Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, dem sogenannten „Orange Day“ steht ab sofort in der Wache Bornheim eine orangefarbene Wanderbank.
Orange DayNeue Bornheimer Bank ist Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Zwei Beamte der Wache Bornheim waren dabei, als (v.l.) Irmgard Küsters vom Kommissariat Prävention und Opferschutz, Bornheims Bürgermeister Christoph Becker, Polizeidirektorin Petra Kaufmann, Bornheims Ortsvorsteher Dominik Pinsdorf und Bornheims Gleichstellungsbeauftragte Heike Blank die orange Bank aufstellten.
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Hier ist kein Platz für Gewalt an Frauen“ steht auf der orangen Bank, die gestern im Vorraum der Polizeiwache in Bornheim aufgestellt wurde. Bis Mitte Januar soll sie dort bleiben, anschließend könnte sich Bornheims Gleichstellungsbeauftragte Heike Blank gut vorstellen, sie ins Jugendamt zu übernehmen, um auch dort auf ein großes gesellschaftliches Problem hinzuweisen. „Jede vier Frau hat schon einmal häusliche Gewalt erfahren“, erklärte Polizeidirektorin Petra Kaufmann.
Stadt sucht Sponsoren für weitere Bänke
Um diese erschreckenden Zahlen sichtbar zu machen und auf die Missstände hinzuweisen, hat sich die Stadt Bornheim am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen beteiligt. „Wir wollen betroffenen Frauen und Mädchen Mut machen, sich Unterstützung zu suchen und gleichzeitig die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren“, betonte Bürgermeister Christoph Becker.
Damit das Thema in der Öffentlichkeit bleibt suchen er und die Gleichstellungsbeauftragte geeignete Standorte und Sponsoren, die mithelfen, weitere orange Sitzbänke fest im Stadtgebiet zu installieren. „Es geht uns darum das Schweigen zu brechen und Aufmerksamkeit zu schaffen“, so der Bürgermeister. Die orange Bank sieht er als ein Symbol dafür, den betroffenen Frauen mitzuteilen, dass ihnen zugehört wird, dass sie verstanden werden und sie Hilfe bekommen.
Konkret ist auf der Bank aber auch nachzulesen, wo diese Hilfe zu finden ist: „Nein! zu häuslicher Gewalt! Wir sind für Sie da!“, steht auf der Rückenlehne. Darunter Kontaktdaten von Institutionen und Hilfsorganisationen, die Frauen aber auch Männern aus der Gewaltspirale heraushelfen. Oft hat häusliche Gewalt eine Vorgeschichte, „und sie und zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten“, erklärte Polizeidirektorin Petra Kaufmann. Dabei spiele weder das Alter, noch die Herkunft eine Rolle.
Rund 60 Anzeigen in diesem Jahr
Im Stadtgebiet Bornheim sind laut Polizei seit Jahresbeginn bis September 57 Fälle angezeigt worden. Im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums kam es im gleichen Zeitraum zu 884 Anzeigen. 2021 seien im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, Bonn, Königswinter und Bad Honnef 1038 häusliche Gewaltdelikte angezeigt worden, deutlich mehr als 2020 und 2019. Irmgard Küsters vom Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz weiß, welch hohe Hürde der Ausstieg aus der häuslichen Gewaltspirale für die Betroffenen sein kann.
„Viele schämen sich“, erklärte sie. Oft gäben sie sich aber auch selber die Schuld an den Gewaltausbrüchen ihres Partners. Andere haben Angst, alleine und ohne Geld nicht zurechtzukommen. Es gebe auch Betroffene, die argumentieren, dass sie ihren Kindern einfach nicht den Vater wegnehmen wollen. „Heute geht es darum, aus der Anonymität herauszukommen“, erklärte sie.
„Meldet Euch, lasst Euch helfen, es gibt Hilfe“, ermutigte auch Kaufmann alle Betroffenen. Angehörige und Nachbarn, die verdächtige Beobachtungen machen, sollten lieber einmal zu viel als einmal zu wenig die Polizei kontaktieren.
Hilfstelefon: (0800) 11 60 16

