Die einen nennen es klappern, die anderen ratschen: Rund um die Osterfeiertage machen die Menschen in vielen Orten im Rheinland traditionell Radau.
Osterbräuche in BornheimVom Klappern und Raspeln und Rasseln

Klappern gehört zum Osterhandwerk – wie hier in Bornheim.
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„Morjensglock, du Schlofskopp“, rufen die Messdiener, als sie an Karfreitag und Karsamstag morgens um 6 Uhr mit ihren Rädern durch Hemmerich fahren. In einer Hand halten sie die sogenannte Ratsche, die sie mit Schwung aus dem Handgelenkt drehen. Dabei entlocken sie dem hölzernen Instrument laute raspelnde Geräusche. An den Kartagen läuten nämlich auch in Hemmerich die Kirchenglocken nicht.
Nach alter Tradition übernahmen die Messdiener auch diesmal die Aufgabe, den Menschen dreimal am Tag die Zeit zu verkünden. „Früher wurden die Gläubigen so zum Gebet gerufen“, weiß Messdienerleiterin Martha Mankowski (17). Sie zählt zur Leiterrunde der Messdiener und ist immer wieder mit Freuden dabei, wenn die Ratschen in der Karwoche ausgepackt und damit „Radau“ im Dorf gemacht werden darf.
„Die Ratschen sind aus Holz“, erklärt sie. Jeweils morgens um 6 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr fuhren und fahren sie zusammen durch das Hemmericher Oberdorf. Im Vorfeld hatten sie sich im abgesprochen, wer bei der Runde die Ratsche dreht und wer die Verse sprechen soll. „Wenn wir alle zusammen die Ratsche drehen, versteht kein Mensch mehr was wir sagen“, erklärt sie. Wer also morgens spreche, dürfe spätestens mittags raspeln. „Das Schöne ist vor allen Dingen diese Gemeinschaft“, erklärt sie.
In Rösberg wird geklappert, nicht geraspelt
Dabei habe sie das Gefühl, dass die gemeinsame Aktion die ganze Gruppe noch mehr zusammenschweiße. In diesem Jahr sind sie mit einer Gruppe von nur fünf Leuten, zwar klein, doch die Freude an ihrem Ehrenamt schmälert das in keiner Weise. „Nach dem Raspeln schauen wir uns gemeinsam auch wieder den Sonnenaufgang über dem Rheintal an“, schwärmt sie. Außerdem seien sie richtig stolz diese alte Tradition weiterführen zu dürfen. „Die Anwohner freuen sich auch immer, wenn sie uns sehen und hören“, berichtet die 17-Jährige.

Die Klappern sind aus Holz. Der mit einem „Gelenk“ ausstaffierte Hammer lässt sich durch bestimmte Bewegungen so in Bewegung setzen, so dass er mal links, mal rechts auf das Brettchen schlägt. Dabei entstehen Klopfgeräusche - das Klappern.
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Auch Messdienerleiterin Andrea Mehlitz aus dem Nachbardorf Rösberg könnte ganze Bücher füllen mit Anekdoten, die sie rund um die Aktionen an den Kartagen bereits erlebt hat. In Rösberg wird allerdings nicht geraspelt. „Wir klappern“, sagt sie. Und: „Wir gehen zu Fuß.“ Die Freude der Anwohner sei jedoch ziemlich gleich. Mitunter spüren sie morgens um 6 Uhr sogar die Blicke der Anwohner auf sich ruhen, die noch ein bisschen verschlafen hinter den Gardinen und Toreinfahrten stehen und auf die „Klapperkinder“ warten. „Für uns ist es ein sehr schönes Gefühl zu wissen, dass sich so viele Menschen über unser Klappern freuen“, sagt Mehlitz. „Die positiven Rückmeldungen aus dem Dorf motivieren uns ja regelrecht dazu, das Brauchtum weiter zu tragen“, ergänzen Sarah Driller und Verena Ameloh von der Rösberger Messdiener-Leiterrunde.
Die Rösberger Klappern sind oft Eigentum der Messdiener. „Mein Vater hat mir meine erste Klapper selber gebaut“, erzählt Mehlitz. Die Verse sprechen sie in Rösberg allerdings nicht mehr. „Das haben wir schon vor einigen Jahren eingestellt“, erklärt Mehlitz. Überliefert sind jedoch auch die verschiedenen Rhythmen, die es je nach Tageszeit zu klappern gilt. In Rösberg wurde bereits an Gründonnerstag nach dem Gloria in der Messfeier geklappert.
Das war schon so, als auch Christina Ricq (41) vor mehr als 30 Jahren als Messdienerin in der Gruppe an den Kartagen mit ihrer Klapper durch die Straßen ging. Ihr Opa hat ihr damals auch ihre erste eigene Klapper gebaut. „Dass Besondere für mich damals war, dass ich so früh am Morgen ganz ohne meine Eltern im Ort unterwegs sein durfte“, erinnert sie sich. Heute zählt ihr Sohn Max zum Rösberger „Klapper-Team“. „Mir macht es einfach Freude den Menschen hier so eine Freude machen zu können“, sagt er. Sechs Uhr, dass sei ihm aber doch ein bisschen früh.
Ein Klapperlohn für Kinder und Jugendliche
„Das Karklappern ist ein lebendiger Brauch der katholischen Region“, schrieb auch der Brauchtumsforscher und Volkskundler Alois Döring in seinem Buch „Rheinische Bräuche durch das Jahr“. Zum Brauchgeschehen gehöre es, dass die Glocken vom Gloria an Gründonnerstag bis zur Auferstehungsmesse am Karsamstag oder frühen Ostersonntag schweigen. Als Ersatz dienen hölzerne Schallgeräte – kleine handliche Klappern, Rasseln und Rumpeln etwa. Die Überlieferungen, dass die Glocken durch hölzerne Instrumente ersetzt wurde, reichen zurück bis ins Mittelalter. Döring schrieb aber auch vom Brauch des Klapperlohns, der den Kindern und Jugendlichen für ihre Dienstleistung zustehe. Bereits um 1900 erhielt seiner Niederschrift zufolge, je nach Region ein Kind als Klapperlohn ein Ei und einen Silbergroschen. Auch heute ziehen die Messdienergruppen in einigen Ortschaften zusammen an Karsamstag von Haus zu Haus. Viele Menschen halten für sie dann bunte Ostereier aber auch Schokolade und Geld bereit.
Auch in Heimerzheim ist es Tradition dass, zwischen Gründonnerstag und Ostersamstag die Gläubigen mit Holzinstrumenten an das Gebet zu erinnern. So zogen auch an diesem Osterwochenende Kinder in Begleitung von Erwachsenen mit Holzinstrumenten mit dem Ruf „Hört ihr Leut und lasst euch sagen“ durch die Straßen des Ortes. Die morgendliche Uhrzeit hat sich gegenüber früheren Zeiten allerdings etwas verändert. Während früher bereits um 6 Uhr zum Gebet gerufen wurde, nimmt man heute auf die Feiertags-Schlafgewohnheiten Rücksicht und ist erst zu den beiden späteren Uhrzeiten, um 12 und um 18 Uhr unterwegs. Ortsvorsteher Rainer Schmitz berichtet, dass bereits im 16. Jahrhundert im Ort diese Tradition geläufig ist.

