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Konzept für den KlimaschutzPraktische Maßnahmen beginnen in Bornheim

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Nach zwei Stürmen und dem Befall von Borkenkäfern half bei vielen Bäumen nur noch Kahlschlag im Wald bei Buschhoven.

Rhein-Sieg-Kreis – Kahlschlag im Kottenforst, das fast ausgetrocknete Flussbett des Rheins im Hitzesommer 2018, Ernteeinbußen bei den heimischen Landwirten durch die Extremhitze der vergangenen beiden Sommer – die Auswirkungen des Klimawandels sind längst in der Region Rhein-Voreifel angekommen.

„Es treten immer mehr Extreme auf. Hatten wir bislang im Mittel zehn heiße Tage über 30 Grad pro Jahr, werden es künftig 30 bis 50 sein, auch schon mal zwei Wochen am Stück.“ Eine Dystopie, die Monika Steinrücke, Geografin und Geschäftsführerin des Bochumer Klima-, Umwelt- und Planungsbüros „K. Plan“, am Donnerstag im Ratssaal im Bornheimer Rathaus skizzierte.

Konzept zur Anpassung an den Klimawandel

Steinrücke begleitet mit ihrem Büro die Erarbeitung des „Klimaschutzteilkonzeptes zur Anpassung an den Klimawandel“, an dem sich die sechs linksrheinischen Kommunen Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg beteiligen. Aus allen Städten und Gemeinden waren Vertreter zur Auftaktveranstaltung nach Bornheim bekommen. Tobias Gethke, interkommunaler Klimaschutzmanager, zeigte sich beeindruckt von dem großen Zuspruch.

Vorläufer

Den Grundstein für die intensive kommunale Zusammenarbeitstein der sechs linksrheinischen Kommunen legte das Integrierte ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) Ville/Voreifel, das 2006 für acht Jahre gestartet wurde. Ziel war, Stärken der Region zu optimieren, Schwächen zu minimieren. Dafür gab es mehr als 42 Millionen Fördergelder von der EU, von Bund und Land. Die Arbeitsgruppe Kommunaler Klimaschutz hat den ILEK-Prozess ab 2014 weitergeführt.

Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler begrüßte nicht nur die Gäste, er erinnerte auch an die Extremwettersituationen der vergangenen Jahre in der Region. Daher sei es wichtig, konkrete Strategien und Maßnahmen für alle Kommunen zu ergreifen. Darum geht es: Voraussichtlich im Oktober 2020 soll das Konzept mit den entsprechenden Anpassungsstrategien und konkreten Handlungsempfehlungen und Analysen zu den am stärksten betroffenen Gebieten vorliegen.

Workshops für Bürger, Politiker und Experten

Dazu wird es noch zwei Workshops geben, an denen sich Bürger, Politiker und Experten beteiligen können: „Wichtig ist uns, Maßnahmen zu entwickeln, die auch machbar, umsetzbar und bezahlbar sind“, erläuterte Wolfgang Paulus, Leiter des Bornheimer Umweltamtes. Steht das Konzept, sind die Ausschüsse und Räte der einzelnen Kommunen gefragt.

Ganz praktische Maßnahmen zeichnete Monika Steinrücke auf. So sollte man für Markierungen öffentlicher Fläche, etwa Parkplätze, oder auch für den privaten Hausbau eher helle Farben, Baumaterialien oder Pflastersteine verwenden. Dunkle Oberflächen bezeichnete sie als Hot Spots, die sich aufheizen wie Herdplatten. Dadurch kühlt es sich bei Hitzeperioden vor allem in dicht besiedelten Gebieten nachts kaum ab. Viele Bürger hätten richtige Heizöfen vor ihren Häusern, wenn sie „Gärten des Grauens“ zubetonierten oder statt mit Hecken mit Kunststoffwänden oder Gabionenzäunen umranden.

Hochwassermanagement und Kaltluftschneisen

Kommunen müssten zudem für Kaltluftschneisen sorgen, damit sich Städte und Dörfer nicht zu stark aufheizen. Auch ein Hochwassermanagement sei erforderlich. Denn: „Sogenannte Jahrhundertereignisse werden künftig immer öfter auftreten. Jedes Jahr ist mindestens eine Kommune in NRW von Starkregen und Hochwasser betroffen.“

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In der anschließenden Diskussion lobte Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz die interkommunale Zusammenarbeit zu dem Thema: „Früher hörte das Thema an den Gemeindegrenzen auf. Das Klimaanpassungskonzept sollten wir als Chance begreifen.“ Ein Landwirt aus der Region sprach von „vielen Konflikten“, die nicht nur auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werden dürften: „Wir brauchen auch die Unterstützung der Bevölkerung“.

Bürgermeister fordert „Change Management“

Bornheims unabhängiger Bürgermeisterkandidat Christoph Becker forderte ein „Change Management“: „Wollen wir eine ökologische Landwirtschaft, können wir in den Hofläden saisonal einkaufen“. Er ist sich sicher: „Wir werden immer mehr Menschen mitnehmen können, um etwas zu verändern.“

Monika Wolf-Umhauer, Fraktionsvorsitzende der FDP Swisttal, wünschte sich konkrete Empfehlungen für Bauherren, die dann auch in den Bebauungsplänen umgesetzt werden können. Sonia Theimann von den Grünen in Alfter kritisierte die zunehmende Flächenversiegelung durch den Bau neuer Gewerbegebiete, etwa bei den wertvollen Böden des geplanten Gewerbegebietes Alfter-Nord.