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Bundeswehr in EuskirchenLinke und Grüne protestieren gegen Gästeschießen

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Pic Bundeswehr Billiger Wald 150416

Die Bundeswehr betrieb im Billiger Wald auch eine Sendeanstalt.

Euskirchen – Die Bundeswehr in Euskirchen veranstaltet am 3. Juni auf ihrer Anlage im Billiger Wald ein Gästeschießen. Die Linksfraktion im Stadtrat steht auf der Teilnehmerliste, wird der Einladung aber nicht folgen. Mehr noch: Ihr Sprecher Jan Fischer hat den Standortältesten, Brigadegeneral Roland Brunner, aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Brunner lehnt dies ab.

Ursprünglich wollte die Bundeswehr im Januar wie  gewohnt einen Neujahrsempfang veranstalten, rückte davon jedoch aus organisatorischen Gründen ab. Stattdessen ist nun besagtes Gästeschießen geplant, wie es im Einladungsschreiben heißt, das unter anderem an die Ratsfraktionen ging, ebenso an die Stadtverwaltung und an eine Reihe von Vereinen.

„Sinnfreie Veranstaltung“

Linken-Chef Fischer  antwortete Brunner, angesichts der Situation  in Syrien sei die geplante Veranstaltung  „an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten“. Die Lage im Nahen Osten komme einem „leicht entzündlichen Pulverfass gleich“. Die Menschen dort flüchteten „vor Krieg, Hunger und Vertreibung“, so Fischer: „Wie kann es sein, dass Sie zu so einer Zeit zu einem durch Steuermittel finanzierten Gästeschießen einladen?“ Die Bundeswehr solle künftig „auf derartige sinnfreie Veranstaltungen verzichten“ und das dadurch eingesparte Geld für soziale Zwecke spenden.

Brunner hält das Schreiben für „unverschämt“. Er werde den Brief nicht beantworten, sagte er auf Anfrage.  Fischer konstruiere einen Zusammenhang, der an den Haaren herbeigezogen sei:  „Ich sehe keine Veranlassung, die Veranstaltung zu streichen.“

70 Personen eingeladen

Pic Bundeswehr Billiger Wald 150416

Die Bundeswehr betrieb im Billiger Wald auch eine Sendeanstalt.

Die Einladung hat die Bundeswehr nach Angaben des Standortältesten an rund 70 Personen verschickt. Sie sollen, nach einer entsprechenden Einweisung, mit Pistole und Gewehr auf Ringscheiben schießen  – „natürlich unter Aufsicht“, so Brunner: „Das ist so ähnlich wie im Schützenverein.“

Der Brigadegeneral ist der Meinung, dass  derartige Wettbewerbe eine gute Möglichkeit bieten, „sich mit Politik, Verwaltung und anderen Repräsentanten der Bevölkerung  auszutauschen“.

Gespräche durchs Schießen

So argumentiert auch CDU-Chef Klaus Voussem, der keinen Grund sieht, die Einladung  nicht anzunehmen. Das Schießen sei eine gute Gelegenheit, „ins Gespräch zu kommen –  auch über die Entwicklung des Bundeswehrstandortes Euskirchen“. Für die Argumentation der Linken habe er kein Verständnis, so Voussem. Für die CDU seien gemeinsame Veranstaltungen wie das Grillfest des Standortältesten und nun eben auch das Gästeschießen „eine geübte Form der Anerkennung und Wertschätzung der Bundeswehr durch die Zivilbevölkerung“.

Annegret Milbert (FDP) sagte, die Bundeswehr sei als einer der größten Arbeitgeber in Euskirchen ein wichtiger Ansprechpartner ihrer Fraktion: „Wir wollen den Dialog  fortführen. Wer keine Waffe in die Hand nehmen möchte,  kann die Veranstaltung ja nur dazu nutzen,  um Kontakte zu knüpfen.“

Miteinander mit Bundeswehr pflegen

Pic Bundeswehr Billiger Wald 150416

Die Bundeswehr betrieb im Billiger Wald auch eine Sendeanstalt.

Der Sprecher der UWV, Dieter Krause, kann  Fischers Argumente nicht nachvollziehen: „Ich sehe da keinen Zusammenhang. Wir sollten uns als Kommune nicht in die Weltpolitik einmischen, sondern das Miteinander zwischen Stadt und Bundeswehr pflegen.“

Der Aspekt der Kontaktpflege überwiegt auch für die SPD, wie  ihr Fraktionschef Josef Schleser sagte: Er  persönlich stehe dem Schießen „sehr differenziert gegenüber, doch wir als Fraktion sehen das nicht so eng“.

Geschmacklose Idee

Ganz anders die Grünen:  Weil sie sich als Pazifisten verstehen, so Sprecherin Dorothee Kroll, hätten sie als Fraktion nie an den Veranstaltungen der Bundeswehr teilgenommen. Dies gelte auch für den Termin am 3. Juni. Als die Einladung eintraf, hätten sich die Fraktionsmitglieder     „zutiefst darüber empört, dass man sich in Zeiten von weltweiten blutigen Konflikten zum Schießen verabredet“. Diese Idee sei  „geschmacklos“.