Michael Sachse hat in der Bonner Südstadt und in Mehlem zwei Adressen besucht, an denen der Tee die Hauptrolle spielt.
Gastro-Szene BonnTeestuben mit Charme

Gastgeberin Yan Dong und Elias Masian aus dem Tee Time in Mehlem.
Copyright: Michael Sachse
Wenn von einem Café die Rede ist, dreht sich in der Regel vieles um die Qualität der Bohnen. Kaffeespezialitäten wie Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato dominieren das Angebot. Das Teesortiment steht hingegen oft im Schatten. Das muss nicht sein.
Mate-Tees in der Südstadt
Ein schönes Gründerzeiteckhaus inmitten der Bonner Südstadt ist die Heimat von Lupercia. Hier hat Maria Moreno vor einigen Monaten einen Teeladen eröffnet, der sich allmählich auch als Café einen Namen macht. Ein Tisch, ein paar Stühle und einige Plätze auf Kissen im Fenster sowie vier Tische vor der Tür unter einer großen Kastanie gegenüber dem Roonplatz sollen erst der Anfang sein. Schon bald wird ein zweiter Raum für die Gäste nutzbar sein.
Maria Moreno stammt aus der argentinischen Millionenstadt Córdoba. Schon zu Kindestagen besaß der Tee für sie eine besondere Bedeutung. „Nachmittags scharte meine Großmutter ihre Enkelkinder um sich, deckte den Tisch mit einer Tischdecke und ihren Lieblingstassen. Dann wurde Ceylon-Tee eingeschenkt und dazu gab es Toast mit Butter und Honig“, blickt sie zurück. Beim Teetrinken wurden Anekdoten ausgetauscht, gelacht und vorgelesen. Diese unvergesslichen Momente sind Maria Moreno bis heute in bester Erinnerung.

Sehr einladend: das Lupercia in der Bonner Südstadt.
Copyright: Michael Sachse
Den angenehmen Geschmack der Kindheit möchte sie heute mit ihren Gästen teilen und hat ihrem Teeladen daher den Namen ihrer Großmutter Lupercia gegeben. Die Tees, die bei ihr angeboten und ausgeschenkt werden, sind zu 90 Prozent biologisch und werden zur Sicherung der Qualität einer Laborkontrolle unterzogen. „Dadurch kann zum Beispiel Schädlingsbefall weitgehend ausgeschlossen werden“, verrät Moreno. In großen Dosen geschützt lagern ca. 70 Sorten Tee in den Schränken und Regalen. Sie werden nicht nur zum Verkauf angeboten, sondern können ausnahmslos auch vor Ort genossen werden.
Ausgeschenkt wird der Tee in der Tasse (5 Euro) oder alternativ in einem kleinen (8 Euro) oder großen Kännchen (10 Euro). Eine zentrale Rolle spielen Mate-Tees, die in speziellen Trinkgefäßen serviert werden. Mate-Tee stammt ursprünglich aus Paraguay und eroberte von dort den südamerikanischen Subkontinent. In Maria Morenos argentinischer Heimat trinken mehr als 80 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal wöchentlich Mate-Tee.
Teeseminare: „Von der Plantage bis zur Tasse“
Die Gastgeberin plant, in Kürze spezielle Teeseminare anzubieten. Mate-Tees sollen dabei im Vordergrund stehen. Vordringlich soll es um die Geschichte des Tees, den Anbau und um seine Wirkung gehen. „Von der Plantage bis zur Tasse“, fasst Maria Moreno die thematische Spannbreite zusammen. Mate-Tees gelten nicht nur als bekömmlich, sondern auch als besonders gesund. Kaffee gibt es bei Maria Moreno zwar auch, doch er ist allenfalls ein Nebenprodukt.
Zu den Tees passen sowohl Zitronen-, Apfel- oder Schokoladenkuchen (Stück für 5 Euro) als auch Scones. Als kombiniertes Angebot gibt es eine große Kanne Tee mit Scones und Clotted Cream für 14 Euro. Ein Trumpf ist das schöne Ambiente. Dafür garantieren alleine schon die hohen, mit Stuck geschmückten Decken und die geschmackvolle Einrichtung.
Lupercia, Argelanderstraße 75, 53115 Bonn, (0151) 67970350, dienstags bis freitags 11 bis 19 Uhr, samstags 12 bis 17 Uhr
Tee Time in Mehlem
Auch in China hat die Teekultur eine besondere Bedeutung. Diese Kultur zu vermitteln, ist eine der Aufgaben, der sich Yan Dong widmet. Die 45-jährige gebürtige Chinesin lebt seit mehr als 25 Jahren in Deutschland. In Mehlem hat sie vor vier Jahren ihre erste kleine Teestube eröffnet. „Ich wollte einen gemütlichen Treffpunkt schaffen, an dem sich die Nachbarschaft versammeln und in gemütlicher Atmosphäre entspannen kann“, sagt sie.
Schnell war dieser Ort zu klein geworden. Im vergangenen Herbst ist Yan Dong schließlich umgezogen. Etwa 150 Meter weiter residiert sie nun nahe der Pfarrkirche Sankt Severin im Kern des südlichsten Bonner Stadtteils. Hier hat sie eine frühere Metzgerei über drei Monate renoviert und verfügt seitdem über ca. 30 Sitzplätze, die sich an mehreren unterschiedlich großen Tischen verteilen. Im Zentrum des Raums thront ein großer Holztisch, an dem alleine mindestens 12 Personen Platz nehmen können.
Kein Tisch und kein Stuhl ist wie der andere. „Ich habe meine Möbel hauptsächlich in Second-Hand Läden erworben oder auf dem Sperrmüll gefunden“, sagt sie. Gleiches gilt für weitere Einrichtungsgegenstände wie einen alten Plattenspieler, eine betagte Schreibmaschine oder ein Klavier. Korblampen und Leuchten im Industrial Style wechseln sich ab. Hinzu kommen zahlreiche Topfpflanzen, die die Wohnzimmer-Atmosphäre komplettieren.
Snacks auf der chinesischen Küche
Die Gäste können zwischen zwölf verschiedenen Tees wählen. Das Angebot reicht von weißem Tee über Jasmin Grüntee (je 2,80 Euro) bis hin zu Milchtee mit Tapioka (4 Euro). Auch auf Kaffeespezialitäten muss niemand verzichten. Außerdem gibt es Matcha (4 Euro), Smoothies (3,20 Euro) und Milchshakes (3,20 Euro).
Dazu passen selbst gebackener Kuchen (Stück für 3,80 Euro). Die Snacks bereitet die Gastgeberin ebenso selbst zu. Sie stammen aus der chinesischen Küche. Serviert werden zum Beispiel veganer Glasnudelsalat (4,20 Euro), gebratene Nudeln (5,80 Euro), Ramen (5,80 Euro) oder Frühlingsrollen mit süß-scharfer Sauce (4,50 Euro). Das Service-Team der Teestube verstärken Schülerinnen und Schüler, die ein Praktikum absolvieren und manchmal auch anschließend gerne hier weiter aushelfen. „Ich mag es, mit jungen Leuten zusammen zu arbeiten, denen ich die Gelegenheit bieten kann, sich auszuprobieren“, sagt Yan Dong.
Der Name Tee Time soll auch für kulturelle Begegnungen stehen. So wird der Ort an jedem ersten Donnerstag eines Monats zu einer Bühne für Live Musik. Der Kontrabassist Markus Quabeck organisiert die Veranstaltungen und lädt dazu immer Gastmusiker ein. Nächster Termin ist der 2. April. Dann freuen sich die Gäste auf Tom Kannmacher und Stephan Hennes. Sie spielen irische Tunes und Songs auf Englisch und Gälisch mit Uilleann Pipes und Gitarre.
Tee Time, Meckenheimer Straße 3, 53179 Bonn-Mehlem, Telefon (0176) 76859368, mittwochs bis freitags 16 bis 20 Uhr, samstags 14 bis 20 Uhr und sonntags 11 bis 20 Uhr
