PräzisionsarbeitDie neue Brücke über die Autobahn in Merl ist eingebaut

Von zwei Schwerlastkränen wurde die 61 Meter lange und 68 Tonnen schwere Fußgängerbrücke über die Autobahn 565 an der Anschlussstelle Merkel an ihren Platz gehievt.
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Meckenheim – Weit vor der geplanten Zeit gelang es dem 30-köpfigen Team um Projektleiter Oliver Bartling, die 61 Meter lange und rund 68 Tonnen schwere Fußgängerbrücke über die Autobahn A565 an der Anschlussstelle Merl an ihren vorgesehenen Platz zu hieven. Um 23 Uhr war es soweit: Mit Hilfe zweier riesiger Schwerlastkräne wurde die Stahlbrücke zentimetergenau auf drei Stahlbetonpfeiler aufgesetzt. Die beiden Widerlager zu beiden Seiten der Autobahn waren noch intakt gewesen, der dritte, fünf Meter hoher Stahlbetonpfeiler zwischen den beiden Fahrbahnen wurde vor kurzem fertiggestellt.
Korrosionsschutz soll 40 Jahre halten
Die neue Brücke ist ein Pilotprojekt, mit dem die Haltbarkeit einer thermisch-spritzverzinkten Brücke getestet werden soll. „Wir hoffen, dass die so behandelte Stahlbrücke 40 Jahre vor Korrosion geschützt ist“, erklärte Diplom-Ingenieur Swen Bruns von der Autobahn GmbH des Bundes. Der Übergang war von der Dürener Stahlbaufirma Claus Queck in zwei Teilen produziert und dann zu einem Parkplatz am Meckenheimer Kreuz transportiert worden, auf dem die beiden Teile dann zusammenmontiert wurden.
Teile wurden auf einem Parkplatz montiert
Schon der Transport der formatierten Brücke bis zur Anschlussstelle Merl dauerte nur halb so lange wie geplant: 75 Minuten statt zweieinhalb Stunden. „Aber wir bauen natürlich immer einen gewissen Zeitpuffer ein, man weiß ja nie, welche Schwierigkeiten auftauchen“, erklärte Bartling. Auch die Unterquerung zweier Brücken auf dem Weg war aber genau berechnet worden. „Lieber ein bisschen mehr Luft dazwischen als zu wenig“, ging Bartling auch hier auf Nummer sicher.
Kranführer leisteten perfekte Arbeit
Um 90 Grad musste am Zielort die Brücke von den beiden schweren Kränen gedreht und dann zwischen den beiden Kranträgern hindurchbugsiert werden. Dafür war eine perfekte Koordination zwischen den beiden Kranführern notwendig, denn sie mussten die Brücke exakt in der Waagerechten halten und dabei auch noch über einige hohe Bäume bugsieren, dabei drehen und am Ende zentimetergenau auf die vorgegebenen Befestigungspunkte auf den Widerlagern und dem Mittelpfeiler ablassen. Über Funk verständigten sie sich mit Kollegen, die an den drei Zielpunkten stationiert waren und die notwendigen Anweisungen gaben. Dabei gab es nur wenige Zentimeter Spielraum.
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Etwas Spielraum haben auch die Lager selbst, zumindest in Längsrichtung, denn die Metallbrücke dehnt sich bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen, wenn auch nur um wenige Zentimeter. „All das wurde vorher exakt in die Aufnahmepunkte mit eingerechnet“, sagt Bartling. In Querrichtung jedoch gibt es keinen Spielraum, denn natürlich muss verhindert werden, dass die Brücke seitlich aus ihrer Halterung springt. Die Unterkante der 2,50 Meter breiten Brücke für Fußgänger und Radfahrer liegt im Endzustand 5,80 Meter über den Fahrspuren der Autobahn. Noch in der Nacht wurden die Lager auf dem Mittelpfeiler vergossen, damit danach die Abstandshalter korrekt eingebaut werden können.
Alte Brücke musste 2018 abgerissen werden
Die alte Fußgängerbrücke aus Spannbeton war im Sommer 2018 wegen akuter Einsturzgefahr kurzfristig abgerissen worden. Seither müssen Fußgänger und Radfahrer einen Umweg über die Brücke an der Auffahrt zur Autobahn in Merl in Kauf nehmen, um in den nahe gelegenen Wald zu kommen. Doch Mitte Oktober, so Bartling, können sie wieder den gewohnten Weg über die Fußgängerbrücke benutzen, bis dahin sollen die noch nötigen Restarbeiten erledigt sein. Die sollen schon am heutigen Montag beginnen und dürften noch einmal vier bis sechs Wochen dauern, so Bartling. So müssen noch die Brückengeländer auf den beiden Widerlagern befestigt werden, außerdem müssen die Übergänge zwischen Brücke und Fußweg angepasst und ein Graffitischutz aufgebracht werden. Auch der Anschluss an die Lärmschutzwand wird hergestellt und noch einiges mehr.
Zugang zum Kottenforst
Bürgermeister Holger Jung (CDU) fand, das seien erfreuliche Nachrichten für alle Meckenheimer und insbesondere für die Menschen auf dem Steinbüchel. „Denn als Bindeglied zwischen Stadtgebiet und Naherholungsraum Kottenforst erfüllt die Brücke eine wichtige Funktion“. Zudem wäre damit dann auch der Originalverlauf der Meckenheimer Schleife der Rheinischen Apfelroute befahrbar.



