Für die Marienschwesten war Haus Maria Rast nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Wolfgang Scheidtweiler hat das Anwesen bei Kreuzweingarten jetzt übernommen.
Neuer HausherrSteinfeld übernimmt, Marienschwestern bleiben in Maria Rast bei Euskirchen

Freuen sich über die zukunftsweisende Entscheidung: Schwester Marisa Spickers (M.) und Wolfgang Scheidtweiler (3.v.r.)
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Das klingt nach einem Geschäftsabschluss, der nur Gewinner kennt. Haus Maria Rast wird Teil der Kloster Steinfeld GmbH & Co KG. „Ich freue mich riesig“, sagte Wolfgang Scheidtweiler, der unter dem Dach der GmbH mehrere Eifelklöster versammelt hat. Von einem wichtigen Tag sprach Schwester Marisa Spickers, Provinzoberin der Schönstätter Marienschwestern: Man habe einen starken Partner gefunden. Ein Erbbaurechtsvertrag soll langfristig die Entwicklung der Anlage in Kreuzweingarten sichern. Die Marienschwestern – 15 sind es derzeit – werden bleiben, das Gästehaus wird weitergeführt.
„An Traditionen festhalten, Geschichte weiterentwickeln“ umschreibt die Provinzoberin den Schritt. Betriebswirtschaftlich sei es nicht möglich gewesen, Haus Maria Rast wie bisher weiterzuführen. Die Übernahme durch Familie Scheidtweiler biete nun die Möglichkeit, die apostolische Arbeit weiterzuführen und die gute Adresse zu bewahren. Schließlich habe Maria Rast einen guten Ruf als stimmungsvoller Ort für Seminare und Tagungen.
Das Klostercafé in Maria Rast soll täglich geöffnet sein
Wolfgang Scheidtweiler geriet ins Schwärmen, als er seine Pläne im Seminarraum des alten Gutshauses vorstellte. Der Blick aus dem Fenster hatte es ihm angetan, überhaupt die Lage. Und das Klima. Das sei viel besser als in Euskirchen, sagte Scheidtweiler. Da musste Bürgermeister Sacha Reichelt dazwischengehen: „Wir sind hier in Euskirchen.“
Er zeigte sich erfreut, dass die Schwestern Maria Rast nicht verlassen müssten, und sieht in der neuen Konstellation eine große Chance, „diesen Rohdiamanten noch mehr zu schleifen“. Scheidtweiler will auch bei der Neuerwerbung seiner Linie treu bleiben: „Ich will kein Kloster, das leersteht und wo ich die Mitarbeiter in Kostüme stecken muss.“

Von dieser Aussicht schwärmt der neue Hausherr: Aus den Fenstern des Haupthauses geht der Blick über den Park zu den Eifelhöhen. Auch die Bruder-Klaus-Kapelle kann man bei klarer Sicht von dort aus entdecken.
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Die 15 Schwestern sollten bleiben, „solange sie können“. Und alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, ebenfalls derzeit etwa 15, werden weiterbeschäftigt. Der Unternehmer will Maria Rast nach dem gleichen Konzept weiterentwickeln wie Kloster Steinfeld. Es soll ein Klostercafé geben, das täglich geöffnet ist. Und in dem es – natürlich – Gemünder Bier und Klosterbier aus Mariawald gibt.
„Wir haben Großes vor, wir wollen nichts verändern“, umschreibt Scheidtweiler humorvoll sein Vorgehen. Sprich: Das Haus soll sein Gesicht und seine Atmosphäre behalten und nur behutsam modernisiert werden. Derzeit verfügt das Haus über 23 Zimmer mit insgesamt 30 Betten. Statt der Einzelzimmer soll es künftig Doppelzimmer geben, mehr Gäste sollen Platz finden. Der bisher ungenutzte Dachboden wird ausgebaut.
Vor einigen Jahren hatten Studenten ein Konzept für die Weiterentwicklung von Maria Rast erarbeitet, auf das der neue Betreiber nun zurückgreifen kann. Darin war ein Erker an der Südseite geplant. Scheidtweiler denkt über einen Wintergarten nach. Natürlich im Einklang mit dem Denkmalschutz: „Wir wollen es sensibel angehen.“
Eine ganz Sammlung von Eifel-Klöstern
Die Geschichte soll nicht beendet, sondern fortgeschrieben werden. Das ist einer der Grundsätze der Familie Scheidtweiler, die ihre „Kloster-Familie“ mit der Übernahme von Maria Rast auf nun vier Standorte ausgebaut hat. Wolfgang Scheidtweiler sagt: „Wir sehen die vier Standorte nicht als gleichartige Häuser, sondern als eigenständige Orte mit jeweils ganz eigener Geschichte und Ausstrahlung. Was sie verbindet, ist der Gedanke, diese besonderen Orte zu erhalten, mit Leben zu füllen und für kommende Generationen zugänglich zu machen.“
Begonnen hat die Geschichte mit dem Salvatorianer-Kloster Steinfeld in Steinfeld, das Scheidtweiler vor elf Jahren übernommen hat, dann folgten das Kloster Mariawald bei Heimbach und das ehemalige Benediktinerinnenkloster in Steinfeld, heute Standort der Trappistinnen von Maria Frieden. In Steinfeld hat der Unternehmer das frühere Internat zu einem Gästehaus umgebaut, das 93 Zimmer mit Vier-Sterne-Standard bietet. Gäste können aber auch im schlichteren klösterlichen Ambiente des alten Gästehauses übernachten.

Vor elf Jahren hat Familie Scheidtweiler das Kloster Steinfeld übernommen und das Gästehaus zum Hotel umgebaut.
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Wolfgang Scheidtweiler ist mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Standortes zufrieden. Er spricht von 40.000 Gästen im Jahr. Auch die beiden Wirtschaften liefen gut. „Wie Gastronomie funktioniert, wissen meine Frau und ich seit mehr als 50 Jahren“, sagt Scheidtweiler, dessen unternehmerische Laufbahn mit der Gemünder Brauerei begonnen hat. Mittlerweile gehören ihm und seiner Familie diverse Brauereien und gastronomische Betriebe, vor allem in Süddeutschland.
Aber wirtschaftlicher Erfolg ist nicht alles. Mit einem gewissen Stolz verweist Wolfgang Scheidtweiler darauf, dass das Kloster nach wie vor ein Zentrum des christlichen Glaubens ist. Vier Gottesdienste fänden dort an jedem Wochenende statt, mit jeweils 80 bis 100 Besucherinnen und Besuchern, berichtet er. Im vergangenen Jahr war Kloster Steinfeld sogar Veranstaltungsort der Deutschen Bischofskonferenz.
Bildungsstätte mit langer Tradition
Haus Maria Rast ist ein altes Herrenhaus, 1899 gebaut von Max von Mallinckrodt als Pendant zum Wachendorfer Schloss, das seinem Bruder Paul gehörte. Das Anwesen, damals Haus Broich genannt, wurde bei einem Bombenangriff an Silvester 1944 schwer beschädigt. Die Schönstätter Marienschwestern kauften es 1947, bauten das Herrenhaus wieder auf und ergänzten es mit Neubauten zu einer Bildungsstätte. Heute liegt es auf Euskirchener Stadtgebiet und gehört zu Kreuzweingarten.

Die Kapelle auf dem Gelände von Maria Rast steht jedem offen.
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Gründer der Schönstatt-Bewegung war Pater Josef Kentenich, dessen Geburtshaus in Erftstadt-Gymnich steht. Benannt ist sie nach dem Gründungsort, dem Berg Schönstatt bei Vallendar. Die Marienschwestern gehören keinem Orden an, sondern einem Säkularinstitut. Sie leben in einer apostolischen Gemeinschaft und erfüllen soziale Aufgaben.
In diesem Jahr feiert die Gemeinschaft ihr 100-jähriges Bestehen. Sie ist in 32 Ländern auf allen Kontinenten aktiv. 1933 waren die ersten Schwestern nach Südafrika entsandt worden, 1935 dann nach Südamerika. In Deutschland gibt es derzeit gut 500 Schönstätter Marienschwestern, in Maria Rast sind es noch 15. Das Herzstück der Anlage – sie war das erste Schönstatt-Heiligtum in Europa neben dem Gründungsort – ist die Schönstattkapelle, die jedermann zugänglich ist. Im vergangenen Jahr hat Maria Rast sein 75-jähriges Bestehen gefeiert.
