Abo

Zu wenig Eintrittskarten verkauftHohe Verluste im Bornheimer Freizeitbad

5 min

Arbeiten am Freizeitbad in Bornheim

Bornheim – „Die Menschen haben sich danach gesehnt, wieder unsere Angebote annehmen zu können“, erklärte Michael Kleist, Leiter des Bornheimer Hallenfreizeitbads, gegenüber der Rundschau. Er war am Mittwochabend bei der Sitzung des Verwaltungsrates des Stadtbetriebs Bornheim (SBB), der auch Betreiber des Bads ist.

Seit dem 2. Juni sind Frei- und Hallenbad sowie die Sauna wieder geöffnet. Tickets müssen vorab online gekauft werden. Wie bereits im vergangenen Jahr ist nur jeweils einer der Bereiche zugänglich. Die Einrichtungen können nicht wie vor Corona kombiniert genutzt werden. In Hallenbad und Sauna gibt es zudem bestimmte Zeitfenster, im Freibad dagegen Tageskarten. „Halle und Sauna sind extrem gut gebucht, nahezu alle Zeitfenster sind ausverkauft“, erklärte Kleist. Auch der Freibadbereich wurde bereits sehr gut angenommen, vor allem an den heißen Tagen Mitte Juni.

Allerdings gilt hier eine strenge Begrenzung. Wie schon 2020 können pro Tag maximal nur 360 Gäste in den Außenbereich. In den Vorjahren waren es an Spitzentagen bis zu 1500 Badegäste.

Hohe Umsatzeinbußen

Das schlägt sich laut Wolfgang Veldboer von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO auch in der Abschlussbilanz für das Jahr 2020 nieder. Der Umsatz des Bads betrug 2019 noch knapp 1,1 Millionen Euro – 2020 brach er mit etwa 477 000 Euro um mehr als die Hälfte ein. 2019 nahm der SBB durch Eintrittskarten rund 801 000 Euro ein, 2020 nur 289 000 Euro.

Dieser Trend dürfte sich laut SBB im laufenden Jahr fortsetzen. „Da es sich bei dem Stadtbetrieb um eine Anstalt Öffentlichen Rechts handelt, können die Verluste nicht wie beim Etat der Stadt ergebnisneutral im laufenden Haushalt dargestellt werden“, erläuterte SBB-Vorstand Ulrich Rehbann. Er berichtete, dass die staatlichen Wirtschaftshilfen in Anspruch genommen wurden. „Allerdings musste ich leider auch in meiner mittlerweile 40-jährigen Arbeitszeit zum ersten Mal Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken“, so Rehbann.

Große Nachfrage nach Kursen

Wer für seine Kinder einen der begehrten Plätze in einem Schwimmkurs ergattern wollte, musste fix sein. Die Intensivkurse für Seepferdchen und Bronze in den Sommerferien sind bereits ausverkauft: „Kaum hatten wir die Kurse wieder im Verkauf, waren alle Plätze innerhalb weniger Stunde vergriffen“, schilderte Michael Kleist. Gespräche mit externen Anbietern liefen, so dass das Angebot hoffentlich ausgeweitet werden könne.

Der Bedarf an Schwimmkursen sei enorm, das Problem entsprechende Plätze zu bekommen sei laut Ulrich Rehbann „gravierend“. Der SBB könnte genügend Wasserflächen für Schwimmkurse zur Verfügung stellen, doch auch Anbieter wie die DLRG kämen mittlerweile an ihre Grenzen. Um weitere Kurse zu finanzieren könnte die Bornheimer Bürgerstiftung einspringen, so Rehbann weiter.

Thomas Meyer (CDU) wunderte sich, dass nicht alle Schulen Schwimmen im Sportunterrichtanbieten und fragte nach, ob möglicherweise zu wenig qualifizierte Lehrer hierfür zur Verfügung stehen. Zudem sagte er: „Wir müssen gucken, dass wir das Schwimmen wieder in die Schulen bekommen.“ Für den parteilosen Bürgermeister Christoph Becker war dies „eine neue Information“. Er werde bei den Schulleitungen nachfragen, ob es hier personelle Engpässe gebe.

Stadtrat beschließt Neubau

Nachdem sich bereits der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) einstimmig für einen Neubau des Bornheimer Hallenbades statt einer Sanierung im Bestandsgebäude ausgesprochen hatte, folgte nun der Stadtrat dieser Empfehlung mit einem einstimmigen Beschluss.

Gleichzeitig prüfen Bürgermeister Christoph Becker und die Verwaltung, welche Finanzierungsmodelle möglich sind und ob eventuell ein Investor für den Neubau mit ins Boot geholt werden könnte. Dies hatte im Ausschuss die CDU-Fraktion beantragt. Dem Vergabeverfahren könnte ein Planungs- und Ideenwettbewerb vorgeschaltet werden.

Das Anfang der 1970er Jahre eröffnete Hallenfreizeitbad weist einen erheblichen Sanierungsstau auf (die Rundschau berichtete), sowohl in der Bausubstanz, der Technik, als auch bei der Sicherheit für die Badegäste. Eine Machbarkeitsstudie ergab, dass eine Sanierung des Gebäudes langfristig die bessere Alternative ist, als zu sanieren. Um den Schul- und Vereinssport weiterhin zu gewährleisten wird zunächst Richtung Rilkestraße auf einem Teil der Freibadwiese das neue Gebäude errichtet und erst nach Fertigstellung das heutige Hallenbad abgerissen. Gleichzeitig wird auch der Freibadbereich saniert und modernisiert. Die Verwaltung hat für die Gesamtmaßnahme rund 35 Millionen Euro veranschlagt.

Das neue Bad

Alle Fraktionen waren sich im Rat darüber einig, dass in Bornheim wie bislang kein Spaßbad, sondern ein funktionales Schwimmbad gebaut werden soll. Läuft alles nach Plan wird die neue Schwimmstätte Ende 2024 eröffnet. Noch ist unklar, wie das neue Hallenbad ausgestattet wird, was aus der Saunalandschaft wird und wie künftig der Freibadbereich aussehen soll. Hierüber beraten die Gremien nach der Sommerpause.

Einige Saunagäste befürchteten laut SBB, dass es künftig keine Sauna mehr geben werde: „Das stimmt nicht, wir werden den Saunabereich weiterführen“, beruhigte Bürgermeister Becker. Erste Ideen sehen vor, dass in dem neuen Gebäude mit einer Grundfläche von rund 3000 Quadratmetern ein Schwimmerbecken mit sechs statt bislang fünf Bahnen sowie eine Sprungbucht mit einem Ein-Meter-Brett und einer Drei-Meter-Plattform gebaut werden könnten. Bisher gibt es im Hallenbad ein extra Sprungbecken. Durch die zusätzliche Bahn könnte das Schulschwimmen optimiert werden, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Auch für Sportschwimmer und Vereine werde das neue Bad dadurch attraktiver.

Das könnte Sie auch interessieren:

Darüber hinaus wird über ein separates Lehrschwimmbecken mit Hubboden nachgedacht, um die enorme Nachfrage bei Schwimmkursen – besonders für Anfänger – bedienen zu können. Ein solches Becken könnte auch für Reha-Angebote genutzt werden. Ein Eltern-Kind-Baby-Becken sowie einen Baby- und Kleinkinderbereich soll es zudem wieder geben. Ebenso wie einen Kiosk für Frei- und Hallenbadgäste.