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14-Jähriger geschlagen und gedemütigtStadt Königswinter äußert sich zu Gewaltvideo

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Zwei Schüler stehen in einem Klassenraum und schauen auf ihre Smartphones.

An den Schulen in Königswinter und Bad Honnef kursiert seit Anfang des Monats ein Gewaltvideo, das zeigt, wie ein 14-Jähriger aus Königswinter geschlagen und gedemütigt wird. Nun hat die Stadt Königswinter eine Erklärung abgegeben. (Symbolfoto)

Ein verstörendes Video der Gewalttat kursiert an Schulen. Bürgermeisterin Heike Jüngling wurde vorgeworfen, wochenlang nicht reagiert zu haben.

Nach den Medienberichten über den Fall eines 14-jährigen Schülers aus Königswinter, der mutmaßlich von 13 Jugendlichen geschlagen und gedemütigt wurde, hat die Stadt Königswinter am Dienstag eine Erklärung auf Facebook veröffentlicht.

Die Stadt und Bürgermeisterin Heike Jüngling seien „tief bestürzt und betroffen“, heißt es darin. Zugleich kündigt die Stadtverwaltung als „erste Maßnahme“ kurzfristig ein Anti-Gewalt-Projekt in Zusammenarbeit mit der Schule des 14-Jährigen an. Von der Gewalttat haben die mutmaßlichen Täter ein Video gemacht, das in den letzten Wochen unter den Jugendlichen in Königswinter weit verbreitet sein soll. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft in Bonn ermitteln unter anderem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung.

Stadt Königswinter steht in engem Kontakt zur betroffenen Familie

Jugendcoach Simon Batta hatte den Fall öffentlich gemacht und kritisiert, dass die Stadt Königswinter wochenlang nichts getan habe, um die Sache vor auch allem an den Schulen aufzuarbeiten. Er hatte ein öffentliches Statement der Bürgermeisterin gefordert. „Die Stadtverwaltung verurteilt diesen Vorfall auf das Schärfste. Gewalt, insbesondere gegen Kinder und Jugendliche, ist durch nichts zu rechtfertigen und widerspricht allen Werten unseres Zusammenlebens“, heißt es in der Erklärung.

Seit Bekanntwerden des Vorfalls stehe die Verwaltung in engem Kontakt mit der betroffenen Familie und biete im Rahmen ihrer Möglichkeiten Unterstützung an. Zudem stehe das Jugendamt und das Schulamt im Austausch mit der betroffenen Schule und den zuständigen Stellen, um eine bestmögliche Begleitung und Unterstützung sicherzustellen. Der Stadt sei bewusst, dass der Vorfall durch die Verbreitung des Videos unter Jugendlichen in der Öffentlichkeit und in den sozialen Medien große Aufmerksamkeit erfahre. Viele Familien und Jugendliche seien besorgt. Man nehme diese Sorgen sehr ernst.

Kritik an Vorgehen der Stadt und der späten Reaktion

Gleichzeitig bittet die Stadt um Verständnis, dass „mit Blick auf die laufenden Ermittlungen sowie zum Schutz der Privatsphäre des betroffenen Jugendlichen und seiner Familie derzeit keine weiteren Details veröffentlicht werden können.“ Die Stadt weist auch darauf hin, dass man sich seit vielen Jahren intensiv in der Gewaltprävention und im Kinderschutz engagiere. „Aufklärung und frühzeitige Unterstützung sind zentrale Bestandteile der Arbeit des Jugendamtes der Stadt Königswinter, um jungen Menschen in Königswinter ein sicheres Umfeld zu bieten.“

In den ersten Kommentaren auf Facebook wurde das Vorgehen der Stadt und die späte Reaktion überwiegend kritisiert. Dort wurde auch bezweifelt, dass es sich um einen Einzelfall gehandelt habe. Simon Batta hatte gegenüber dieser Zeitung erklärt, dass es vier weitere Opfer in Königswinter gebe. Gestern schrieb er: „Wir haben ein Statement erzwungen! Gefährlich, dass es fast fünf Wochen und Druck gebraucht hat.“