Eigentlich wollte die Rheinbacher Palottihilfe nach der Tour Ende Oktober eine größere Pause einlegen. Doch der Verein ist mit neuen Hilfsgütern für die Ukraine überrannt worden.
Von Spendern überranntRheinbacher Pallottihilfe plant nächste Tour für die Ukraine

Helfer sortieren in der ehemaligen Pallottikirche Spenden.
Copyright: Meike Böschemeyer
In der ehemaligen Pallottikirche in Rheinbach türmen sich seit Samstag wieder Säcke voller Winterkleidung, kistenweise Süßigkeiten und andere Hilfsgüter für das Kriegsgebiet im Osten. Sieben Ukrainerinnen und acht Mitglieder der Rheinbacher Pallottihilfe sortierten stundenlang so schnell sie konnten, was hilfsbereite Menschen aus der Umgebung herbeischleppten. Dabei brachten sie gleich für den nächsten Transport, der bis kurz vor die russische Grenze führen soll, Beschriftungen in Landessprache an den Päckchen an. Das soll den Grenzübertritt erleichtern.
„Wir können einfach nicht die angekündigte Pause einlegen.“ Ende Oktober, als Eich mit Andreas Klassen nach einer Lieferung mit Lebensmitteln, Kleidung und einem Ultraschallgerät für ein Krankenhaus in Charkiw zurückgekehrt war, hatte er einen Annahmestopp ausgerufen. Doch er hatte die Rechnung ohne die Spendenbereitschaft der Menschen in Rheinbach und der weiteren Umgebung gemacht.
Rheinbacher Palottihilfe unterstützt die Ukraine
„Die Berichterstattung über unsere Tour hat uns so viele neue Spenden eingebracht“, sagt Eich, „dass wir gar nicht pausieren können.“ Innerhalb von wenigen Tagen habe es Dutzende telefonischer Nachfragen gegeben, was denn genau benötigt werde. „Sogar aus Bad Godesberg und aus Bad Breisig kamen Anrufe. Und die Leute schrecken auch nicht zurück, wenn ich Ihnen ehrlich sagte, dass wir zu jeder Warenspende eine Geldspende benötigen.“ Wegen der Spritkosten.
Wir sind komplett überrannt worden
50 bis 70 Anrufe später gab Eich – noch vor dem vorigen Wochenende –die neue Anforderungsliste frei: Saubere Winterkleidung und Schuhe, gut erhaltene Bettwäsche, Decken, Arzneimittel und medizinische Produkte wie Gehhilfen, Verbandsmaterial und Windeln, trockene Nahrungsmittel, Süßigkeiten und Haushaltsgegenstände standen darauf. Das Resultat: Es stehen wieder zwei Tonnen Waren bereit – eigentlich genug für eine weitere Tour an die russische Grenze.
„Wir sind dabei, ein drittes Auto an den Start zu bekommen“, erklärte Eich am Montag. Anderthalb Tonnen Fracht hofft er dann, je Fahrzeug transportieren zu können. Denn dem Verein stehen bloß zwei normale Lieferwagen zur Verfügung. „Ich war dieses Jahr dreimal in der Ukraine“, sagt Eich. „Alles ist über Spenden finanziert und transportiert. 2500 Kilometer sind es bis Charkiw. Also auch wieder zurück plus die Fahrten vor Ort.“ Pro Fahrt gingen 1800 Euro allein für den Transport drauf. Darum hat Eich Anrufern schnell klargemacht, dass es nicht funktioniert, wenn sie vier Säcke Winterkleidung abgeben und zu Hause einen aufgeräumten Keller oder Speicher haben, aber der Verein noch Geld für den Transport auftreiben muss.

Organisator Alfred Eich freut sich über jede Spende.
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Seit Februar währt der Krieg, den Russland der Ukraine aufgezwungen hat. Wann er endet? „Wenn ich das wüsste, würde ich Geld dafür nehmen und sofort damit Lebensmittel kaufen und hinbringen“, sagt Eich. Aber nichts deutet auf ein Ende des Krieges hin, dem Eich schon ein paar Mal bei seinen Touren auf Hörweite nah gekommen ist.
Der Organisationsleiter plant die nächste Tour noch vor Weihnachten. Der 12. Dezember steht derzeit dafür in seinem Kalender. Voraussetzung ist, dass das dritte Auto dann startklar ist. Auch dieses Fahrzeug soll anderthalb Tonnen Hilfsgüter laden können.
Für eine weitere Tour in die Ukraine hat Eich ganz besondere Hilfsgüter gesichert: Krankenhausbetten. Es handele sich um 30 hochmoderne Betten, also mit Motor und entsprechenden Verstellmöglichkeiten – eine Spende, die aber erst Anfang Januar zur Verfügung stehe und noch in einem Krankenhaus in Gebrauch sei. Eich hat für den Transport eigens einen Tieflader organisiert. Der wird 3500 Euro kosten. „Ein Sonderpreis, der nur über andere Organisationen zustande kam. Über die Freie evangelische Kirche und weitere drei Ecken ist er vermittelt worden“, sagt Eich.
Die Betten werden in Charkiw bereits erwartet. Die Tour geht also wieder ins selbe Gebiet, wie beim vorigen Mal. „Das funktioniert alles nur ehrenamtlich und eben im Zusammenspiel mit Organisationen vor Ort“, erklärt Eich. Der Cheforganisator aus Rheinbach erklärt sich den Erfolg seiner Spendenaufrufe mit dem Vertrauen, das die Pallottihilfe hier genießt: „Bei vielen anderen Organisationen sind sich die Spender offenbar nicht sicher, dass auch alles, was sie geben, ankommt. Bei uns wird höchstens die Currywurst für die Rast abgezwackt.“

