Der ÖPNV soll mit einem gestaffelten Fahrplan über die letzten Ferientage gerettet werden.
KVB-Leihbahnen wegBonn kämpft mit der Stadtbahn-Krise – „Belastungen sind uns bewusst“

Stadtbahnen stehen in der Gleisharfe und in der Werkstatt auf dem Betriebshof in Dransdorf (Archivfoto).
Copyright: Maximilian Mühlens/SWB
Am Donnerstagmorgen (27. August) um kurz nach fünf sahen die Betriebshöfe der SWB in Dransdorf anders aus als in den vergangenen Wochen: Die 14 rot-weißen Hochflurbahnen der Kölner Verkehrs-Betriebe, die seit Wochen im Bonner Alltag ausgeholfen hatten, waren über Nacht abgezogen worden – wie von der KVB angekündigt. Zum ersten Mal seit über fünf Wochen musste Bonn seinen Schienenverkehr komplett ohne die geliehene Unterstützung aus Köln bewältigen.
SWB: Enge Abstimmung mit der Technischen Aufsichtsbehörde
Es blieb, nach Angaben von SWB Bus und Bahn, bei den bereits angekündigten Einschränkungen: Der Verkehr sei am Donnerstag ohne die Fahrzeuge aus Köln bewältigt worden, teilte das Unternehmen mit. SWB Bus und Bahn sowie die Elektrischen Bahnen Bonn Rhein/Sieg (SSB) haben zugleich weitere notwendige Unterlagen bei der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) eingereicht. Diese würden jetzt im Detail mit der Behörde abgestimmt.
Der Hintergrund reicht bis in den Sommer zurück: Am 20. Juli hatte die SWB 60 der insgesamt 75 Bonner Stadtbahnen aus dem Verkehr gezogen, nachdem bei Prüfungen der Radsatzwellen der Verdacht auf frühzeitige Materialermüdung aufgekommen war. Zur Überbrückung sprang zunächst die KVB mit 20, zuletzt noch mit 14 Fahrzeugen ein. Diese Leihgabe ist nun ausgelaufen.
K5000-Fahrzeuge auf der Linie 66 sollen Lücke füllen
Um den Betrieb trotzdem am Laufen zu halten, verkehren bis zum Ferienende die Bonner K5000-Fahrzeuge auf der Linie 66; freigegebene Bahnen sollen dort vorrangig zum Einsatz kommen. Der bereits bestehende Bahnersatzverkehr mit Bussen auf den Linien 16 und 63 wird bis zum 1. September bis Bad Godesberg verlängert – eine Maßnahme, die sich nach Angaben der SWB bereits während der Veranstaltung Kölner Lichter bewährt habe. Eine Ausnahme bildet Sonntag, 30. August: An diesem Tag will SWB Bus und Bahn alle Kurse der Linien 16 und 63 wieder mit Stadtbahnwagen besetzen.
Mit dem Ferienende endet zugleich eine zweite Baustelle im Wortsinn: Die Bauarbeiten auf den Linien 16 und 18 laufen aus, sodass die Bahnen dann wieder durchgehend bis Köln fahren sollen. Die Linien würden dann Schritt für Schritt bedient, zunächst teils noch mit Einzelwagen, nach und nach mit zwei Wagen, kündigte das Unternehmen an. Sollten nicht genügend Stadtbahnwagen freigegeben sein, sei erneut ein Einsatz von Bussen oder von Leihfahrzeugen aus Köln möglich – speziell für die gemeinsam mit der KVB betriebene Linie 18 könnten demnach wieder Kölner Fahrzeuge zur Verfügung gestellt werden.
SWB-Geschäftsführerin: „Belastungen sind uns bewusst“
„Wir sind der Technischen Aufsichtsbehörde für die intensive Begleitung dieses aufwendigen Prozesses sehr dankbar. Ebenso danken wir der KVB und allen beteiligten Unternehmen für ihre Unterstützung. Gleichzeitig sind uns die Belastungen bewusst, die die derzeitigen Einschränkungen für unsere Fahrgäste bedeuten. Deshalb arbeiten wir mit hoher Priorität daran, die Voraussetzungen für eine sichere, schrittweise Wiederinbetriebnahme zu schaffen“, erklärt SWB-Geschäftsführerin Anja Wenmakers.
Wie es im September konkret weitergeht, hängt vor allem davon ab, wie viele der 60 stillgelegten Bahnen die TAB bis dahin freigibt. „Wir behalten die Situation im Blick und passen unsere Strategie an – je nachdem, wie viele Stadtbahnen bis zum Ende der Ferienzeit freigegeben sind. Bei Bedarf wenden wir uns erneut an die Kölner Verkehrsbetriebe, um sicherzustellen, dass wir im Berufsverkehr ausreichend Fahrzeuge auf der Schiene und den Straßen haben. Erste Gespräche für den Fall der Fälle hat es bereits gegeben“, ordnet Wenmakers ein.
Entscheidend wird dabei der 1. September: Dann endet nicht nur die Ferienzeit mit erfahrungsgemäß geringerem Fahrgastaufkommen, auch die Bauarbeiten auf den betroffenen Linien laufen aus – zwei Effekte, die zeitgleich zusätzlichen Druck auf ein System bringen, das schon seit über fünf Wochen im Ausnahmezustand fährt. SWB Bus und Bahn kündigte an, fortlaufend über den Stand des Verfahrens und über Veränderungen im Verkehrsangebot zu informieren.
