Resonanz war riesigTypisierung für den kleinen Leonhard in Merten

Lesezeit 5 Minuten
Das Maskottchen der Mädchenmannschaft trägt den Namen Leonhard.

Das Maskottchen der Mädchenmannschaft trägt den Namen Leonhard.

Mit nur drei Monaten wurde bei dem kleinen Leonhard aus Bornheim-Merten Blutkrebs festgestellt. Seine Eltern und viele Unterstützer engagieren sich bei der Suche nach einem Stammzellenspender. Der Sportverein SSV Merten hat zusammen mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS eine Registrierungsaktion organisiert.

Die Resonanz war riesig: Knapp zwei Stunde, nachdem am Sonntag um 10 Uhr die Typisierung für den kleinen Leonhard im Sportlerheim des SSV Merten begonnen hatte, lagen schon mehr als 80 ausgefüllte Kuverts in der Sammelbox. Am Ende hatten die Organisatoren ihr selbst gestecktes Ziel von 100 Neuregistrierungen mit 200 gegen 15 Uhr glatt verdoppeln. Leonhard am 29. September 2023 geboren. Am 10. Dezember kam er mit der Diagnose Leukämie in die Universitätsklinik. Seitdem wird er behandelt. Von dort dankte auch am Sonntag seine Eltern Thomas und Julia in einem Gespräch mit der Rundschau allen Menschen, die mithelfen, Leonhards Leben zu retten. Darunter waren auch auffallend viele junge Leute, so wie zum Beispiel die komplette Damenmannschaft des SSV Merten, ebenso viele Kicker des SV Vorgebirge aus Waldorf. „Mit der Typisierung können wir anderen Menschen wirklich helfen“, sagte zum Beispiel Bruno Fuchs (24). Auch Marvin Lehnert (26) findet die Aktion gut und mache natürlich mit.

Anders als noch vor ein paar Jahren, als noch der „kleine Pikser“ Leben retten konnte, fließt bei der Typisierung kein Blut mehr. „Mund auf, Stäbchen rein – Spender sein“, lautet der Slogan der DKMS.

Auch Ärzte und medizinisches Personal müssen schon lange nicht mehr bei den Typisierungsaktionen dabei sein. Gleichwohl half mit Regina Wall die sich ehrenamtlich zur Unterstützung der Aktion gemeldet hat, auch eine ausgebildete Krankenschwester vom Altenheim in Merten bei der Typisierungsaktion mit.

Melanie Reinhardt aus Alfter hat mit Freunden die Werbetrommel gerührt und Flyer verteilt - Sven Peterson hat die Aktion zur Typisierung bei der DKMS angeregt und organisiert.

Melanie Reinhardt aus Alfter hat mit Freunden die Werbetrommel gerührt und Flyer verteilt - Sven Peterson hat die Aktion zur Typisierung bei der DKMS angeregt und organisiert.

Sie gab den Spendern das Kuvert der DKMS in die Hand, in dem auch die Wattestäbchen für den Wangenabstrich stecken. Über einen QR-Code konnten sich die Menschen registrieren. Dabei galt es einen Fragebogen auszufüllen. Selber machten sie den Wangenabstrich. Anschließend mussten die Stäbchen kurz trocknen, kamen dann zurück in den Umschlag, der wurde abschließend verschlossen und in die Sammelbox gesteckt wurde – fertig.

Viele der Helfer, die am Sonntag im SSV-Sportheim waren, hatten sich allerdings längst bei vorausgegangenen Aktionen typisiert, so wie zum Beispiel der Vorsitzende des SSV Merten Theo Riegel und seine Tochter Susanne Wirtz. „Uns wurde vor mehr als 20 Jahren noch Blut abgenommen“, berichtete Riegel. Inzwischen sei er aber zu alt, um als Spender in Frage zu kommen.

Mit dem Wangenabstrich hatten auch die Kicker des SV-Vorgebirge aus Waldorf kein Problem.

Mit dem Wangenabstrich hatten auch die Kicker des SV-Vorgebirge aus Waldorf kein Problem.

Die Idee der Typisierungsaktion hatte Sven Petersen. Als Vater von vier Jungs, von denen zwei noch in den KiTa Rappelkiste gehen, sei er auf die Krankheit des kleinen Leonhards aufmerksam geworden. Dann habe er sich mit Andreas Wallau zusammengetan und überlegt, was zu tun ist. Beide sind Trainer beim SSV Merten und Teil des Jugendvorstands. „Und wir waren uns direkt einig, uns an die DKMS zu wenden“, berichtete er.

Dann sei alles ganz schnell gegangen. Gerne hat der SSV Merten sein Sportlerheim für die Aktion zur Verfügung gestellt. Die Brücke zu den Eltern des Jungen schuf Melanie Reinhardt aus Alfter. Sie ist eine Schulfreundin von Thomas. „Wir haben zusammen das Abi gemacht“, erklärte sie. Auch sie ist längst typisiert. Mit Freunden hat sie allerdings viele Flyer verteilt und in den sozialen Medien für die Aktion geworben.

So hatte auch Peter Klug aus Brühl von der Aktion erfahren. „Ich wollte mich schon immer typisieren lassen“, berichtete er. Jetzt sei der Moment gekommen. Gleiches dachte auch Daniela Vogel aus Heimerzheim und Daniela Rech-Jordan aus Roisdorf. Sie hatte sich, als sie von der Aktion erfuhr, den Termin direkt notiert. „Ich habe selber Kinder und weiß wie wichtig jetzt jede Typisierung sein kann“, sagte sie.

Wie sich das anfühlt, selber Spender zu werden wusste Julia Schmitz zu berichten. Die 33-jährige Mutter aus Waldorf wurde am 21. Dezember 2022 zur Lebensretterin. Am Sonntag stand sie den Spendern für Fragen zur Verfügung. Und was sie ihnen erzählte, bewegte zutiefst: Nach der Geburt ihres Kindes, das für sie das Schönste bisherige Erlebnis in ihrem Leben war, schließe sich diese Stammzellenspende unmittelbar an. „Weil ich weiß, dass ich so schnell und einfach einem Menschen das Leben retten konnte“, erklärte sie. Ein großes Glücksgefühl habe sie tagelang getragen und sei bis heute da. Denn inzwischen weiß sie, dass ihre Spende einer etwa 30-jährigen Frau in Amerika wirklich das Leben gerettet hat. „Sie ist nach jetzigem Stand gesund“, so Schmitz. Nach Ablauf der von der DKMS vorgegebenen Kontaktsperre von zwei Jahren wolle sie Kontakt mit der Frau aufnehmen. „Sie ist ja mein genetischer Zwilling“, so Schmitz.

Die Stammzellenspende erklärte sie als „einfach.“ Gründliche körperliche und psychologische Untersuchungen seien der Stammzellenentnahme vorausgegangen. Die eigentliche Spende sei einfach gewesen. Sie habe rechts und links im Arm einen Zugang gelegt bekommen. Ihr Blut sei dann links aus ihrem Körper durch einen Filteranlage gelaufen und rechts wieder in ihren Körper zurück. Die Filteranlage habe die Stammzellen herausgefiltert.

Die Großeltern des kleinen Leonhard, Christa und Hans Raith aus Merten zusammen mit der Lebensretterin Julia Schmitz aus Waldorf (r.)

Die Großeltern des kleinen Leonhard, Christa und Hans Raith aus Merten zusammen mit der Lebensretterin Julia Schmitz aus Waldorf (r.)

Über die große Hilfsbereitschaft freuten sich auch die Großeltern des kleinen Leonhard, Christa und Hans Raith. Beide waren am Sonntag zum Sportplatz gekommen. „Wir sind überwältigt von dieser Anteilnahme“, sagte Christa Reith und ihr Mann ergänzte: „Dabei ist unser Sohn gar kein Sportsmensch und auch kein Mitglied im SSV Merten.“

Ihren Enkel sehen sie zurzeit wegen der großen Infektionsgefahr nur auf Video. „Er ist zurzeit stabil und nimmt wieder auch richtig am Leben teil, ist sogar ein bisschen gewachsen, lacht auch und brabbelt“, erzählten sie. Zwei Chemo-Blöcke habe er bereits überstanden. Noch bräuchte er aber zwei weitere, bis eine Stammzellenspende möglich ist.

„Dieser nächste Chemo-Block beginnt Ende kommender Woche“, sagte Leonhards Vater. Im Idealfall dauere er dann 28 Tage. Das sei die Zeit in der die Medikamente gegeben werden, wirken - und sich der Körper dann wieder soweit erholt hat, damit der nächsten Chemo-Block beginnen kann.

Zusammen mit seiner Frau lebt er zurzeit im Elternhaus der Uniklinik. Einer von ihnen ist immer beim Kind. „Und wir haben ein Ziel vor Augen“, sagen die Eltern einvernehmlich: „Im Herbst wollen wir hier mit einem gesunden Kind aus der Klinik gehen“.

Nachtmodus
Rundschau abonnieren