El-Zayat und Lea Deckers zur Projektgruppe „Bornheimer Jugendkunstpreis“ gehört.

Seit 2019 wird der Preis von der Metis-Stiftung zur Förderung der Naturwissenschaften und der bildenden Künste unterstützt. Gegründet wurde die Stiftung von der Bildhauerin Cornelia Meyer-Sattler und ihrem Mann, dem Physiker Stefan Sattler. So konnte insgesamt wieder ein Preisgeld von 675 Euro ausgelobt werden (für die Erstplatzierte gab es 200 Euro). Das Geld soll die Nachwuchskünstler animieren, weitere kreative Projekte zu realisieren.

Im Bornheimer Ratsaal wurde der diesjährige Jugendkunstpreis verliehen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einen Blick. Der erste Preis ging an Alexia Castor (vorne 4. von rechts).

Im Bornheimer Ratsaal wurde der diesjährige Jugendkunstpreis verliehen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einen Blick. Der erste Preis ging an Alexia Castor (vorne 4. von rechts).

Ausgezeichnet wurde mit dem zweiten Platz die 16-jährige Eva Pfingsten für ihr Porträtgemälde „Buntes Grau“. Mit Hell-Dunkel-Kontrasten stellt sie diverse Facetten eines Menschen dar. „Meist zeigen Menschen ihrem Umfeld nur ihre bunte Seite, verstrecken aber ihre graue, private Seite“, erklärt die Künstlerin. Diese mache aber einen wichtigen Teil der Persönlichkeit eines Menschen aus. Platz drei ging an das Gemälde „The mind of an artist“ von Daniela Ermolenko (15). Sie malte eine Person mit ihrer fantasievollen Gedankenwelt, die zuerst sinnlos und absurd erscheint. Gleichzeitig zeigt sich aber die ideenreiche und erfinderische Gedankenwelt der Person, die chaotisch und Zufluchtsort zugleich sein kann.

Einen Sonderpreise erhielt Paulina Pfehr (16) für ihr Gemälde „Nachtsturm“, ebenso Paula Klein für ihre Collage „Grüße von den Letzten ihrer Art“.

Der Publikumspreis steht aus. Über Instagram kann noch bis zum 5. Oktober abgestimmt werden. Zu sehen sind alle Werke zudem bis Freitag, 6. Oktober, in Schaufenstern der Geschäfe an der Bornheimer Königstraße.

„Am Ende haben alle Teilnehmer gewonnen, erklärte Jennifer Keil, da der Jugendkunstkreis 2022 mit dem Heimatpreis und einem Preisgeld von 1800 Euro ausgezeichnet worden ist. Darum können sich alle Jugendlichen für einen künstlerischen Workshop im Kunstmuseum Bonn anmelden und dort ihr Talent erweitern und von erfahrenden Kunstschaffenden etwas lernen.

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