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Spaß oder Quälerei?Zirkus in Wachtberg bietet Shows mit Tigern und Kinderattraktionen

6 min
Tigerschwimmt im Stahlbecken im Melody's Circusland, Wachtberg, mit Betreiber Romano Kübler

Jungtiger Fritz wurde in Rheinbach geboren, Er ist aus Sicht von Zirkusbetreiber Romano Kübler, Melody's Circusland, domestiziert.

Wie weit darf Tierhaltung in Deutschland gehen? „Melody's Circusland“ ist mit Tigern, Kamelen und Zebras gerade im Rheinland unterwegs.

Ein Jungtiger schwimmt in einem Stahlbecken, Trampeltiere grasen vor der Kulisse des Radom in Wachtberg-Berkum. Zebras, Esel und Alpakas verteilen sich ebenfalls über die Freiflächen oder halten sich in aufgebauten Stallungen und Boxen auf. Mehrere große Lkw und Transportfahrzeuge begrenzen das Gelände des verpachteten Feldes. In Gehegen laufen zwei weitere Tiger auf und ab, einer davon ist eine weiße Großkatze.

Dazu wuselt noch eine Menge kleinerer – wie es der Betreiber sagt – domestizierter Tiere übers Gelände. „Melody’s Circusland“ macht gerade Station in Wachtberg, es ist das Anschlussquartier, nachdem die Show bis Ende Juli in Rheinbach gastiert hat. Ein Zirkus auf Wanderschaft, der eigentlich gar kein richtiger Zirkus ist, sondern eher eine Tiershow mit Spielangeboten für Kindern. Sie toben sich in einem Dutzend Hüpfburgen und Wasserrutschen aus und können, ausgestattet mit Futtergaben, die es zu kaufen gibt, auf Tuchfühlung gehen mit Ziegen, Hunden, Hasen und Ponys.

Kinder können zwischen Zelt und Gehegen in Hüpfburgen herumtollen

Betreiber Romano Kübler führt, wenn er nicht gerade mit den Tigern schwimmt und planscht, wie auf aktuell hochgeladenen Videos auf der Plattform Facebook zu sehen ist, in regelmäßigen Abständen, wie er es nennt, „kommentierte Raubtierproben“ durch. „Wir zeigen, wie wir mit den Tieren trainieren“, erklärt der 34-Jährige der Rundschau vor Ort.

Einer von sechs Tigern im Melody's Circusland, Wachtberg, mit Betreiber Romano Kübler

Einer von sechs Tigern im Melody's Circusland, Wachtberg, mit Betreiber Romano Kübler

Währenddessen hat sich an diesem Nachmittag eine Handvoll Zuschauer im Zirkuszelt eingefunden. Hier stehen Biertische und Bänke, hier werden aus einem Imbisswagen kühle Getränke und Speisen angeboten, nach Bedarf gibt es mehrere Tiervorführungen mit Hunden, Ponys oder Trampeltieren. Franziska Kapitza findet das Konzept von Romano Kübler „megagut“. Es sei toll, wie die Kinder hier frei herumtollen könnten und die Preise seien fair. Auch Edwina Wundermann sieht das so, sie ist mit ihrer Urenkelin hier und schwärmt davon, dass die Kinder sich „hier auspowern können“. 

Tierschützer fordern Wildtierverbot und Zuchtstopp von Tigern

Das Konzept von „Melody’s Circusland“ ist Tierschützern hingegen ein Dorn im Auge. Die Organisation Peta kritisiert schon seit langem grundsätzlich die Tigerdressur, fordert von der Bundesregierung einen Zuchtstopp und ein Wildtierverbot, vor allem ein Verbot der „Zurschaustellung von Wildtieren in Zirkussen“. Was Küblers derzeitige Schaustellerei in Wachtberg betrifft, erheben die Tierschützer deutliche Vorwürfe: „Ein Zirkus, der mit Tigern durch deutsche Städte tourt, ist kein harmloses Familienvergnügen. Bei Melody’s Circusland werden schon Tigerbabys für Fotoshootings und andere Veranstaltungen missbraucht und anschließend verkauft“, so Peter Höffken, Fachreferent bei Peta.

Kamele im Ländchen vor dem Radom in Wachtberg

Ein bisschen wie Ägypten: Kamele im Rheinland vor dem Radom Wachtberg

Auch den Handel mit exotischen Tigern, den der Kreis Kleve als zuständige Heimatbehörde und auch Kübler selbst auf Nachfrage bestätigt hat, lehnt die Tierschutzorganisation entschieden ab. Und sie verweist auch auf die grundsätzlichen Gefahren: Im Mai hatte ein entlaufener Tiger in Leipzig einen Mann tödlich verletzt. Die Polizei erschoss die Großkatze.

Wir haben keine wilden Tiere. Sie sind in menschlicher Obhut geboren
Romano Kübler, Betreiber "Melody's Circusland"

Romano Kübler kennt die Kritik, hat dafür aber wenig Verständnis und seine eigene Anschauung. Dass seine Tiger, derzeit sechs, wilde Tiere sind, definiert er anders: „Wir haben keine wilden Tiere“, sagt er. „Sie sind in menschlicher Obhut geboren.“ Nicht ohne Stolz erzählt er, dass der jüngste, der den Namen Fritz trägt, vor einem Jahr während des Gastspiels in Rheinbach geboren wurde.

Peta-Referent Höffken will ersteres so nicht stehen lassen: „Die Tigerbabys werden auf den Menschen geprägt, in dem sie den Muttertieren entzogen werden. Dann heißt es, die Mutter hat sie verstoßen.“ Peta weist darauf hin, dass es in anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Österreich und Dänemark längst ein Wildtierverbot für Zirkusse gebe, die derzeitige Bundesregierung und das zuständige Landwirtschaftsministerium aber daran kein Interesse habe. 

Tierschutzrechtliche Verstöße aktuell nicht bekannt - Genehmigungen liegen vor

Die Familie Kübler ist eine alte Zirkusfamilie, in der Aufzucht von und dem Zusammenleben mit Wildtieren seit Jahren erprobt. Und sie bewegt sich mit dem Schaustellerbetrieb in dem gesetzlich vorgegebenen Rahmen, wie die Stadt Rheinbach auf Nachfrage bestätigt. „Tierschutzrechtliche Verstöße aus der Zeit des Aufenthaltes in Rheinbach sind uns nicht bekannt. Beschwerden hat es nicht gegeben.“ Ähnlich auch die Auskunft der Gemeinde Wachtberg: Der Betreiber sei seiner Meldepflicht nachgekommen. Die Gemeinde habe lediglich einer Plakatierung zustimmen müssen, da das „Circusland“ auf einem privaten Grundstück stattfinde.

Romano Kübler von Melody's Circusland mit einem der Zebras.

Romano Kübler von Melody's Circusland mit einem der Zebras.

Kübler, der im niederrheinischen Kerken (Kreis Kleve) sein Haupt- und Winterquartier angemeldet hat, kommt möglichen Kritikern auch hier zuvor: „Wir haben die Genehmigung, dass wir unsere Tiere halten dürfen“, sagt er. Es gebe nicht nur ein Tierbestandsschutzbuch, das sorgfältig geführt werde, auch die tierärztlichen Versorgungen und Kontrollen seien dokumentiert. Zweieinhalb Hektar hat er in Wachtberg angemietet. „Unsere Gehege sind größer, als sie laut Gesetz sein müssten“, fährt er fort und zeigt die Transporter, mit denen die Großkatzen und ihre Gefährten von Ort zu Ort gebracht werden. Dass auch die Transporte eine Tierquälerei für die Tiere sein können, wie Peta moniert, kontert er mit der Gegenfrage nach dem Umgang mit Schlachtvieh und dessen Transporten in Deutschland.

Stadt Düren hat keine Flächen für den Zirkus bereit gestellt

Die Meinungen über den Umgang mit Tieren im Schaustellerbereich gehen weit auseinander, das macht ein Blick in die sozialen Medien klar, wo Romano Kübler offensiv agiert und seine Arbeit mit den Tiere n präsentiert. Zuletzt entzündete sich eine heftige Debatte, weil die Stadt Düren im Mai keine städtischen Flächen mehr für den Zirkus zur Verfügung gestellt hatte.

Bürgermeister Frank Peter Ulrich hatte in einem Fernsehbeitrag erklärt, dass man sich dazu entschieden habe, weil dieser Art der Darbietung mit Tieren aus der Zeit gefallen sei. Für Kübler ist das „undemokratisch“, weil sich Ulrich und andere, die Kritik übten, nicht mal selbst ein Bild gemacht hätten. Auch hier hält er dagegen, dass man sich ja auch mal die Zustände in Tierheimen anschauen sollte.

Aufgrund einer akuten Vielzahl von Prüfungen, verbunden mit zahlreichen Außeneinsätzen des Kreisveterinäramtes, konnte bislang keine aktuelle Prüfung des Zirkus vor Ort stattfinden“
Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises

Apropos anschauen: Kübler gab sich auch hier sehr offen und erklärte, dass er seine Gastspiele im Rhein-Sieg-Kreis angemeldet habe und er davon ausgehe, dass auch noch jemand zur Überprüfung vorbeischaue. Das sei bisher noch nicht geschehen, erklärt das Kreisveterinäramt via Pressestelle des Kreises. „Aufgrund einer akuten Vielzahl von Prüfungen, verbunden mit zahlreichen Außeneinsätzen / vor-Ort-Terminen des Kreisveterinäramtes, konnte bislang keine aktuelle Prüfung des Zirkus vor Ort stattfinden“, heißt es schriftlich. Vor zwei Jahren sei der Zirkus, als er ebenfalls in Rheinbach gastierte, überprüft worden. Dabei, so die Auskunft des Kreises „waren einige Mängel festgestellt und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden“.

Grundsätzlich zuständig für die Prüfung eines Zirkus ist die zuständige Veterinärbehörde am Ort des Geschäftssitzes beziehungsweise des festen Winterquartiers des Zirkus. Bei Vorstellungen an anderen Orten ist der Betreiber nach §11 Tierschutzgesetz verpflichtet, beim Verlassen des alten Ortes oder beim Ankommen am neuen Ort den Orts- oder Kreiswechsel der zuständigen Veterinärbehörde der neuen Kommune bzw. der Veterinärbehörde des neuen Landkreises anzuzeigen. Das hat Romano Kübler getan. Umgekehrt besteht aber keine Pflicht zur Überprüfung durch das örtliche Kreisveterinäramt.