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LeichtathletikDie beste deutsche Hochspringerin ihrer Altersklasse kommt aus Metternich

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Kristina Marten sitzt auf der Treppe im Heinz-Flohe-Stadion, vor ihr steht einer ihrer Hunde.

Die deutsche Hochsprungmeisterin Kristina Marten mit Abby, einem ihrer drei Hunde.

Kristina Marten aus Weilerswist-Metternich gewann nach der deutschen Meisterschaft in der Halle auch den Freiluft-Titel in der Altersklasse W40.

Mönchengladbach, 19. Juli: Kristina Marten kürt sich zur deutschen Meisterin im Hochsprung der Altersklasse W40. Bereits im März hatte sie sich den Hallentitel gesichert. Zwei deutsche Meisterschaften in einem Jahr – für die 42-Jährige vom Team Voreifel, der Leichtathletikgemeinschaft der LGO Euskirchen/Erftstadt und des TuS Zülpich, ist das der vorläufige Höhepunkt ihrer Rückkehr in den Leistungssport.

Die liegt gerade einmal knapp zwei Jahre zurück. Im Herbst 2024 begann Marten nach fast 20 Jahren Pause wieder mit dem Training. 2025 wurde sie bei den deutschen Meisterschaften in Halle und Freiluft jeweils Vizemeisterin. 2026 sollten dann die beiden Titel folgen. Ihre Saisonbestleistung liegt bei 1,58 Metern, die nächste Marke ist klar: 1,60 Meter.

Dass die Sportlerin aus Metternich überhaupt wieder hochspringt, war lange nicht abzusehen. Wann sie genau mit der Leichtathletik angefangen hat, weiß Marten nicht mehr genau: „Mit zehn oder elf Jahren begann ich in Erftstadt mit der Leichtathletik, mein damaliger Sportlehrer hat mich dazu ermutigt.“ Mit 15 wechselte sie nach Euskirchen. Weitsprung, Hürden und Mehrkampf gehörten zunächst dazu, ehe sich der Hochsprung als ihre stärkste Disziplin herauskristallisierte. Sie gewann westdeutsche und Nordrhein-Meisterschaften und trainierte zeitweise in einem Leistungskader in Leverkusen.

Ein Geburtstagsgruß für Hans-Werner Pütz führte zum Comeback

Dann veränderte sich ihr Leben. Studium, Beruf und private Einschnitte rückten den Sport in den Hintergrund. Nach dem Tod ihrer Mutter wurde der Leistungssport endgültig zur Nebensache. Ganz aufgegeben hat Marten die Bewegung aber nie. Sie lief, ging ins Fitnessstudio und blieb aktiv. „Ich brauche immer ein Ziel“, sagt sie.

Der entscheidende Impuls zum Comeback kam über ihren früheren Trainer Hans-Werner Pütz, genauer gesagt über dessen Töchter. Zum 70. Geburtstag ihres Vaters hatten sie ehemalige und aktuelle Athleten von Pütz um Videobotschaften gebeten. Auch Marten machte mit und das Ganze habe etwas in ihr ausgelöst. Als sie Pütz später bei einer Veranstaltung in Euskirchen wiedersah, sagte sie: „Hans-Werner, ich komme wieder.“

So nahm sie im September 2024 erstmals wieder am Training teil, sehr zur Verwunderung von Pütz. Der Trainer und Vorsitzende der LGO Euskirchen/Erftstadt erkannte, dass sie noch auf vieles zurückgriff, was er sie als Jugendliche gelehrt hatte. „Die Bewegungsabläufe waren noch vorhanden, Kraft und Belastbarkeit mussten sich dagegen erst wieder entwickeln“, erinnert er sich. „Technisch hatte sie erstaunlich schnell zu ihrem alten Niveau zurückgefunden“, sagt Pütz.

Ihre tierische Rentnerband ist ihr Gegenpol zum Sport

Marten selbst setzte sich von Anfang an ein konkretes Ziel. Neue Hochsprungschuhe hatte sie bereits gekauft, auspacken wollte sie sie aber erst nach einem Sprung über 1,50 Meter. Als diese Höhe geschafft war, war aus dem Comeback-Versuch endgültig wieder Wettkampfsport geworden.

Viermal pro Woche trainiert Marten inzwischen: Kraft, Technik, Schnelligkeit und Hochsprung-Spezifik stehen auf dem Programm. Auch die Hürden gehören dazu. Lange Läufe dagegen nicht. Alles über 200 Meter sei für sie „eine absolute Katastrophe“, wie sie lachend sagt. Seit rund acht Jahren lebt Marten mit ihrem Freund in Metternich. Zum Haushalt gehören drei Tierschutzhunde: Abby aus der Türkei sowie Murphy und Frida aus Rumänien. Weil die drei inzwischen älter sind, nennt Marten sie ihre Rentnerband.

Ihr Freund ist ihr seit dem Comeback ein großer Rückhalt und zeigt Verständnis für den Sport. Er unterstützt sie bei Training und Wettkämpfen und hilft bei der Versorgung der Hunde. Marten macht deutlich, dass diese Unterstützung für ihren sportlichen Alltag wichtig ist. Die Hunde wiederum sind für die 42-Jährige ein Gegenpol zum Sport. „Ich bin so unter Dauerstrom“, sagt sie. Die Tiere brächten Ruhe in ihren Alltag. Um sich möglichst gut um sie kümmern zu können, informiert sie sich regelmäßig über Naturheilkunde bei Tieren.

Für die jungen Sportler des Teams ist Kristina Marten ein Vorbild

Beruflich arbeitet die gelernte Betriebswirtin im kaufmännischen Bereich. Vier Tage Homeoffice erleichtern es ihr, Beruf, Hunde und Leistungssport miteinander zu verbinden. Mit ihrem Freund und den drei Hunden fährt sie außerdem regelmäßig nach Spanien. Ihr Spanisch möchte Marten deshalb künftig weiter verbessern.

Auf der Hochsprunganlage ist die Metternicherin inzwischen auch für jüngere Sportlerinnen im Verein eine Ansprechpartnerin und ein Vorbild. „Ein Mädchen erzählte mir nach einem Training stolz, dass sie am Wochenende 1,40 Meter gesprungen ist“, merkt die deutsche Meisterin an. Diese Verbindung zum Nachwuchs wird am Sonntag, 20. September, sichtbar. Beim Kinder- und Sportfest des Teams Voreifel im Heinz-Flohe-Stadion in Euskirchen wird Marten vor Ort sein und unter anderem Siegerehrungen vornehmen.

Und was bringt die Zukunft für die 42-Jährige? In der kommenden Saison sollen endlich die 1,60 Meter übersprungen werden. Auch am Hürdenlauf will sie dranbleiben, allerdings nur als „Spaßdisziplin“ neben dem Hochsprung, obwohl sie 2026 die Regionalbestzeit lief.

In ihrer Spezialdisziplin, dem Hochsprung, könnte sie als deutsche Meisterin auch an den Europameisterschaften teilnehmen. Allerdings ist eine Teilnahme nicht selbstverständlich: „Das wäre ein Traum, mal internationale Wettkampferfahrung zu erleben. Allerdings sind die zeitlichen und vor allem die finanziellen Hürden sehr hoch und kaum umsetzbar“, gesteht Marten.