Gastronomen im Rhein-Sieg-Kreis begrüßen die Mehrwertsteuersenkung, kämpfen jedoch mit gestiegenen Lebensmittel- und Energiekosten.
Gastro-SzeneGastronomen in Rhein-Sieg reagieren auf die Reduzierung der Mehrwertsteuer

Von 19 auf sieben Prozent: Zum Jahreswechsel wurde die Höhe der Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants gesenkt.
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Die Höhe der Mehrwertsteuer für Speisen im Restaurant wurde zum Jahreswechsel von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Damit gilt wieder derselbe Steuersatz wie zu Corona-Zeiten und es spielt keine Rolle, ob das Essen im Restaurant verzehrt, abgeholt oder geliefert wird. Der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent für Getränke ändert sich indes nicht.
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Nordrhein-Westfalen begrüßt die Entscheidung als „überfällige politische Weichenstellung für die Zukunft der Gastronomie in Städten, Gemeinden und im ländlichen Raum“. Sieben Prozent verschafften vielen Betrieben Luft zum Atmen und Freiräume für Investitionen. Dieser Schritt beuge weiteren Betriebsschließungen vor und sichere Arbeitsplätze.
Christoph Becker, Geschäftsführer der DEHOGA Nordrhein, bewertet die Maßnahme als einen Schritt hin zur „Steuergerechtigkeit“. „Endlich profitieren auch Restaurants, die einen guten Service anbieten und sich im harten Wettbewerb mit Lieferdiensten behaupten müssen.“ Die Konkurrenz infolge eines stetig wachsenden Außer-Haus-Verkaufs sei für viele Gastronomiebetriebe spätestens seit Corona ein großes Problem. Speisen, die geliefert oder abgeholt werden, genießen seitdem durchgängig den günstigeren Mehrwertsteuersatz. Insgesamt sei der geringere Steuersatz daher für viele serviceorientierte Restaurants eine überlebenswichtige Korrektur, so Becker.
„Lebensmittel sind erheblich teurer geworden“
Die Mehrzahl der Gastronomen versteht die Reduzierung als Kompensation für gestiegene Kosten auf mehreren Ebenen. „Viele Lebensmittel sind in letzter Zeit erheblich teurer geworden“, nennt Geschäftsführer Volker Deuster aus dem Restaurant Ohm Hein in Meckenheim-Altendorf eine der wesentlichen Belastungen und sieht zwei weitere Probleme, die der Gastronomie zusetzen: „Auch die Energiekosten bewegen sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Hinzu kommt der gestiegene Mindestlohn.“ Deuster hat sich deshalb entschieden, die Preise für Schnitzel, Sauerbraten und Steaks nicht anzutasten.
Gestiegene Belastungen sind auch für Dieter Piel aus dem Alfterer Gasthaus Spargel Weber das Hauptargument für ausbleibende Preissenkungen. „Wir müssen für die Hotelwäsche in diesem Jahr 24 Prozent mehr zahlen und wissen noch nicht, wie wir das auffangen“, sagt der Gastronom. Hinzu komme der gestiegene Mindestlohn. Die lange angekündigte Senkung der Mehrwertsteuer sei daher allenfalls ein kleiner Ausgleich, aber kein Grund, die Speisekarte umzuschreiben.
In dieselbe Richtung gehen auch die Argumente weiterer Gastronomen. „Ich habe mich mit mehreren Kollegen ausgetauscht. Preissenkungen sind, soweit ich weiß, nirgendwo ein Thema“, erklärt Hans-Willi Schiefbahn aus der Waldorfer Gaststätte Kreuel. „Wir können die Reduzierung der Mehrwertsteuer leider nicht an unsere Gäste weitergeben, da viele andere Kosten gestiegen sind“, liegt auch Familie Kaebe aus den Widdiger Rheinterrassen auf derselben Linie.
Höhere Preise trotz gefallener Mehrwertsteuer
Für Momcilo Vujic, Chef des Restaurants Konoba am Meckenheimer Neuen Markt, ist der niedrigere Mehrwertsteuersatz ein Grund, geplante Preissteigerungen noch einmal zu überdenken oder zumindest in das Frühjahr zu verschieben. „Wir schwanken noch und warten ab, wie sich die Situation entwickelt“, erklärt der Gastronom. Vujic hat dafür mehrere Gründe. Der gestiegene Mindestlohn und die Energiekosten seien nur zwei Faktoren.
„Wir müssen auch abwarten, wie wir gestiegene Krankenkassenbeiträge kompensieren können. Der letztlich ausschlaggebende Aspekt für unsere Preiskalkulation sind aber die Lebensmittelpreise“, so Vujic. In der Küche des Konoba spielen Fleischgerichte eine tragende Rolle. Die Preise für argentinische Exportware haben sich nahezu verdoppelt. Ähnliche Steigerungsraten hat Vujic auch für Putenfleisch festgestellt. „Wenn ich sämtliche Kostensteigerungen summiere, müsste ich trotz der gefallenen Mehrwertsteuer mit etwa zehn Prozent höheren Preisen kalkulieren“, schlussfolgert der Chef des Konoba.
Für zahlreiche Restaurants spielen die Fleischpreise eine zentrale Rolle. Das gilt insbesondere für Brauhäuser, in deren Küchen vornehmlich deftige Kost zubereitet wird. Markus Schemerka aus Rheinbach setzt seit etwa einem Jahr darauf, mehr Alternativen anzubieten. So kommen zum Beispiel die Knödelvariationen bei den Gästen sehr gut an. Preissenkungen sind indes auch für ihn kein Thema. Die Kalkulation sei ohnehin schon sehr knapp. Bei den Schemerkas liegen die Preise für alle Schnitzel allerdings weiterhin unter 20 Euro. Damit bewegt sich das Rheinbacher Brauhaus im moderaten Bereich.
Nur wenige Gastronomen planen Preissenkungen
Hasan Ali Yildrim aus dem Kardorfer Restaurant Medi ist einer der wenigen Gastronomen, die Preissenkungen planen. „Es wird noch ein wenig dauern, bis ich die Preise senke, denn ich überlege gerade, welche Speisen konkret günstiger werden“, sagt er. Die Reduzierung soll allerdings im überschaubaren Rahmen bleiben. Suppen und Vorspeisen werden voraussichtlich um 50 Cent, die Hauptgerichte wie Pizzen oder Lammkoteletts vermutlich um einen Euro günstiger.
Mit einer angepassten Speisekarte plant auch Heinz Niedecken aus dem Chaka's in Merten. Schnitzel, Burger und Steaks werden in Kürze günstiger. Eine neue Speisekarte kündigt der Gastronom noch für diesem Monat an. „Wir sind entschlossen, die Preise zu reduzieren und die Senkung der Mehrwertsteuer an unsere Gäste weiterzugeben. Das ist aber mit einem gewissen Aufwand verbunden und dauert deshalb noch ein wenig, weil wir gleichzeitig auch unser Kassensystem anpassen müssen“, erklärt Niedecken.
