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Im Auftrag der GemeindeFünf alte Linden wurden am Karnevalssamstag in Blankenheim gefällt

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Die Baumreihe hat Lücken, die Standorte der Bäume, die mittlerweile gefällt wurden, sind noch zu erkennen.

Da, wo Schnee die glatte Schnittfläche bedeckt, standen bis zum Karnevalssamstagmorgen mehr als 80 Jahre alte Linden. Die Gemeinde  argumentiert, die Verkehrssicherheit der Bäume sei gefährdet gewesen.

Anwohner sind verärgert über die Fällung der mehr als 80 Jahre alten Bäume. Hätte bei vier Exemplaren ein Pflegeschnitt gereicht?

Fünf der mehr als 80 Jahre alten Linden an der Straße Giesental in Blankenheim sind gefällt worden. Am Karnevalssamstag rückte um 8 Uhr ein mit der Fällung beauftragter Dienstleister aus Engelgau an und machte sich an die Arbeit. Fünf der Linden wurden auf Bodenhöhe abgesägt.

War das nötig? Die Frage stellen sich nicht nur die Anwohner am Giesental in Blankenheim. Anwohner wie Rolf Klein oder auch Alexandra Lüdke, Ehefrau des SPD-Kreistagsmitglieds Daniel Lüdke, wurden völlig überrascht. Alexandra Lüdke machte Fotos von den Fällarbeiten und informierte ihren Ehemann. Der reagierte verärgert.

Anwohner wurden von Fällarbeiten in Blankenheim überrascht

Dass die Maßnahme ausgerechnet an diesem Tag umgesetzt wurde, zeitgleich zu einem Zeitungsbericht über die Pläne der Verwaltung, fünf Linden wegen fehlender Verkehrssicherheit zu fällen, lasse sich für ihn „kaum als bloße Terminsache“ erklären. Er sehe vielmehr die Zeitgleichheit als „ein deutliches Signal – allerdings keines für Transparenz“.

Rolf Klein zeigt auf die Baumreihe, die zu diesem Zeitpunkt noch vollständig war.

Anwohner Rolf Klein hatte einige Tage vor der Fällung bezweifelt, dass die Bäume krank seien.

Ein abgesägter Stamm liegt neben einem Baumstumpf.

Am Karnevalssamstag war ein beauftragter Dienstleister ins Giesental gekommen und hatte die fünf Linden gefällt.

Tatsächlich hatte Bürgermeisterin Jennifer Meuren am 11. Februar eine Anfrage der Redaktion vom Vortag zum Thema beantwortet. Auf Anfrage stellte sie gestern klar: „Ich habe keinerlei Druck ausgeübt, dass die Bäume an diesem Tag gefällt werden sollen“, so Meuren. Vielmehr habe ihr eine Verwaltungsmitarbeiterin am 11. Februar mitgeteilt, dass das am 13. oder 14. Februar geschehen solle. Verhindert hat die Verwaltungsleiterin es aber dann auch nicht.

Anwohner bemängeln, dass Fakten geschaffen worden seien

Ob also Zufall oder nicht – für die Anwohner wurden Fakten geschaffen. „Meiner Frau hat die ausführende Firma gesagt, dass tatsächlich nur eine der fünf Linden wegen Baumfäule hätte gefällt werden müssen“, so Lüdke weiter. Bei den vier anderen Linden aber hätte man auch auf einen tieferen Pflegeschnitt setzen und abwarten können, wie sich die Bäume entwickeln, so nach seinen Worten die Einschätzung der Experten am Karnevalssamstagmorgen vor Ort. Die beauftragte Fachfirma aus Engelgau war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Allerdings hatte – wie berichtet – auch die Untere Naturschutzbehörde die Alternative eines Pflegeschnitts statt einer Fällung für einige der Linden gegenüber der Blankenheimer Bürgermeisterin ins Spiel gebracht. Meuren hatte sich aber auch aus Gründen der künftigen Verkehrssicherheit der Linden an der Straße dagegen entschieden.

Anwohner Daniel Lüdke nennt das Vorgehen der Verwaltung „eine bodenlose Frechheit“. Auch das Tage zuvor an die Haushalte im Giesental zugestellte Ankündigungsschreiben sei nicht ausreichend gewesen: Vor einem Jahr habe letztlich eine Unterschriftenaktion der Anwohner die schon damals geplante Baumfällung gestoppt. Sein Eindruck sei nun, dass die Verwaltung schlicht demonstrativ eigene Interessen durchsetzen wolle. Es sei nicht um „Sachverstand und Verhältnismäßigkeit“ gegangen. So wie er sieht das offenbar auch eine ganze Reihe seiner Follower in den Sozialen Netzwerken.

Anwohner Rolf Klein, der sich für den Erhalt der Bäume eingesetzt hatte, machte seinem Ärger in Anlehnung an ein Protestlied mit einem gereimten Vers Luft: „Sag mir, wo die Linden sind, wo sind sie geblieben?/ Sag mir, wo die Linden sind. Was ist gescheh'n? /Meuren köpfte sie geschwind. Wann wird man je versteh'n? Wann wird man je versteh'n?“