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Katholische Frauengemeinschaft BornheimMehr Rechte für Frauen in der Kirche gefordert

4 min

Marianne Arndt (M.) diskutierte die aktuelle Lage der Frau in der katholischen Kirche.

Bornheim – „Ich wünsche mir eine Kirche, die von Männern und Frauen gleichermaßen getragen wird und in der es die Macht des Dienens gibt“, erklärte die Referentin des Abends, Marianne Arndt. Auf Einladung der katholischen Frauengemeinschaft Bornheim (kfd) war Arndt aus Köln nach Bornheim zum Abendgespräch in den Kräutergarten hinter die Pfarrkirche St. Servatius gekommen. Der Abend hatte das Thema: „Frauen in der Kirche.“ Arndt ist geistliche Begleiterin der kfd im Diözesanverband, Gemeindereferentin und eine wahre Kämpferin für die Rechte der Frau in der Kirche.

Bornheims kfd-Teamsprecherin Maria Engels hätte also keine bessere Referentin für dieses Thema gewinnen können, denn über alle Maße wirkt Arndt auch überregional. „Wenn sich die katholische Kirche dafür aussprechen könnte, Männern und Frauen dieselbe Würde und Macht zu geben, hätte das weltweite Konsequenzen“, betonte Arndt und ergänzte: „Genau dafür werbe ich.“

Beispiele aus der Bibel zum Beleg

Im Publikum saßen beide Geschlechter und hörten interessiert zu. Bevor es in die Diskussionsrunde ging, nannte Arndt Beispiele aus dem Alten und Neuen Testament, in denen Frauen eine bedeutsame Rolle spielten. Es sei eine Frau gewesen, die den kleinen Propheten Mose gerettet habe, der später König von Ägypten wurde. Maria Magdalena sei die erste Zeugin der Auferstehung Jesu gewesen. „Und wo stehen wir heute“, fragte Arndt in die Runde. Das Zweite Vatikanische Konzil sage aus, dass sich die Kirche am Volk Gottes orientieren solle. Doch immer noch lägen Theorie und Praxis sehr weit auseinander. In den 1970er Jahren habe es eine Anfrage an den Vatikan zum Diakonat der Frau gegeben. „Auf die Antwort warten wir bis heute“, berichtete Arndt. Allerdings sei die Kirche in den 1970er und 80er Jahren bereits wesentlich weiter gewesen als heute . „Damals war es sogar möglich, dass Frauen in der Kirche predigten“, erklärte Arndt. Doch diese neuen Möglichkeit sei in den 1990er Jahren vermutlich durch den damaligen Papst wieder entfallen.

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„Denn was nutzt uns eine Kirche, in der sich die Menschen nicht mehr zugehörig fühlen“, erklärte Arndt. Die Kirche müsse anziehend sein und bleiben. „Wir haben immer versucht, das Gute in der Kirche zu sehen und das Schlechte zu kritisieren“, erklärte eine Zuhörerin. Drei Generationen sei das auch gut gegangen. „Unsere Tochter steht der Kirche jetzt allerdings gleichgültig gegenüber. Ich habe Angst, dass sie noch unbedeutender für sie wird“, meinte die Besucherin.

Andersherum wäre es auch nicht gut

Ein Zuhörer zeigte sich direkt solidarisch. Wenn es umgekehrt wäre und Frauen in der Kirche das Sagen hätten und etwa 70 Prozent des dienenden Feldes in der Kirche Männer wären, fände er das auch nicht gut. „Es ist klasse, wenn Frauen sich zusammentun, um Veränderungen zu bewirken“, hieß es. Eine andere Dame meinte: „Vielleicht wäre es aber auch besser, wenn alle Frauen in der Kirche ihre Ämter niederlegen würden.“ Die Antwort erhielt sie von einer anderen Besucherin. „Damit schneiden wir uns doch ins eigene Fleisch“. Eine weitere Zuhörerin erklärte, dass sie sich ehrenamtlich in der Kirche engagiere. „Ich mache das für die Gemeinde“, erklärte sie. Sie habe viele Ideen. Um diese umzusetzen, brauche es Strukturen und Menschen, die sie dabei an die Hand nehmen und anleiten würden.

Ein wichtiges Thema war der sexuelle Missbrauch. „Es kann doch nicht sein, dass Missbrauch über Jahrzehnte hinweg unter dem Tisch gehalten wurde“, schimpfte die Referentin.

„Warum rebellieren wir nicht noch viel mehr“, wollte eine Besucherin wissen. Aus der Kirche auszutreten, sei ihrer Meinung nach sinnlos. „Damit können wir das System nicht ändern“, erklärte sie. Mit dieser Haltung lief sie geradezu offene Türen ein. „Wir haben es jahrelang geschafft, uns unterzuordnen in der Gesellschaft, wir sind auch immer noch unterbezahlt“, betonte Arndt.

Das System muss sich ändern

Alle Anwesenden rief die Referentin auf: „Wir müssen aufstehen und einfach tun und dabei nie die Botschaft aus dem Blick verlieren“. Eine Zuhörerin wollte wissen, ob die aktuelle Situation, in der der Kirche immer mehr Pfarrer fehlen, vielleicht auch eine Chance für die Frauen sein könnte. Dazu die Referentin: Das System müsse verändert werden, dazu brauche es Solidarität. Sie rief auf, einfach zu handeln – aber nie alleine, sondern grundsätzlich immer mit zwei oder drei Gleichgesinnten. Arndt schaffte es mit ihrem Vortrag, viele Besucher innerlich zu stärken und ihnen das Gefühl zu geben, auf dem richtigen Weg zu sein.