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GeburtstagGemeinde Wachtberg wird 50 – durch Gebietsreform entstanden

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Die große Auseinandersetzung während der Kommunalreform hat die Laienspielschar Oberbachem amüsant aufbereitet.

Wachtberg – Gut 500 Besucher in der Aula des Schulzentrums Berkum – diese stolze Zahl machte deutlich, dass Wachtberg für seine Bürger längst zur Heimat geworden ist. Und nicht, dass wie vor 50 Jahren während der Gebietsreform befürchtet, im Ländchen die Lichter ausgehen. Das betonte auch Bürgermeisterin Renate Offergeld (SPD) beim offiziellen Festakt zum Gemeindejubiläum, das am Donnerstagabend seinen Anfang nahm.

Gemeinde feiert 50. Geburtstag

Die Gebietsreform und die damaligen Bedenken hatte auch der Laienspielkreis Oberbachem zu Beginn des Festaktes aufs Korn genommen in Form einer kabarettistischen Eurovisions-Fernsehsendung, die an die teils emotional geführten Diskussionen im Vorfeld der Gemeindegründung erinnerte. Keinesfalls wollte man sich nach Godesberg eingemeinden lassen, selbst wenn die den neuen Kanal bezahlt hätten. Genauso wenig wollten sich die Adendorfer von Meckenheim „schlucken“ lassen, und so wurde letztlich eine neue Gemeinde aus der Taufe gehoben, die ebenso wie der Rhein-Sieg-Kreis in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiert.

Landrat Sebastian Schuster (CDU) bestätigte in seiner Festansprache: „50 Jahre Wachtberg – wahrlich ein Grund zu feiern.“ Die 13 Ortschaften seien heute zusammengewachsen und präsentierten sich als Gemeinde mit vielen Gesichtern. Er freue sich, dass Wachtberg fester Bestandteil der „Rhein-Sieg-Kreis-Familie“ sei und zur Vielfalt des Kreises beitrage. Heute könne man die Vision, die die Väter der kommunalen Neugliederung vor Augen gehabt hätten, gut nachvollziehen. „Damals sahen sie die Notwendigkeit, neue und größere Verwaltungseinheiten zu schaffen, um auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Herausforderungen reagieren zu können.“

Mehr Wohnqualität für Wachtberger Bürger

Die Neugliederung sei vortrefflich gelungen. Auch Wachtberg wachse ständig, und die rasante Entwicklung sei noch nicht abgeschlossen. Dazu leiste der Kreis einen Beitrag, etwa mit dem Bau der Ortsumgehung Gimmersdorf, die am 16. September eröffnet werden soll. Die Wachtberger Bürger würden damit mehr Wohnqualität und bessere Verkehrswege erhalten. Zumal auch in Kürze eine Taktverdichtung im ÖPNV weiter zur deutlichen Verbesserung der Situation beitrage.

Geburtstagsgeschenk

Zum Wachtberg-Jubiläum präsentieren Heinz Contzen und Hans-Jürgen Döring den Bildband „Wachtberg – Drachenfelser Ländchen“. Ein Buch, das „mit fantastischen Fotografien und informativen Texten begeistert“, so Bürgermeisterin Renate Offergeld. Der Bildband ist zum Preis von 20 Euro im Rathaus und beim Bürgerfest erhältlich sowie im Buchhandel unter der ISBN-Nummer 977-3-944-276-27-4. (EB/jr)

Altbürgermeister Hans-Jürgen Döring entwarf ein Drehbuch für einen Film, dem er den Titel „Wachtberg – ein gelungenes Experiment“ gab. In launigen Bildern zeichnete er die Entwicklung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach und kam zu dem Schluss, vor 50 Jahren sei eine kommunale Neuordnung schlicht notwendig gewesen. „Das darf man heute ohne Gefahr für Leib und Leben öffentlich behaupten“, schmunzelte er.

Die alte Ämterverfassung von 1953 mit ihrer Kleingliedrigkeit habe in den Grundzügen noch aus Napoleons Zeiten gestammt und sei völlig überholt gewesen.

Bürgerfest

Die Geburtstagsfeier für die Wachtberger Bürger beginnt heute um 14 Uhr auf dem Hof der Gemeinschaftsgrundschule Berkum. Wachtberger Organisationen präsentieren sich, zu Schießübungen lädt die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Niederbachem ein. Schneiders Obsthof bietet von 15 bis 18 Uhr Traktorfahrten vom Schulzentrum zum Blühfeld am Wachtberg an. Das Bühnenprogramm beginnt um 14 Uhr; zu hören sind die „Watchhill Stompers“, es gibt Comedy mit „Rudi und Heinz-Rüdiger“, Poetry-Slam und als Highlight des Tages ab 19 Uhr einen Live-Auftritt der Band „Wibbelstetz“.

Das Sonntagsprogramm beginnt um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche Sankt Maria Rosenkranzkönigin in Berkum. Ein Festumzug durch Berkum und ein Frühschoppen auf dem Schulhof der Grundschule schließen sich an. (jr)

„Wir-Gefühl entwickeln“

So habe es im Amt Villip mit Sitz in Berkum zehn selbstständige Gemeinden gegeben, die kleine und völlig unterbesetzte Amtsverwaltung habe keine Luft gehabt für perspektivische Planungen. „Die waren aber dringend erforderlich, insbesondere nachdem Bonn provisorischer Sitz der Bundesregierung geworden war.“ Abgeordnete, Ministerialbeamte, Diplomaten, Journalisten und Lobbyisten seien ins Bonner Umland gedrängt, die Einwohnerzahlen hätten sich verdoppelt, erinnerte sich Döring. „Die Kommunalverwaltung kam kaum hinterher, dieser Entwicklung mit einer geordneten Bauleitplanung, mit Schulneubau, Straßenbau und Kanalisation zu begegnen.“

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Mit drei Dörfern des ehemaligen Amtsverbandes Meckenheim sei das Amt Villip schließlich zur Gemeinde Wachtberg zusammengefasst worden. Doch man wollte nicht damit zufrieden sein, als reine Zweckorganisation den Bürgern eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur anzubieten, sondern einen Schritt weitergehen und ein „Wir-Gefühl“ entwickeln. So sei es gelungen, die 13 Orte mit einer langen, eigenen Geschichte näher zusammenzubringen und Alteingesessenen ebenso wie den zahlreichen Neubürgern auch emotional eine gemeinsame Heimat zu vermitteln.

Tosenden Beifall heimsten die Mitglieder des Wachtberger Jugend- und Kammerorchesters ein, besonders laut war der Applaus für die Nachwuchs-Künstlerin Joana Bungert, die ihre Hommage an Wachtberg in ein ebenso witziges wie tiefsinniges Gedicht verpackt hatte. (jst)