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Auf den Spuren von Buzz LightyearEuskirchener Gymnasiasten fliegen ins Weltall

4 min
Das Bild zeigt die Rakete, die für die Vermittlung von Weltraumwissen eingesetzt wird, auf einem Sattelschlepper in Euskirchen.

Ein Blickfang: Die Reise ins Weltall findet stilecht in einer Rakete statt. Die wiederum ist auf einem Sattelschlepper befestigt.

Die Reise für die Schüler des Emil-Fischer-Gymnasiums dauerte zwar nur 15 Minuten und war rein virtuell, aber sie dürfte Eindruck hinterlassen haben.

Einmal von der Schule fliegen – so ganz ohne Konsequenzen und sich dabei fühlen wie ein echter Astronaut. Geht nicht? Doch! Mit dem SpaceBuzz One, einem begehbaren High-Tech-Lkw in Form einer Rakete der Deutschen Raumfahrtagentur. Und wie es sich für echte Nachwuchsastronauten gehört, musste ein entsprechendes Training absolviert werden.

„Wir haben das in den Unterricht eingebettet. Das war kein reines Infotainment“, sagt Dr. Michael Szczekalla, Leiter des Emil-Fischer-Gymnasiums in Euskirchen. Dort war die SpaceBuzz One nun zwischen Stadttheater und Grundschule für zwei Tage „gelandet“.

Schüler wurden in zwölf Modulen auf die Weltraummission vorbereitet

In zwölf Modulen lernten die Fünft- und Sechstklässler zunächst einiges über Raumfahrt und ihre Bedeutung für die Gesellschaft. Nachdem sie dieses Training erfolgreich gemeistert hatten, ging es in kleinen Gruppen in den Truck – oder die Rakete. Mit ihr ging es ins Weltall – virtuell natürlich, aber die Simulation fühlte sich teilweise ganz schön echt an.

Für die 15-minütige Weltraumreise saßen die Nachwuchsastronauten in einer realitätsnahen Raumkapsel auf Sitzen, die sich beim Start und der Landung bewegten. Virtual-Reality-Brillen brachten sie in eine Rakete, mit der sie die Erde und ihre Atmosphäre scheinbar verließen. Mit einer Videobotschaft begrüßte ESA-Astronautin Nicola Winter die Kinder zu der Reise ins All.

Die Rakete auf Rädern soll den MINT-Unterricht ergänzen

Die ESA-Astronauten Matthias Maurer und Alexander Gerst begleiteten diese mit kurzen Videosequenzen, in denen sie erklärten, was die Reisenden auf den VR-Brillen gerade sahen. Diese zeigten zu 80 Prozent echte Aufnahmen, die aus dem Weltraum von der Erde, dem All und dem Mond gemacht wurden. Das ermöglichte den Kindern einen Blick auf die Erde, wie ihn sonst nur Astronautinnen und Astronauten haben.

Der Blick von oben war nicht nur beeindruckend, sondern zeigte auch Probleme auf, die von hier unten oft übersehen werden. Und das ist das Ziel des SpaceBuzz, einem Schul- und Bildungsprogramm der Deutschen Raumfahrtagentur, das vom Bund finanziert wird. Die Rakete auf Rädern soll den MINT-Unterricht ergänzen und Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen dazu motivieren, den Planeten besser zu schützen.

Das Bild zeigt Schüler des Emil-Fischer-Gymnasiums, die sich gerade virtuell auf Weltraummission befinden.

Auf Sitzen, die sich bewegen, geht es für die Schüler per VR-Brille ins Weltall.

Das Bild zeigt Andrea Schyboll, die gerade eine VR-Brille auf einen Haken hängt.

Spacebuzz One der Deutschen Raumfahrtagentur am Emil-Fischer-Gymnasium in Euskirchen. Für die Schüler ging es auf eine 15-minütige Reise durchs Weltall.

Denn die Bilder aus dem Weltraum zeigen: Der Mensch hinterlässt seine Spuren, und die Erde leidet darunter. Auf den Aufnahmen ist zum Beispiel zu sehen, dass ein Großteil des Regenwaldes abgeholzt ist, dass die Polkappen schmelzen und Abgase die Luft verschmutzen.

Bevor die Schüler die Rakete betraten, wies Mitarbeiterin Andrea Schyboll sie ein. Für sie war die Station am Emil-Fischer-Gymnasium eine Art Heimspiel. Sie wohne zwar mittlerweile im Ruhrgebiet, aber für zwei Tage ging es nun in die Heimat zu ihren Eltern nach Sötenich. Schyboll erklärte den Schülern, wie die Reise ins All ablaufen werde.

Wir wollen euch für Forschung und Wirtschaft interessieren. Aber uns ist vor allem wichtig, dass ihr euch für unseren Planeten interessiert.
Andrea Schyboll

Und: „Wir wollen euch für Forschung und Wirtschaft interessieren. Aber uns ist vor allem wichtig, dass ihr euch für unseren Planeten interessiert. Und dass ihr lernt, dass wir nur diesen einen haben, auf dem wir leben können“, sagte sie. Mit kleinen Dingen könne jeder zum Schutz der Erde beitragen und dabei helfen, dass noch viele Generationen auf ihr leben können. „Bis zum Mars dauert es neun Monate. Und da wollen wir gar nicht hin“, meinte sie. Zudem wies sie auf eine Beobachtung hin, die die Kinder vom All aus auch machen könnten: „Man sieht keine Ländergrenzen. Die sind menschengemacht.“

Schüler fanden die Reise „cool“, „creepy“, „mega“ oder auch „toll“

Nach der Einführung ging es los. Die vorherige Gruppe verließ die Rakete. Aufgeregt unterhielten sich die frischgebackenen Astronauten über ihre Eindrücke, während ihre Klassenkameraden sich auf ihr großes Abenteuer vorbereiteten. Schon war alles für den Start bereit und die Rakete hob ab. Dabei war sie um ein vielfaches schneller als ein Flugzeug. Durch die wackelnden Sitze und das Video auf den VR-Brillen hätte man für einen kurzen Moment vergessen können, dass man sich gerade nur gedanklich auf eine Reise um die Welt befindet.

Und die Schüler? Die fanden den Weltraumflug „cool“, „creepy“, „mega“ oder auch „toll“. Sechstklässlerin Anna sagte: „Es war gruselig, aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Die Erde in der Nacht aus dem Weltall zu sehen, war schön.“

Mitschüler Noah fand vor allem die Aurora borealis, auch bekannt als Polarlichter, faszinierend. Dass es noch einen Abstecher zum Mond gegeben habe, sei ebenfalls cool gewesen. Malte erinnerte der Name der Rakete auf dem Schulhof an einen der Hauptcharaktere des Annimationsfilms „Toy Story“: Buzz Lightyear. Und so zitierte der Schüler auch den Spaceranger beim Einsteigen der Rakete: „Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter.“

Diese Unendlichkeit dauerte dann aber eben nur 15 Minuten. Aber es dürften für alle Schüler die wohl ungewöhnlichste Viertelstunde in dieser Schulwoche gewesen sein. Am Freitag nahmen auch Marienschüler an dem Projekt teil.