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Verein feiert 20-jähriges BestehenCasino ist für die Euskirchener Kultur unverzichtbar

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Ein Blick auf das grün angestrichene Gebäude.

Das Casino in Euskirchen ist aus dem Kulturangebot in Euskirchen längst nicht mehr wegzudenken.

Mit Idealismus und viel Eigenleistung hat der Kultur- und Förderverein Casino in Euskirchen eine beliebte Veranstaltungsstätte geschaffen.

Als Hermann Verbeek zum ersten Mal das Casino an der Kaplan-Kellermann-Straße betrat, war das Gebäude weit entfernt von dem Zustand, den Besucher heute kennen. Und doch war ihm sofort klar: „Das ist eine unbezahlbare Perle für die Stadt Euskirchen.“

Etwa 20 Jahre später steht das Haus wie kaum ein anderer Ort für ehrenamtlich getragene Kulturarbeit in der Stadt – aufgeweckt aus dem Dornröschenschlaf von Idealisten. Konzerte, Karneval, Lesungen, politische Veranstaltungen, private Feiern oder Clubabende – im Casino Euskirchen ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein kultureller Treffpunkt entstanden, dessen Entwicklung anfangs kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Wir dachten nur: Wie kann man so ein Gebäude einfach verkommen lassen?
Hermann Verbeek

Die Geschichte beginnt Mitte der 2000er Jahre. Eigentlich suchte eine Gruppe Kulturschaffender Räume für die Kunstausstellung „Hinz und Kunst“. Das Casino stand damals weitgehend ungenutzt da. Gartenmöbel aus dem Kaufhaus Teitge waren eingelagert, vieles wirkte heruntergekommen. „Wir sind hier reingekommen und dachten nur: Wie kann man so ein Gebäude einfach verkommen lassen?“, erinnert sich der heute 71-jährige Verbeek.

Aus der ersten Ausstellungsidee entstand schnell mehr. Am 18. Juli 2006 wurde der Kultur- und Förderverein Casino gegründet. Unterstützung kam früh von regionalen Banken und Förderern. Die Volksbank stellte noch vor der offiziellen Vereinsgründung Geld bereit, später unterstützte auch die Sparda-Bank das Projekt mehrfach mit größeren Summen. Denn klar war von Anfang an: Ohne Hilfe von außen würde die Rettung des Hauses nicht funktionieren.

Eine historische Aufnahme zeigt den festlich dekorierten Saal des Casinos.

Früher war die Lokalität eine der ersten Adressen der Stadt.

Eine alte Aufnahme, die den Hof des Casinos mit Tischen unter Bäumen zeigt.

Den Biergarten gibt es nicht mehr.

Über die Jahre flossen erhebliche Mittel in die Sanierung des Gebäudes. Der Verein selbst investierte nach eigenen Angaben rund 300.000 Euro. Hinzu kamen städtische Förderungen und Zuschüsse – unter anderem aus dem damaligen Konjunkturpaket II. Alles in allem sind mehr als eine Million Euro in das Objekt geflossen. „Seitdem haben wir eine Heizung, ein dichtes Dach und Schritt für Schritt ging es weiter“, so Verbeek.

Fassade, Fenster, Technik, Kellerbereiche, Böden und Infrastruktur wurden erneuert. Vieles entstand dabei in Eigenleistung. Vereinsmitglieder arbeiteten selbst mit, organisierten Umbauten oder begleiteten Handwerkerarbeiten. Zwischenzeitlich diente das Casino sogar als Mensa der Gesamtschule, als deren Neubau noch nicht fertig war. „Das hat erstaunlich gut funktioniert“, erinnert sich der Vorsitzende.

Ein leerer Raum mit Gewölbedecke und nacktem Boden.

Der Gewölbekeller soll künftig für Konzerte und andere Kulturveranstaltungen genutzt werden.

Heute organisiert der Verein rund 30 eigene Veranstaltungen pro Jahr – wie das Sternenfest am ersten Adventswochenende, „Singeding“-Mitsingkonzerte mit dem Musiker Filou oder Hofkonzerte im Sommer.

Hinzu kommen zahlreiche Fremdveranstaltungen und Vermietungen. Das Spektrum reicht von Karnevalssitzungen wie der Proklamation des Küfers über Clubkonzerte bis hin zu Auftritten von Tribute-Bands, politischen Veranstaltungen, Info-Abenden der Stadt Euskirchen, Vorträgen des Kreisgeschichtsvereins oder kulturellen Reihen wie der „Nacht der Chöre“. Regelmäßig zu Gast sind auch regionale Musiker wie der Dürschevener Marco Schönecker und die Band Rock on Wood.

Der Euskirchener Verein hat Nachwuchssorgen

„Wir wollen nicht reich werden“, sagt Verbeek, der seinen Posten in der ersten Reihe an Martina Grundler abgegeben hat. Gleichzeitig bleibt der organisatorische Aufwand enorm. Vor allem werde es immer schwieriger, genügend Helfer für Veranstaltungen zu finden.

Der Verein zählt aktuell etwas mehr als 500 Mitglieder. Doch wie viele andere Vereine kämpft auch das Casino mit dem Generationenwechsel.

Auf der Bühne im Euskirchener Casino spielten oft junge Bands aus der Region

„Wir müssen irgendwann überlegen, wie junge Leute überhaupt wieder Lust auf Verein bekommen“, so die Vorsitzende Grundler. Das Problem betreffe nicht nur das Publikum, sondern auch die aktive Mitarbeit. Viele Engagierte seien inzwischen seit Jahren oder Jahrzehnten dabei. Zwar gebe es jüngere Vorstandsmitglieder, wie den Zülpicher Poetry-Slammer Julius Esser, und einzelne neue Impulse.

Dennoch stellt sich die Frage, wie sich Programm und Vereinsarbeit künftig weiterentwickeln können. „Für junge Angebote braucht man eigentlich auch junge Leute, die das entwickeln“, sagt die Vereinsvorsitzende. Früher habe man häufiger jungen Bands aus der Region eine Bühne gegeben. Heute sei die Musik- und Veranstaltungsszene deutlich fragmentierter geworden.

Ein Zukunftsprojekt bleibt der historische Keller des Casinos. Dort sieht der Verein großes Potenzial für kleinere Formate. Nach der Flut wurden viele Bereiche saniert – auch ein neuer Durchbruch samt neuem Zugang ist entstanden. Geplant ist langfristig ein kleiner, technisch ausgestatteter Veranstaltungsraum mit fester Bühne. „Für kleine kulturelle Veranstaltungen ist das ideal“, so Verbeek.

Im Keller sind auch neue Stützen eingebracht worden. Alles im Einklang mit dem Denkmalschutz. Was noch fehlt, ist ein kleiner abgetrennter Bereich, etwa für die Garderobe.


Die Casino-Gesellschaft zog 1898 ein

Die 1867 gegründete Casino-Gesellschaft, eine Vereinigung von Landwirten und Unternehmern, zog 1898 in ihr neues Haus ein. Der aufwendige Bau mit Turmaufbau über dem Haupteingang diente für Vorträge, Theaterspiel und gesellige Veranstaltungen. Die Casino-Gesellschaft mit über 100 Mitgliedern wollte auch das naturkundliche und technische Wissen fördern. Ihre Mitglieder stammten aus dem gehobenen Besitz- und Bildungsbürgertum.

In den 1920er-Jahren erfuhr das Casino einen zeitgemäßen Umbau. Viele Details aus dieser Epoche sind erhalten. Die Casino-Gesellschaft existierte bis in die 1970er-Jahre. Derzeit sind städtische Mitarbeitende, die zuvor ihr Büro im City-Forum hatten, im Casino mit ihren Arbeitsplätzen untergebracht. Das ehemalige Atelier von Fotograf Hermann Verbeek wird dafür unter anderem genutzt. 


Feier zum 20-Jährigen im September

Am 18. Juli 2006 gründete sich der Kultur- und Förderverein Casino in seiner heutigen Form. Im September will er seinen 20. Geburtstag mit einer Fete begehen. „Wir arbeiten gerade an der Einladungsliste“, sagt Martina Grundler, die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins.

Eingeladen werden sollen neben den Mitgliedern auch langjährige Weggefährten, Freunde und Förderer der Kulturstätte in der Kaplan-Kellermann-Straße.