Überfall auf LottoannahmeTrio muss sich für bewaffneten Raubüberfall verantworten

Symbolbild einer Lottoannahmestelle
Copyright: imago/Horst Galuschka (Symbolfoto) Lizenz
Wachtberg – Ein Stammgast ließ sich gegen 7.40 Uhr von der Kiosk-Chefin einen Pott Kaffee bringen, eine Zahnärztin, die in dem Haus wohnte, holte ein Paket ab. Plötzlich stürmten zwei maskierte Gestalten vom Parkplatz auf die Lottoannahme in Niederbachem zu. Der Kleinere, so erinnerte es der 65-jährige Stammgast als Zeuge vor dem Bonner Landgericht, zerrte die Chefin, die gerade noch plaudernd in der Tür stand, in das Ladenlokal. Der Größere hingegen fuchtelte mit der kleinen schwarzen Waffe und versuchte vergeblich, die Kioskgäste, die vor der Tür standen, ins Lokal zu zwingen.
Die Zahnärztin, die ahnte, worauf es die Räuber abgesehen hatten, sagte bestimmt: „Hier gibt es kein Geld, verschwinden Sie!“ Daraufhin brüllte der größere dem kleineren Täter zu: „Komm hier gibt’s kein Geld! Hauen wir ab.“ Tatsächlich brach das Duo den Überfall ab. Der ganze Spuk hatte keine drei Minuten gedauert.
Anderthalb Jahre nach dem Überfall am 4. November 2019 müssen sich seit gestern die beiden mutmaßlichen Räuber, 22 und 30 Jahre alt, wegen versuchter, schwerer räuberischer Erpressung vor der 2. Großen Strafkammer verantworten. Mitangeklagt ist ein heute 39-Jähriger, der mit dem Fluchtauto, einem schwarzen Audi-Cabriolet, in einer Stichstraße wartete. Ein halbes Jahr hatten die Ermittler gebraucht, um die Täter aufzuspüren: Auf den Bildern einer Überwachungskamera waren ihre maskierten Köpfe zu sehen, an dem an dem kurz zuvor geklauten Autokennzeichen fanden sich DNA-Spuren. Der Jüngste – vielfach vorbestraft – konnte erst im Dezember 2020 festgenommen werden. Fast ein Jahr war er auf der „Flitze“ gewesen - und sitzt jetzt als einziger in Untersuchungshaft.
67-jährige Betreiberin als Zeugin
Die Täter müssen irrtümlich geglaubt haben, dass sich im Kiosk noch eine Poststelle mit Tresor befand, aber diese Dienstleistung hatte die heute 67-jährige Betreiberin der Lotto-Annahmestelle, wie sie gestern als Zeugin erklärte, bereits vor acht Jahren abgegeben, nachdem sie 2010 innerhalb von sechs Wochen gleich drei Mal überfallen worden war: Die Beute waren mal 16 000 Euro, mal 7000 Euro – und der Ärger mit der Versicherung groß. „Nein, nicht schon wieder!“, habe sie gedacht, als sie von dem kleineren Täter in den Kiosk geschoben wurde, er ihr die Waffe an den Körper hielt, wiederholt den Tresorschlüssel verlangte und ihr drohte, „Ich weiß, wo der steht, ich kenne die Räume.“ Sie habe noch versucht, zu sagen, dass es hier keinen Tresor mehr gibt, „aber da bin ich rücklings gestürzt, habe dabei alle Süßigkeiten von der Theke mitgenommen und lag inmitten der Bonbons hilflos auf dem Rücken, der bewaffnete Mann über mir. Ich hatte nur Angst.“ Dann aber kam der erlösende Satz des Mittäters: „Komm, wir hauen ab.“
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Tatsächlich soll das Trio laut Anklage zwei Tage vor der Tat den Tatort ausbaldowert haben: Zwei auffällige Fremde waren als angeblich durstige Kunden erschienen, die sich für einige Cent Trinkpäckchen mit angeklebten Strohhalmen besorgt hatten und sich umschauten. Warum ihnen dabei nicht aufgefallen war, dass der Kiosk keine Poststelle mehr war, bleibt bislang ihr Geheimnis. Zu den Vorwürfen wollen sich die Angeklagten erst am nächsten Prozesstag äußern.

