Im Siebengebirgsmuseum in Königswinter ist eine neue Sonderausstellung mit Werken von Caspar Scheuren zu sehen.
RheinromantikFür Ausstellung in Königswinter schöne Rheinpanoramen ausgewählt

Das Gemälde „Blick von Pfaffendorf auf Koblenz" von 1856 ist ein Blickfang in der neuen Sonderausstellung.
Copyright: Ralf Klodt
Wie schön und beschaulich, aber auch zugleich mit einer Fülle von geheimnisvollen Anspielungen ist dieses Album aus dem Jahr 1865 anzusehen, dessen einzelne Blätter – jedes Blatt ein Kosmos – in einer Sonderausstellung im Siebengebirgsmuseum in Königswinter zu sehen sind. Ihr Titel: „Landschaft, Sage und Geschichte – Caspar Scheuren und der Rhein“.
Angenehm ist die Anordnung dieser hellen, lichten Blätter auf den Wänden in zartem Gelb, wobei das Bilderband immer wieder von Ölbildern unterbrochen wird, so auch von einem Selbstbildnis des ambitionierten Lithographen Caspar Scheuren (1810-1887), auf dem der Maler sich in Künstlertracht vorstellt.
Der arrivierte Maler Caspar Scheuren stand in preußischen Diensten
Sicherlich ist sein Werk auch eine Hommage an den preußischen Adler in der damaligen Preußischen Rheinprovinz, denn der arrivierte Maler der Düsseldorfer Malerschule steht in preußischen Diensten. Und schließlich sollte das Album, dessen kostbare Lederhülle ebenfalls ausgestellt ist, auf einem Widmungsblatt der Königin Augusta von Preußen zugedacht sein.
Von insgesamt 26 Farblithografien haben die Kuratorinnen Dr. Irene Haberland und Sandra Laute 14 Blätter ausgewählt, die die schönsten Panoramen entlang des Rheins wiedergeben. Wahrgenommen wurde die schöne Landschaft, und doch zugleich immer wieder bereichert um kleine Miniaturbilder in Einschiebseln von einem Künstler, der auf der Schwelle von der biedermeierlichen Spätromantik zu einer neuen wissenschaftlich technischen Zeit steht.
Dazu gehört auf dem Bonn-Blatt die 1818 von Schlegel gegründete Bonner Universität, samt der fröhlichen Burschenherrlichkeit (der preußischen Prinzen). Natürlich darf aber auch der eben im Aufbau begriffene Kölner Dom nicht fehlen, wenn er auch seitenverkehrt wiedergegeben ist, was dem Bauprozess geschuldet war, denn die eigentliche Schauseite der Fassade war noch nicht fertig gestellt.
Und es darf auch der Hinweis auf die Sayner Hütte mit ihrer Gusseisenfertigung als Zeichen der Frühindustrialisierung nicht fehlen, und wo auch immer möglich, gehören die ersten frühen Eisenbahnen als Boten einer neuen Zeit mit dazu. Doch bleibt spürbar, welch ein wunderbarer Landschaftsmaler da zum Zuge gekommen war, der nicht nur vom Drachenfels und Siebengebirge begeistert war, sondern ebenso von der trügerischen Stille an der Loreley im Mondenschein.

Sandra Laute hat die Ausstellung „Landschaft, Sage und Geschichte – Caspar Scheuren und der Rhein“ kuratiert.
Copyright: Ralf Klodt
Erst in einem Medaillon erscheint die Nixe in der barockartigen Rahmenornamentik im Bild. Und so bleibt die Welt der Sagen nicht außen vor. Textbänder werden immer wieder in eine Ornamentik hineingenommen, die oft schon den Jugendstil vorwegzunehmen scheint. Ihrer verschlungenen Ornamente wegen werden diese Albumblätter auch „Arabeskenblätter“ genannt.
Sie sind von dem norddeutschen Künstler Philipp Otto Runge inspiriert, was anschaulich demonstriert wird. So können die Betrachter und Betrachterinnen immer wieder Neues entdecken. Das prächtigste Stück ist aber vielleicht ein Paravent, der sich auf „die schöne Rheinprovinz“ im Jahr 1858 bezieht. Das kostbar gefertigte Stück stammt ursprünglich aus den Besitz der Kaiserin Viktoria und stand lange im Porzellankabinett des Karlsruher Schlosses.
Die Ausstellung im Siebengebirgsmuseum, Kellerstraße 16, ist bis zum 28. Februar 2027 dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet . Kuratorenführungen finden an den Sonntagen 30. August und 8. November jeweils um 17 Uhr statt.
