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HandwebmuseumBald wird in Bad Münstereifel-Rupperath wieder Flachs gesät

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Zwei Frauen bearbeiten Flachshalme mit historischen Werkzeugen, rechts im Bild steht ein Blumenkübel.

Flachs brechen und hecheln konnten die Besucherinnen im vergangenen Jahr beim Flachsfest.

Das Handwebmuseum in Bad Münstereifel-Rupperath hat für die kommenden Monate wieder ein interessantes Programm zusammengestellt.

Es wird wieder gesponnen und gewebt, gehechelt und geschwungen: Das Handwebmuseum Rupperath startet an Ostersonntag, 5. April, in die neue Saison. Und feiert runden Geburtstag, sein 20-jähriges Bestehen. Am 26. April findet wieder der Aktionstag „Zu Gast in der eigenen Heimat“ der Nordeifel Tourismus GmbH statt. Das Handwebmuseum ist dann von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Die Besucher erfahren auch, wie das Projekt „1 qm Lein“ im vergangenen Jahr gelaufen ist und wie es in diesem Jahr weitergeht. Genau genommen waren es in Rupperath zwei Quadratmeter, auf denen Lein oder auch Flachs angebaut wurde.

Sinn der Aktion ist es, für die alte Kulturpflanze zu werben, deren Fasern seit Jahrhunderten zu Leinen versponnen und verwebt werden und die beispielsweise sehr viel weniger Wasser verbraucht als Baumwolle. Jetzt werden die beiden eingezäunten Beete vorbereitet, damit in Kürze dort die nächste Generation Lein gedeihen kann. „Wir haben den Flachs vom vergangenen Jahr noch nicht ausgedroschen“, erzählt Barbara May, eine der Ehrenamtlichen, die das kleine Museum am Laufen halten.

Der Flachs vom Vorjahr muss noch verarbeitet werden

Daher wisse sie auch noch nicht, ob die Samen tatsächlich reif seien und die nächste Pflanzengeneration hervorbringen könnten. Sorgen macht ihr das aber nicht. Denn „1 qm Lein“ sei ein österreich- und bundesweites Mitmachprojekt, im Zweifelsfall werde sie dort Samen bekommen. Außerdem hätten einige der Frauen aus der Spinngruppe selbst Lein angebaut und könnten mit den Körnern aushelfen.

Das Bild zeigt einen alten Webstuhl.

Nicht nur traditionelle Eifeler Webstühle gibt es im Museum, sondern auch Exoten wie dieses Exemplar aus Korea.

Zwe Beete sind mit Latten eingezäunt.

In den beiden umzäunten Beeten wird auch in diesem Jahr wieder Flachs ausgesät, um die Fasern zu gewinnen.

Tatsächlich war beim Flachsfest im vergangenen Herbst der Andrang so groß, dass das Museumsteam gar nicht dazu gekommen ist, die eigene Ernte aus dem zweiten Beet zu verarbeiten. Also müssen die Pflanzen vom Vorjahr noch gebrochen, geschwungen und gehechelt werden – so heißen die traditionellen Arbeitsschritte, mit denen die Fasern gewonnen werden. Am Aktionstag werden die Fasern zu Garn gesponnen, dann werden bunte Bänder daraus gewebt. Und ein neues Museumsstück können die Besucherinnen und Besucher auch anschauen: ein türkisches Spindelrad.

Beim Museumsfest werden auch Produkte der Eifel-Yaks angeboten

Mitte bis Ende April wird dann wieder Flachs ausgesät. Bis zur Ernte können Museumsgäste beobachten, wie er gedeiht, von den ersten grünen Spitzen bis zur Blüte. Ab 19. Juli haben wieder andere Flachsanbauer die Möglichkeit, ihre Ernte nach Rupperath zu bringen und dort die historischen Werkzeuge zu benutzen, um die Stängel von den Samenkapseln zu befreien. Mit dem Flachsfest am Sonntag, 18. Oktober, endet die Saison. An dem Tag wird gemeinsam gebrochen, geschwungen und gehechelt, um spinnbare Fasern zu gewinnen.

Am Sonntag, 17. Mai, ab 11 Uhr wird aber zunächst einmal das Museumsfest gefeiert. Rund um die alte Rupperather Schule findet ein Markt statt, auf dem handgefertigte Produkte angeboten werden. Gestricktes, Gewebtes, Gefilztes, aber auch Steinbildhauerarbeiten und Produkte der Eifel-Yaks. Die Rinder, eigentlich am Himalaya beheimatet, leben in der Nähe des Nürburgrings. Vermarktet wird derzeit das Fleisch, später soll auch die Wolle der Tiere verarbeitet werden.

Die Textilkünstlerin Johanna Spaethe präsentiert „Das Hemd“

Ein musikalisches Begleitprogramm zum Markt gibt es auch, der Bläserchor Rupperath, die Klezmerband „Niealldoh“ und die Tanzfolkgruppe „Mayenspîl “ treten auf. Um 14 Uhr wird der Wandbehang „Eifel-Bodenschätze“ versteigert. Frauen der Spinngruppe haben ihn mit zwei Textilkünstlerinnen gestaltet. Der Erlös der Auktion wird dem Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche Bonn e.V. gespendet. Im Juni zeigt das Handwebmuseum eine neue Ausstellung. Dafür konnte Johanna Spaethe gewonnen werden. Die renommierte Textilkünstlerin aus Königstein hat ihre Arbeiten schon an vielen Orten präsentiert.

In Rupperath wird „Das Hemd“ zu sehen sein, eine Präsentation, die Spaethe vor Jahren im Stadtmuseum Schwandorf vorgestellt hat. Wie Barbara May schildert, hat die Künstlerin dafür alte Hemden in ihre Einzelteile zerlegt, neue Schnitte umgesetzt und dabei alte Techniken genutzt. In Rupperath wird sie auf Schautafeln Schritte dieser Arbeit zeigen und erläutern. Geplant ist auch ein dreitägiger Workshop, in dem die Teilnehmerinnen Techniken wie Sticken und Patchwork lernen können.

Das Handwebmuseum befindet sich in der ehemaligen Schule in Rupperath, Schulweg 1. Geöffnet ist es von April bis Oktober jeden ersten und dritten Sonntag im Monat und am jeweils darauffolgenden Mittwoch, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Termine für Führungen können unter Tel. 02257/831 oder 02643/5147 vereinbart werden.