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Programm deutlich abgespecktEuskirchener Karneval in der Finanzkrise – Bisher kein Küfer

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Das Bild zeigt ein zerschlagenes Sparschwein, das eine Clownsnase anhat. Auch Geld und ein Karnevalskranz sind zu sehen.

Rückläufige Kosten und steigende Kosten zwingen den Euskirchener Karneval zu einem Sparkurs.

Bei der Sessionseröffnung und an Weiberdonnerstag wird in Euskirchen abgespeckt. Es gibt auch noch keinen Küfer für die Turbo-Session.

„Wer soll das bezahlen?“ Selten passt die bekannte Karnevals- und Stimmungsliedzeile besser als derzeit beim Euskirchener Karneval. Sinkende Sponsoreneinnahmen, steigende Kosten und fehlende Fördergelder zwingen die Verantwortlichen zum Sparkurs. Die Folgen sind bereits sichtbar: Die Sessionseröffnung wird abgespeckt und einzelne Veranstaltungen fallen weg: Aschermittwoch also mitten im Sommer statt im Februar.

Besonders deutlich macht sich der Rückgang beim Sponsoring bemerkbar. Nach Angaben von Stefan Guhlke, Präsident des Festausschusses Euskirchener Karneval (Feuka), fehlen im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren rund 4500 Euro an Sponsorengeldern. Einige Unterstützer haben ihre Budgets halbiert, andere sich ganz zurückgezogen. Gleichzeitig seien, so Guhlke, die Kosten für Hallen, Technik und Künstler in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Auch die ausverkaufte Damensitzung wirft kaum Profit ab

Selbst ausverkaufte Veranstaltungen wie die Damensitzung werfen inzwischen kaum noch Gewinn ab. Alle anderen Veranstaltungen im Euskirchener Karneval – ob Sessionseröffnung, Proklamationssitzung oder Weiberdonnerstag – seien defizitär, sagt auch Markus Tews, Vize-Präsident der Euskirchener Prinzengarde.

Auch Förderprogramme, die nach der Corona-Pandemie hochwertige Veranstaltungen ermöglicht hatten, stehen nicht mehr zur Verfügung. Während aus dem Landesprogramm „Neustart miteinander“ damals bis zu 50 Prozent der Kosten bestritten werden konnten, gibt es inzwischen lediglich noch einen einmaligen Zuschuss von 500 Euro. Deshalb sehen sich die Verantwortlichen gezwungen, das Veranstaltungsprogramm zu reduzieren und Ausgaben konsequent zu senken.

Von den Einsparungen betroffen ist bereits die Sessionseröffnung am 14. November. Sie soll künftig wieder „zurück zu den Wurzeln“ gehen. Im Mittelpunkt stehen die Tanzgruppen der Euskirchener Karnevalsvereine. Als einziger externer Programmpunkt sind die „Kelz Boys“ vorgesehen.

Während Bühne, Technik und Künstler in den vergangenen Jahren Kosten von bis zu 14.000 Euro verursacht haben, soll sich die Veranstaltung künftig weitgehend über den Verkauf von Getränken und Würstchen finanzieren. Wo die Sessionseröffnung stattfinden wird, steht allerdings noch nicht fest. Der Alte Markt gilt als eher unwahrscheinlich. Diskutiert werden Standorte im Bereich des Klosterplatzes oder des Veybach-Centers.

Ungewöhnlich kurze Session wartet auf die Karnevalisten

Hinzu kommt eine ungewöhnlich kurze Session mit lediglich sechs Karnevalswochenenden. Deshalb geht der Feuka mit den vier vaterstädtischen Vereinen neue Wege. Die Proklamation findet bereits am 21. November im „Wohnraum“ der Alten Tuchfabrik statt – erstmals überhaupt im November und nicht am ersten Januar-Wochenende.

Da sie terminlich von weiteren Veranstaltungen – etwa der Damensitzung – getrennt ist, entstehen laut Guhlke zusätzliche Kosten für Auf- und Abbau im „Wohnraum“ in der Alten Tuchfabrik.

An der Spitze der Euskirchener Karnevalisten steht ein weibliches Dreigestirn

An der Spitze der Euskirchener Karnevalisten wird in der kommenden Session wieder ein weibliches Dreigestirn stehen, das aus den Reihen der Prinzengarde kommt. Wer aber Prinz, Bauer und Jungfrau sein werden, verrät der Feuka noch nicht.

Auch das Programm wird an einigen Stellen gekürzt. Der Traditionsfrühschoppen entfällt, weil nicht genügend Vereine zur Verfügung stehen.

Am Weiberdonnerstag ist gemeinsam mit der Stadt wieder ein Rathaussturm geplant. Wegen der noch nicht fertiggestellten Außenanlagen am Rathaus soll dieser jedoch bewusst klein gehalten und nicht öffentlich beworben werden. Denkbar ist auch, dass er in der Innenstadt stattfindet. Die Pläne für Weiberdonnerstag stecken laut Guhlke aber noch in den karnevalistischen Kinderschuhen.

Bisher gibt es für die Session 2026/27 keinen Küfer

Der Rosenmontagszug bleibt dagegen das Herzstück des Euskirchener Karnevals. Allerdings ist der Zug in den vergangenen Jahren etwas kürzer geworden, weil mehrere Gruppen aus Altersgründen aufgehört haben. Das Ende des Zugs wird wieder auf dem Charleviller Platz sein.

Gleichzeitig beobachten die Organisatoren, dass die Kosten für Wurfmaterial kontinuierlich steigen. Statt größerer Mengen Kamelle wird inzwischen verstärkt auf hochwertigere Produkte gesetzt. Positiv entwickelt sich auch der Kinderzug, der zuletzt deutlich mehr Besucher anzog. Auch die After-Zug-Party im Casino soll weiterhin stattfinden.

Das Bild zeigt den Moment der Proklamation des Küfers.

Der Euskirchener Küfer wird traditionell im Casino proklamiert. In dieser Session könnte die Veranstaltung ausfallen.

Dennoch droht dem Euskirchener Kinderkarneval der Super-GAU. Es fehlt nämlich ein Küfer für die Session 2026/27. Bewerbungen sind laut Feuka noch bis zum 15. August möglich. Ohne Küfer müssten mehrere feste Programmpunkte entfallen, darunter die Küfer-Proklamation und die Kindersitzung. Die Grundausstattung kostet – je nach Ausgestaltung – zwischen 4500 und 5500 Euro.

Darin enthalten sind Orden, Pins, Wurfmaterial und das Ornat. Gestemmt werden muss das aber von der Familie des Küfers. Der Feuka und die Karnevalsvereine sind da raus. Das war so aber auch in Zeiten, in denen es dem Euskirchener Karneval finanziell besser ging. Rund 5000 Euro für gut sechs Wochen Karneval ist eine Kamelle, an der man ordentlich zu kauen hat.

Jedes Getränk, jeder Euro hilft, das Brauchtum langfristig zu sichern.
Stefan Guhlke, Feuka-Präsident

Auch die allgemeine wirtschaftliche Lage macht dem Euskirchener Karneval zu schaffen. Das Kneipensterben erschwert die Suche nach Treffpunkten für große Gruppen wie der Prinzengarde mit bis zu 120 Aktiven. Ein wenig Alaaf am Ende des Tunnels kommt gerade aus den Reihen der PG selbst. Tews hat seit wenigen Tagen die Kneipe am Annaturmplatz übernommen.

Gleichzeitig verteuern externe Bewirtschaftungskonzepte Veranstaltungen erheblich. Deshalb setzen die Organisatoren seit zwei Jahren verstärkt auf Eigenbewirtschaftung von Getränkeständen, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen.

Trotz aller Herausforderungen zeigen sich die Verantwortlichen kämpferisch. Zwar werde die ehrenamtliche Arbeit durch hohe Erwartungen und oft geringe Wertschätzung nicht leichter. Dennoch seien sie überzeugt, dass sich der Euskirchener Karneval den neuen Rahmenbedingungen anpassen werde.

Gleichzeitig werben sie um Unterstützung – sei es durch Sponsoren, einen Küfer für 2027 oder schlicht durch einen Besuch der Sessionseröffnung und den Kauf eines Getränks. „Jedes Getränk, jeder Euro hilft, das Brauchtum langfristig zu sichern“, so Feuka-Chef Guhlke.


Die Termine im Euskirchener Karneval

  1. Die Karnevalssession 2026/27 in Euskirchen beginnt am 18. Oktober mit dem Männerfrühstück um 11.11 Uhr im Alten Casino. „Das ist ein echtes Highlight“, sagt Stefan Guhlke, Präsident des Festausschuss Euskirchener Karneval.
  2. Die offizielle Sessionseröffnung folgt am 14. November um 11.11 Uhr in der Innenstadt. Der genaue Ort steht noch nicht fest.
  3. Am 21. November wird um 19.11 Uhr in der Alten Tuchfabrik die Proklamation gefeiert.
  4. Im neuen Jahr startet das Programm am 3. Januar mit der Kinderparty inklusive Küferproklamation ab 14 Uhr im Alten Casino – wenn denn ein Küfer gefunden wird. Sollte das nicht der Fall sein, entfällt die Veranstaltung im Casino.
  5. Dort finden auch der Tag in Grün und Gold am 10. Januar um 11.11 Uhr sowie der Gardefrühschoppen am 17. Januar zur gleichen Uhrzeit statt.
  6. Die Damensitzung beginnt am 20. Januar um 18.11 Uhr in der Alten Tuchfabrik.
  7. Am 23. Januar wird um 17 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche die Tollitätenmesse gefeiert, bevor am 24. Januar um 11.11 Uhr „En de Flutsch“ das Standquartier eröffnet wird.
  8. Zu den Höhepunkten zählt der Kinderzug am 31. Januar ab 11.11 Uhr durch die Innenstadt. Im Anschluss lädt die Bodega ab 12.11 Uhr zum Artillerie-Frühschoppen ein.
  9. An Weiberfastnacht, 4. Februar, beginnt um 11.11 Uhr in der Innenstadt die Schlüsselübergabe. Ab 16.11 Uhr schließt sich im Parkhotel das „Non Stop Wieverdach“ an.
  10. Am 6. Februar zieht der Zug der Vereine ab 10.11 Uhr durch die Gemeinde.
  11. Der Rosenmontagszug startet am 8. Februar um 12.11 Uhr an der Frauenberger Straße. Im Anschluss wird ab 15 Uhr im Alten Casino bei der After-Zoch-Party weitergefeiert.
  12. Den Abschluss der Session bildet am 9. Februar ab 15 Uhr im Alten Casino der Ausklang mit dem Tollitätenbegräbnis und der Nubbelverbrennung.