Der ukrainische Maler Petro Popovskyi, der seit 2022 in Deutschland lebt, zeigt im Bunker in Billig Werke, die er seiner neuen Heimat gemalt hat.
Bilder der neuen HeimatPetro Popovskyi zeigt in Billig seine Eindrücke von der Eifel

Zur Eröffnung seiner Bilderausstellung im Bunker in Billig wird der ukrainische Künstler Petro Popovskyi von seinem Sohn Bogdahn Popovskyi mit Instrumentalmusik unterstützt.
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Obwohl viele Ukrainerinnen und Ukrainer notgedrungen seit einigen Jahren in Deutschland leben, sind sie im öffentlichen Leben bislang nur wenig sichtbar. Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in die Heimat mag dabei eine Rolle spielen. Zudem ist Deutsch keine leicht zu erlernende Sprache, und manche fürchten vielleicht, bei Deutschen eher geduldet als wirklich willkommen zu sein. Deshalb halten sich viele zurück. Umso erfreulicher ist die aktuelle Ausstellung eines ukrainischen Künstlers im Bunker in Billig.
Petro Popovskyi ist eine Nachbarschaftsentdeckung. Nicoline de Werth aus Billig fiel der große, kräftig gebaute, grauhaarige ältere Mann auf, der sich auf der Straße mit seinen Malutensilien vor ihrem Haus aufgebaut hatte. Neugierig schaute sie ihm über die Schulter, als er eine Dorfszene von Billig malte. Das Bild sprach sie an. Sie konnte sich nicht mit ihm verständigen. Popovskyi ist zwar schon seit 2022 in Deutschland, aber bei der Sprache müssen ihm Tochter und Schwiegersohn helfen. Also holte sie sich Hilfe einer anderen Nachbarin, die Russisch spricht.
Aus dem Kontakt entwickelte sich die Idee einer Ausstellung. So erzählte sie es bei der Vernissage. Mit ihrer Initiative schenkte sie dem Künstler die Möglichkeit, seine Kunst in Deutschland öffentlich zu machen und den Besucherinnen und Besuchern die Chance etwas mehr Zugang zu ukrainischen Mitbewohnern zu bekommen.
Landschaften und Dorfeindrücke aus der Eifel
Durch ihren Mut zur Begegnung erfuhr sie die Geschichte des Malers. In der Ukraine gehörte Popovskyi zu einem Künstlerverband und hat an mehreren Ausstellungen teilgenommen. Er malt seit seinem 25. Lebensjahr. Sein Studium führte ihn jedoch zunächst in die Psychologie.
Interessanterweise fand er dort eine Verknüpfung zwischen seinem Studienfach und der Kunst: die Psychologie in der Kunst. Betrachtet man die Bilder im Bunker, schaut man auf Landschaften und Dorfeindrücke aus der Eifel. Alle Werke stammen aus seiner Zeit in Deutschland. „Früher habe ich in Odessa gelebt und besaß ein Sommerhaus am Strand. Da habe ich oft das Meer gemalt“, schaut Popovskyi zurück.
Seine Tochter übersetzte seine Worte. „Ich male immer nur das, was ich direkt sehe. Ich greife nicht auf Fotos oder Fantasie zurück.“ In dieser Hinsicht ist er ein echter Naturmaler, aber kein naturalistischer Maler. Sein Malstil liegt irgendwo zwischen Impressionismus und Expressionismus.
Für die Motivsuche fährt Popovskyi gerne in die Eifel
Gelegentlich malt er auch Gebäude oder Blumen in einer Vase. Immer das, wonach ihm ist. Eine Künstlergemeinschaft in Odessa hatte Einfluss auf die Entwicklung seines Stils. Mit einigen ist er bis heute befreundet.
In den Farben der Bilder spiegeln sich die Stimmungen wider, die er beim Betrachten empfindet. Für die Motivsuche fährt Popovskyi, der in Euskirchen wohnt, gerne in die Eifel. Schon bei der Vernissage wurden erste Bilder verkauft. Es ist scheinbar Kunst, die gefällt.
Für den kleinen Ort war der Zustrom an Besuchern an diesem Tag beachtlich. Popovskyis Sohn Bogdahn spielte zur Eröffnung klassische Stücke auf seinem Cello. Die Nachbarschaft hatte Getränke organisiert. Popovskyi war sichtlich gerührt und erfreut, dass er nun auch in Deutschland mit seiner Kunst auf Interesse stößt. Der enge Bunker ist zwar nicht der beste Ort, um Bilder auszustellen, aber er ist immerhin ein Anfang.
Seine Tochter erzählt, dass schon die Lagerung seiner zahlreichen Gemälde schwierig sei. Sie hofft, dass sich noch weitere Möglichkeiten ergeben, die Kunstwerke auszustellen. „Mein Vater hat auch große Bilder gemalt, die man im Bunker schlecht zeigen kann“, erzählt sie. Kunst verbindet, sagt man. Und das scheint sich in Billig gerade zu bestätigen. Es ist dem Maler darum zu wünschen, dass er noch weitere Gelegenheiten bekommt, seine Arbeiten zu zeigen und mit seiner neuen Heimat in Kontakt zu kommen.
Bis zum 28. Juni sind die Bilder im Bunker in der Billiger Straße 310 gegenüber vom Dorfplatz jeden Sonntag von 12 bis 16 Uhr zu sehen. Eintritt frei.
