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KitzrettungErfolgreicher Einsatz mit erster Rettung eines Jungtieres in Swisttal

5 min
Die Kitzretter aus Swisttal - ein starkes Team.

Die Kitzretter aus Swisttal - ein starkes Team.

Es sind Momente voller Ehrfurcht und Gänsehaus, wenn die Ehrenamtler de rKitzrettung Swisttal ein Kitz retten können.  

Die Enttäuschung war den Kitzrettern schon ein bisschen anzumerken. Nicht ein einziges kleines Kitz haben sie bei ihrem ersten Arbeitseinsatz im Ehrenamt im hohen Gras aus den Wiesen rund um den Rosenhof in Swisttal-Buschhoven entdecken und retten können. Kein Kitz und auch keinen kleinen Feldhasen.

Die Ricke kam zurück und führte das Kitz mit sich

Nur eine Maus haben sie mit ihrer Drohne als winzigen weißen Punkt entdeckt – die dann aber bei näherer Betrachtung in Nullkomma nix weghuschte. Auch bei ihrem zweiten Rettungseinsatz am Dienstag nach Pfingsten – erneut in Buschhoven am Rosenhof – konnten sie kein Kitz mit ihrer Drohne in den Wiesen aufspüren. Und die Feldhasen, die sie mit der Drohne aufspürten, dachten überhaupt nicht daran, sich retten zu lassen.

„Als sie uns wahrnahmen hoppelten sie von ganz alleine weg“, erzählte René Seniuk. Er ist Drohnenpilot und Vorsitzender des Vereins „Kitzretter Swisttal“, den er im Herbst 2025 auch gegründet hat. Über seinen Schreibtisch laufen aktuell auch die Anfragen der Landwirte. Alle Mitglieder arbeiten so wie er ehrenamtlich.

Und noch ahnten sie da nicht, dass sie bei ihrem nächsten Einsatz, noch in der gleichen Woche, dann doch ihr erstes Rehkitz retten konnten. Doch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen hatten sie sich ausmalen können, wie überwältigt schön und ehrfurchtsvoll dieser Augenblick für sie war, als nach all den Vorbereitungen, Schulungen, Infoständen und unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit aus ihrer Mission plötzlich Realität wurde.

Das ist es - das erste gerettete Kitz der Kitzrettung Swisttal. Ehrenamtler Mario Wiesner hat diesen Moment natürlich für die Ewigkeit festgehalten.

Das ist es - das erste gerettete Kitz der Kitzrettung Swisttal. Ehrenamtler Mario Wiesner hat diesen Moment natürlich für die Ewigkeit festgehalten.

„Ein Moment voller Freude, Ehrfurcht und Gänsehaut“, beschreiben die Kitzretter jenen Augenblick, in dem sie das Kitz behutsam aus der Wiese in die Box hoben, während der Landwirt seine Wiese mähen konnte. Anschließend haben sie das Jungtier zurück an einen sicheren Ort gebracht und aus der Entfernung gespannt beobachtet, was passiert. Und dann kam für sie direkt der nächste schönste Moment des Tages. Die Ricke kehrte zurück, nahm ihr Kitz an und führte es mit sich davon. „In diesem Augenblick waren alle Mühen vergessen. Die frühen Morgenstunden, die Anspannung während des Fluges und die Hoffnung, dass alles gut ausgeht.“

Momente, wie bei ihrem ersten Arbeitseinsatz. Langweilig war es für sie aber auch diesem Morgen nicht. Einen Sonnenaufgang am Waldrand hoch oben in Buschhoven hinter dem Rosenhof hatten sie schließlich bis dato noch nicht erlebt. Lange bevor dort die ersten Sonnenstrahlen gegen 5.35 Uhr am Horizont über die Weiden stieg, standen sie bereits in voller Montur, in hohen Gummistiefeln, langen Hose, Schutzjacken und dicken Handschuhen, parat. Um pünktlich auf der Matte zu stehen, waren sie schon gegen 4 Uhr in der Nacht aufgestanden. Treffpunkt war Punkt 5 Uhr . Von dort aus liefen sie zu Fuß in den beginnenden Tag – dem Sonnenaufgang entgegen.

Sogar die Rettungsboxen waren vorbereitet und mit frischem Gras ausgepolstert.

Sogar die Rettungsboxen waren vorbereitet und mit frischem Gras ausgepolstert.

Und mit dem Start der Drohne stieg dann auch ihre Anspannung merklich an. Direkt legten die Ehrenamtler auch die Rettungsboxen mit frischem Gras aus. In ihnen wollten sie die Kitze eigentlich aus dem gut hüfthoch stehenden und in den frühen Morgenstunden noch kühlen Gras retten und aus der Gefahrenzone tragen, bis der Landwirt seine Wiesen gemäht hatte.

Ihr Auftraggeber war Landwirt Joachim Heinen. Für seine Pensionspferde hat er hinten dem Rosenhof mehrere Wiesen, die jetzt gemäht werden müssen. Auch ihm gefällt der Gedanke, dass seine Wiesen genauestens kontrolliert sind, bevor er die Mähmaschine anwirft. Früher sei eine solche Suche zeit- und personalintensiv gewesen. Diesbezüglich ist auch für ihn die moderne Technik ein wahrer Segen. Bereits im vergangenen Jahr hatte er über den zuständigen Jagdpächter eine Vorabkontrolle der Wiesen mit einer Drohne organisiert. In diesem Jahr konnte der Kontakt über den Jagdpächter direkt mit dem Verein aufgenommen werden. Und jetzt fiebern alle Ehrenamtler dem Moment entgegen, in dem sie endlich ein Rehkitz oder zwei im hohen Gras entdecken und aus der Wiese tragen dürfen.

„Geduld“, murmelten sie mehr zu sich selber. Ansonsten wurde kaum gesprochen. Nur das Aufsteigen der Drohne und das sorglose Zwitschern der Vögel war in den frühen Morgenstunden zu hören. Ganz eng steckten die Drohnenpiloten – Denis Notzon, Mario Wiesner und René Seniuk – ihre Köpfe zusammen, als das Fluggerät auf genauer Position über der Wiese in der Luft stand. Angespannt fixierten sie den Bildschirm mit Livebildern direkt von der Wiese. Die mit einer Wärmebildkamera ausstaffierte Drohne kann die Wärme der Tiere auch noch aus einer Höhe von 40 Metern problemlos erkennen und auf dem Bildschirm inklusive der genauen Koordinatoren sichtbar machen.

Fünf Wiesen, fünf Drohnenstarts – fünf Mal wiederholten sich das Prozedere. Und fünfmal mussten die Piloten sagen: „Hier ist nichts, was auf ein Kitz und oder einen jungen Feldhasen hindeutet.“ „Es ist auf jeden Fall sehr spannend“, merkte Kitzretterin Petra Kochskämper an. Obwohl auch sie lieber ein Kitz gerettet hätte, genoss sie diese besondere Atmosphäre und Stimmung des beginnenden Tages in vollen Zügen. Über den Weiden hatte sich mit dem ersten Licht des Tages ein weißes Nebeltuch ausgebreitet, dass für den Moment wie ein Schleier wirkte und sogar die Pferde auf der Weide weit hinten am Waldrand unter sich zu verstecken schien. Das Gras war noch feucht und duftete jetzt intensiver als je zuvor. D ie Luft war erfrischend kühl. Kurz vor Sonnenaufgang lagen die Temperaturen an diesem Tag bei knapp über zehn Grad.

Die Sonne blinzelte gerade durch die noch frischen Blätter der Laubbäume am Waldrand, als die Kitzretter Maria Odenthal, Evi Baumgartner, Diana Cremer, Thomas Henseler und Petra Kochskämper ihre Gerätschaften einpackten und mit dem Pilotenteam zurück Richtung Rosenhof stiefelten, wo Bauer Heinen inzwischen damit begonnen hatte, seine Wiesen zu mähen.