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AusstellungEifeler Malerin bietet in Zülpich Zündstoff für die sterbende Galerieszene

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Gundolf und Marianne Roy und Maf Räderscheidt (v.r.n.l.) schauen sich in einem Atelier Gemälde an.

Unter einer Vielzahl von neuen Bildern konnten Gundolf und Marianne Roy bei der Künstlerin Maf Räderscheidt (l.) auswählen.

Die Malerin Maf Räderscheidt hat sich für ihre neue Ausstellung in Zülpich mit dem jungen Kölner Künstler Max Leinfelder zusammengetan.

Es wird wild, frisch und vor allem lebendig – wenn Maf Räderscheidt über ihre neue Ausstellung spricht, sprühen geradezu die Funken. Unter dem Titel „Zündstoff“ zeigt die Galerie Roy in Zülpich ab Samstag, 18. April, Bilder der Eifeler Künstlerin und des jungen Kölner Künstlers Max Leinfelder.

Die beiden bilden scheinbar Gegensätze. Auf der einen Seite die erfahrene, ausgebildete Künstlerin, die beruflich wie privat schon mit allen Wassern gewaschen ist – auf der anderen Seite der junge performative Künstler ohne akademische Ausbildung, der erst seit wenigen Jahren überhaupt Kunst macht. Doch so weit auseinander liegen sie laut Räderscheidt gar nicht. „Ein Mensch, der fast mein Enkel sein könnte, aber im Geiste mir gegenüber sitzt“, so beschreibt sie Leinfelder. Ihre große Gemeinsamkeit: die Leidenschaft. „Wir sind beide keine Hobbykünstler“, sagt Räderscheidt. „Wir brennen dafür.“ Und das könne jeder und jede bei der Betrachtung ihrer Bilder auch spüren.

Kunstgalerien sind vom Aussterben bedroht, sagt Maf Räderscheid

Mit dieser Leidenschaft wollen die beiden einen Funken Hoffnung entzünden für etwas, das laut Räderscheidt vom Aussterben bedroht ist: Kunstgalerien. Diesen sterben das Publikum, aber auch die Kunstschaffenden weg, sagt Räderscheidt. Gleichzeitig werde Kultur in diesen schwierigen Zeiten weniger gefördert. Die Folge: Immer mehr Galerien müssten schließen.

Deswegen bin ich Surrealistin, denn die Zeit in der wir leben ist surreal.
Maf Räderscheid, Künstlerin

Leinfelder ist selbst Teil einer Generation, die Kunst und Kultur vor allem digital konsumiert und auch produziert. So macht es auch der Künstler selbst. Mehr als 90.000 Follower hat Leinfelder auf TikTok, mehr als 50.000 auf Instagram, einige tausend Abonennenten auf Youtube. In seinen Videos malt er oft mit anderen Menschen aus der Influencer-Szene zusammen ein Bild. Aber er zeigt auch seine eigene Kunst und das oft relativ spektakulär. So wickelt er manche Bilder in eine blickdichte Folie, die er dann anzündet.

Übrig bleibt am Ende das Gemälde, an dem hier und da noch ein paar Flammen züngeln. „Er hat natürlich eine ganz andere Klientel als eine Galerie“, sagt Räderscheidt. Doch genau darum gehe es auch bei der Ausstellung: Zeigen, welchen Unterschied es mache, ob man ein Bild auf dem Display oder an einer Galeriewand hängend betrachte.

Ausgewählt hat die Bilder für die Ausstellung Galerist Gundolf Roy. „Der lebt und atmet Kunst. Der liebt sie“, schwärmt Räderscheidt. Bei der Auswahl ihrer Bilder habe er sich ganz von seiner Intuition leiten lassen. „So etwas habe ich selten erlebt“, so die Künstlerin. Gezeigt wird nur Neues, Frisches aus den vergangenen Jahren. Leinfelder hat schlicht noch keine Jahrzehnte alte Kunst, und Räderscheidt hat alle ihre alten Bilder in der Flutkatastrophe 2021 verloren.

Die beiden Künstler zeigen in Zülpich einen bunten Stilmix

In der Ausstellung werden die Bilder bunt gemischt gezeigt. Max Leinfelder kombiniert nach eigenen Angaben moderne Malerei mit haptischen Stilmitteln, setzt schrille Akzente und abstrakte Elemente. Von Maf Räderscheidt werden ausschließlich Öl-Gemälde auf Leinwand zu sehen sein. Allerdings sehr frische, sehr leichte Öl-Bilder, betont sie. Thematisch verarbeite sie immer das aktuelle Zeitgeschehen. „Deswegen bin ich Surrealistin, denn die Zeit, in der wir leben, ist surreal.“

Auch hier passen die beiden Kunstschaffenden gut zusammen: Im Sommer 2025 verkaufte Leinfelder 1000 bedruckte Jutebeutel. Das Motiv: ein geschminkter Donald Trump, mit pinken Ohrringen, pinkem Anzug und Pride-Flaggen-Anstecker. Das Werk nannte er „Make It Queer Again“.


Die Ausstellung „Zündstoff“ von Maf Räderscheidt und Max Leinfelder wird am Samstag, 18. April, um 18 Uhr in der Galerie Roy, Nideggener Straße 25, eröffnet. Zu sehen sein wird sie bis Samstag, 16. Mai. Die Galerie hat mittwochs bis freitags von 14 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet.