Die Zustände in dem Haus sind seit längerem bekannt. Der Eigentümer reagiert nicht auf Anfragen der Stadtverwaltung oder der Redaktion.
Eigentümer reagiert nichtSeit drei Wochen kein Strom in Meckenheimer Hochhaus

An dem Hochhauskomplex Adendorfer Straße gibt es schon seit Längerem strukturelle Probleme.
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Den Zustand eines Hauses, sagt man, erkennt man an seinen Briefkästen. Die vor dem Hochhaus Adendorfer Straße 6 B in Meckenheim sind verschmutzt und beschädigt. Und drinnen sieht es schlimmer aus: Nach einem Wasserschaden am 24. August ist der Strom abgeschaltet worden. Die Bewohnerinnen und Bewohner klagen, dass sich die Vermietergesellschaft nicht kümmere.
Es war ein Montagabend, an dem Funken aus dem Sicherungskasten von Familie Walter sprühten. Die Feuerwehr kam, kurz darauf ließ die Stadtverwaltung aus Sicherheitsgründen den Strom abschalten. „Grund ist ein Loch im Dach. Von dort läuft der Regen durch die Kabelschächte“, sagt Justin Walter, der in der ersten Etage wohnt. „Nach dem Vorfall wurde eine Folie über das Leck im Dach geschweißt, die kaputten Sicherungen und Drähte ausgetauscht – aber nur bei uns und einer weiteren Familie“, schildert der 17-Jährige.
Kein warmes Wasser, kein Strom – seit drei Wochen
Grund sei, dass die Vermietergesellschaft die Handwerkerrechnungen nicht bezahlte. „Es ist nicht so, dass die keine Zeit haben, sie würden ja kommen – aber sie kriegen ihr Geld nicht“, sagt Seyhmus Celik, der mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern im dritten Stock wohnt. „Seit über drei Wochen haben wir kein Warmwasser mehr, kein W-Lan, können nicht kochen und unsere Handys laden. Hier im Haus leben auch Familien mit kleinen Kindern, die trifft das noch viel härter.“

Das Hochhaus Adendorfer Straße 6 ist das Zuhause von Sehymus Celik (r.) und Justin Walter. Nur wohl fühlen sie sich dort nicht mehr.
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Kurzfristig habe Familie Walter mit ihren reparierten Anschlüssen aushelfen können. „Wir haben ein Verlängerungskabel zu ihnen runter gelegt, nachts betreiben wir unsere Tiefkühltruhe damit, tagsüber den Kühlschrank und die Waschmaschine, damit wir wenigstens nicht noch unsere Wäsche bei den Nachbarn waschen müssen“, sagt Celik. Seit vergangenem Sonntag, als es sehr stark regnete, sei aber auch das vorbei. Auch die Sicherungen der Walters rauschten endgültig ab. Der 28-Jährige zeigt ein Video auf seinem Handy: „Das Wasser lief aus den Sicherungskästen.“
Viele Wohnungen in dem Hochhaus haben Wasserschäden
Und nicht nur dort: Die Wände in der Wohnung sind feucht, an mehreren Stellen sind Wasserflecken zu sehen. Im Bad hat sich schwarzer, dichter Schimmel gebildet. Bei einem Rundgang durchs Treppenhaus öffnen sich weitere Türen. Die Bewohnerinnen und Bewohner lassen die Fremden bereitwillig herein. Pro Etage gibt es zwei Wohnungen, die rechte Seite ist vom Stromausfall betroffen, die linke nicht. Doch auch sie haben Wasserschäden, die Wände sind feucht, es riecht muffig. Ein Mann zeigt sein Küchenfenster, das sich schon seit zwei Jahren nicht mehr schließen lasse. Fast genauso lang ist der Aufzug in dem achtstöckigen Gebäude kaputt.

In vielen Wohnungen traten Wasserflecken auf, nachdem es am 13. September stark geregnet hatte.
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Die Bewohnerinnen und Bewohner hätten Angst, wenn es regnet. „Es ist ein Skandal, dass niemand vom Vermieter hier auftaucht. Wir essen Pizza und Döner vom Imbiss – es wäre ein Zeichen gewesen, hätten sie wenigstens dafür die Kosten übernommen“, empört sich der Student. In ihrer Verzweiflung hätten die Mieterinnen und Mieter versucht, auf eigene Kosten Handwerksfirmen zu buchen. „Die haben aber an den Vermieter verwiesen, dessen Aufgabe das eigentlich ist.“

Alle Wohnungen in dem Block haben Wasserschäden.
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Justin Walter hat die Geschehnisse dokumentiert und sie der Stadtverwaltung zukommen lassen. Celik trat dem Mieterschutzbund bei. „Der Anwalt hat direkt ein Schreiben aufgesetzt und die Beseitigung der Schäden gefordert. Die Miete wurde von seiner Seite auf 60 oder 70 Prozent gesenkt. Als nächstes senkt er sie vielleicht auf 100 Prozent.“ Celik hat keine ruhigen Nächte mehr: „Hier leben Menschen aus Marokko, ich bin Kurde. Sowas passiert da, wo wir herkommen, aber doch nicht in Deutschland“, klagt er.
Bewohner mussten nach einem Feuer ihre Wohnungen für Monate verlassen
Celiks und Walters Wohnungen sind Teil eines Gebäudekomplexes, zu dem auch die Adressen 6 A und und 6 C gehören. Einige Wohneinheiten sind Eigentumswohnungen, der Großteil gehört einer Vermietergesellschaft aus Wiesbaden namens Benner Holding. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben auch Schuhgeschäfte, Windkraftanlagen und Restaurants. Auch Anteile an einem Möbelunternehmen hält es.
Immer wieder kam es in dem Gebäude in Meckenheim zu Vorfällen: Am 20. April brannte es im Keller des Hauses 6 A, 75 Menschen mussten aufgrund der Rauchausbreitung ihre Wohnungen für mehrere Monate verlassen. Die letzten waren kaum zurückgekehrt, da brannte es in der Nacht auf den 24. Juli erneut. In beiden Fällen hatte Gerümpel in Flammen gestanden, das in den Treppenhäusern lag.
Stadtverwaltung hat nur begrenzte Möglichkeiten, tätig zu werden
Der Stadtverwaltung sind die Zustände bekannt, ihre Möglichkeiten seien aber begrenzt, heißt es auf Anfrage. „Bei dem Wasserschaden am 24. August ist neben der Feuerwehr auch unsere Rufbereitschaft alarmiert worden. Wir hatten daraufhin Kontakt mit der Hausverwaltung, die zugesagt hat, das Dach reparieren zu lassen“, sagt der Erste Beigeordnete Hans Dieter Wirtz.

Im Sicherungskasten der Celiks ist Wasser eingedrungen, vergangene Woche tropfte es gar heraus.
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„Da ist aber nur provisorisch eine Plane angebracht worden. Selbst haben wir keinen Zugang“, schildert er. Die Stadt sei nach dem Brand vom 20. April auf die Zustände in den Häusern aufmerksam geworden und habe seitdem immer wieder Kontakt mit dem Eigentümer gehabt. „Wir haben mit dem Hausmeister gesprochen, damit der Kram aus den Treppenhäusern wegkommt, dafür haben wir eine Sonderabfuhr veranlasst. Es wurde auch eine Aufstellfläche für die Drehleiter der Feuerwehr ertüchtigt, die als zweiter Fluchtweg neben dem Treppenhaus gilt, sonst hätten wir die oberen beiden Etagen schließen müssen“, sagt Wirtz.
Eigentümer reagiert nicht auf Anfragen von der Stadtverwaltung
Doch auch für die Verwaltung sei die Benner Holding nicht mehr erreichbar, auf Mails reagiere niemand. Sie sei auch nicht die erste Eigentümergesellschaft, die Häuser wechselten immer mal wieder ihren Besitzer. „Natürlich könnten wir eine Ordnungsverfügung erlassen, die ist aber mit einer Anhörung und Fristen verbunden – das hilft den Leuten nicht.“ Die Instrumente der Stadt seien letztlich wirkungslos. „Wir haben auch Notstromaggregate, die nutzen jedoch nichts, wenn die Kabel nass sind.“
Die Wohnungen aufgrund der Gesundheitsgefahr zu räumen, sei eine Frage der Verhältnismäßigkeit, so Wirtz: „Dort leben viele Menschen mit schwachem Einkommen. Die finden nur schwer etwas Neues. Wir als Stadt können ihnen Hilfe durch das Sozialamt anbieten und zum Beispiel einen Wohnberechtigungsschein ausstellen. Letztlich muss man langfristig schauen, die Menschen alle in anderen Wohnungen unterzubringen, damit niemand mehr dort wohnen muss.“
Nicht nur auf Mails der Mieter und der Stadt, auch auf eine Anfrage der Redaktion antwortet die Benner Holding nicht.
