Wie im Schlaraffenland hängen die roten Früchte im Fruchthof Hensen – 100 Erntehelfer im Einsatz.
Süsse FrüchteIn Swisttal gibt Erdbeeren so weit das Auge reicht

Wie im Schlaraffenland wachsen die Erdbeeren auf Augenhöhe – augenscheinlich direkt in die Kistchen der Erntehelfer.
Copyright: Magret Klose
Die Erdbeeren sind reif: „Und sie schmecken himmlisch“, schwärmt die Inhaberin von Fruchthof Hensen, Irmgard Hensen. Für sie ist es das Schönste zwischen der Arbeit einfach mal durch die Anlagen zu spazieren, um frisch vom Busch ein paar Erdbeeren zu naschen. „Mich macht das glücklich“, sagt sie. Lange schon muss sich Irmgard Hensen beim Erdbeernaschen nicht mehr bücken. In ihren Gewächshäusern wachsen die roten Köstlichkeiten auf Augenhöhe. Inzwischen läuft dort die Ernte auf vollen Touren.
Umbau des Betriebs seit 2007
Und schon der bloße Blick dieser „hängenden Gärten“ ist einfach fantastisch. Wie im Schlaraffenland hängen die Früchte dort an langen Stielen links und rechts vom Busch herunter. Fast scheint es, als wachsen sie den Erntehelfer direkt in die Schalen. „Das ist die Zukunft“, erklärt die Landwirtin. Auf kleinsten Anbauflächen bei einer bestmöglichen Versorgung der Pflanzen könnten so höchste Erträge erzielt werden.
Ganz bewusst hat die Familie bereits 2007 mit dem Umbau ihres Betriebs begonnen. Erst kam das Folienhaus, 2010 dann das Glashaus und seit 2016 bauen sie ihre Erdbeeren auch in Stellagen unter Folie geschützt im Freiland an. „Besser noch als im kompletten Freiland könnten die Erdbeerpflanzen dort und in den sogenannten Anbaukästen im Gewächshaus auch mit allen nötigen Nährstoffen und mit Wasser versorgt werden“, erklärt sie.

Landwirtin Irmgard Hensen freut sich immer, wenn sie zwischendurch mal in die Anlagen kann um Erdbeeren vom Busch zu naschen.
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Um mögliche Schädlinge kümmern sich die Nützlinge, die in Hensens Erdbeeranlagen sogar gezielt ausgesetzt werden. „Im Freiland am Boden würden uns die Nützlinge schnell wegkrabbeln und fliegen“, erklärt sie. Mit den Folienhäusern und Gewächshäusern kam auch das Regenauffangbecken, in dem Hensens den Niederschlag sammeln für die Tröpfchen-Bewässerung ihrer Erdbeeren.
Eine Verfeinerung der Anlage ermöglicht es seit zwei Jahren sogar das überschüssige Wasser aus den Pflanzkästen zu sammeln, zu filtern und in den Wasserkreislauf zurückzuführen. „Und seit Neuesten filmt unsere KI die Erdbeerpflanzen und kann so vorab sogar schon eine Ernte-Prognose geben“, erklärt Irmgard Hensen. So ließe sich die Vermarktung noch genauer planen.

Von Mömerzheim aus nach Deutschland - die Erdbeeren werden frisch geerntet abgewogen und kommen regional und in ganz Deutschland in den Einzelhandel.
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Bei Hensens lernen die Erntehelfer die Erdbeeren am Stiel zu ernten. Mehr als 100 Männer und Frauen sind schon im Einsatz. Noch in dieser Woche startet auch die Ernte in den Stellagen. „Und spätestens in zwei Wochen geht“s dann auch im richtigen Freiland los“, erklärt die Landwirtin. Immer noch haben Hensens ja auch etwa 60 Hektar Erdbeeren im richtigen Freiland im Anbau. „Diese Flächen haben wir aber in den vergangenen Jahren bereits kontinuierlich reduziert“, erklärt sie. Bis Anfang Dezember läuft die Erdbeerzeit bei Hensens nach der Freilandernte dann in den Stellagen und im Glashaus weiter.
Mit den ersten reifen Erdbeeren im Jahr geht es auch wieder in Marmeladenküche des Betriebs richtig zur Sache. „Das ist das Reich meiner Schwiegermutter“, berichtet Irmgard Hensen. Immer noch ließe es sich Trudi Hensen (79) nämlich nicht nehmen, die Erdbeermarmelade selber zu kochen. „Sie schmeckt großartig“, lobt die Juniorin.
Diese Köstlichkeit wird allerdings nicht so wie die Erdbeeren über ein großes Handelsunternehmen in ganz Deutschland vermarktet. Die Erdbeermarmelade und natürlich auch frischen Erdbeeren vom Hof sind an Hensens Verkaufsständen in Euskirchen, Odendorf, Rheinbach, Oberdress und im Automaten direkt vor der Haustüre im Mömerzheim zu haben. Aktuell kostet ein Pfund Erdbeeren dort 4,90 Euro.
