Das Dorf, das so hart vom Hochwasser getroffen wurde, kämpft für eine neue Ortsmitte. Momentan ist die Kneipe ein wichtiger Treffpunkt.
Nach der Flut in EuskirchenSchweinheimer sorgen sich um Wiederaufbau des Dorfhauses

Nach der Dürre in diesem Jahr ist der Sürstbach trockengefallen. Im Juli 2021 verwüstete er Schweinheim.
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Als die Flutkatastrophe im Juli 2021 Schweinheim traf, verloren viele Menschen nicht nur Hab und Gut. Das Dorf verlor auch zwei wichtige Treffpunkte: Die „Gaststätte zum Steinbach Tal“ war massiv beschädigt worden, das Dorfgemeinschaftshaus ebenfalls. Fünf Jahre später ist die Kneipe zurück – doch um die Zukunft des Dorfgemeinschaftshauses kämpfen die Schweinheimer noch immer. Unterstützt werden sie dabei vom Verein „Schweinheim hat Zukunft“, der unmittelbar nach der Flut entstand.
Für Wirtin Annelie Banik stand trotz der Zerstörung nie zur Diskussion, ihre Gaststätte aufzugeben. Das Lokal an der Schweizer Straße, das sie 2011 übernommen hatte, sollte wieder öffnen. Fast drei Jahre lang koordinierte sie den Wiederaufbau, stellte Förderanträge und organisierte Handwerker. Hilfe erhielt sie aus dem Dorf, unter anderem bei den Online-Anträgen. Auch die Stadt Euskirchen unterstützte sie, indem das Dorfgemeinschaftshaus während der Bauphase als provisorische Dorfkneipe genutzt werden konnte.
Am 1. Mai 2024 öffnete die Gaststätte wieder ihre Türen. Seitdem treffen sich dort wieder Skatrunden, Knobelgruppen und Stammtische. Viele Radfahrer und Campinggäste kehren am Wochenende ein. „Die Kneipe ist der Kitt für die Dorfgemeinschaft“, sagt Karl Kreuzberg, gute Seele der Dorfgemeinschaft und Vorsitzender des Vereins „Schweinheim hat Zukunft“.
Die Gaststätte ist nicht nur für Schweinheim ein wichtiger Treffpunkt
Gerade weil in vielen Nachbarorten die Gaststätten verschwunden sind, sei der Treffpunkt heute wichtiger denn je, sagt Kreuzberg. Die Tische in der Kneipe stammen übrigens aus der Gaststätte „Zur Linde“ in Kirchheim, die geschlossen worden ist.

Wirtin mit Herz und Seele: Annelie Banik betreibt in Schweinheim den Gasthof zum Steinbachtal.
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Das Dorfgemeinschaftshaus in Schweinheim muss saniert werden. Der Stadt stehen Flutmittel zur Verfügung. Sie sind aber noch nicht abgerufen worden.
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Dass das Dorf nach der Flut nicht auseinanderbrach, hat aber auch mit einem außergewöhnlichen Gemeinschaftsprojekt zu tun. Schon wenige Tage nach der Katastrophe gingen die ersten Spendengelder ein. Statt hinter verschlossenen Türen über deren Verwendung zu entscheiden, setzte Schweinheim auf Transparenz.
Die Kneipe ist der Kitt für die Dorfgemeinschaft.
Im Rahmen gut besuchter Dorfversammlungen wurde ein Spendenrat gewählt. Weil Spendenquittungen ohne gemeinnützige Organisation nicht möglich waren, gründeten die Ehrenamtlichen den Verein „Schweinheim hat Zukunft“. Sein Ziel war von Anfang an klar: Spendengelder sammeln und sie sowohl den Flutopfern als auch dem gesamten Dorf zugutekommen lassen.
Der Verein sammelte 500.000 Euro an Spendengeldern
Insgesamt kamen nach Angaben der Verantwortlichen rund 500.000 Euro zusammen. Der überwiegende Teil wurde an betroffene Haushalte verteilt. Dafür warfen die Ehrenamtlichen Fragebögen in sämtliche Briefkästen ein, um den individuellen Bedarf zu ermitteln. Manche Familien verzichteten sogar bewusst auf finanzielle Unterstützung, damit stärker Betroffene mehr erhalten konnten.
Mehr als 200.000 Euro verblieben beim Verein. Das Geld wurde nicht zurückgelegt, sondern bewusst für Gemeinschaftsprojekte reserviert. Denn den Verantwortlichen war früh klar, dass der Wiederaufbau nicht mit der Sanierung privater Häuser endet. Auch das Dorf selbst braucht Orte, an denen Gemeinschaft gelebt werden kann. Neben dem Spielplatz rückte deshalb vor allem das Dorfgemeinschaftshaus in den Mittelpunkt.
Nach der Flut diente das Dorfhaus in Schweinheim als Ersatzkneipe
Das Gebäude ist ein ehemaliges Schulhaus aus den 1960er- beziehungsweise 1970er-Jahren. Heute finden dort Vereinsversammlungen, Karneval, Kirmes und Dorffeste statt. Nach der Flut diente es fast drei Jahre lang als Ersatzkneipe und wurde zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Jedoch ist der bauliche Zustand schlecht. „Viele Teile stammen noch aus der Bauzeit und entsprechen längst nicht mehr heutigen Anforderungen“, sagt Karl Kreuzberg.
Der Verein würde die Modernisierung gerne gemeinsam mit der Stadt Euskirchen vorantreiben. Doch als Eigentümerin des Gebäudes kann nur sie Fluthilfemittel beantragen. Ob das Gebäude saniert oder neu gebaut wird, ist bisher offen. Für einen Neubau müsste zunächst ein Gutachten bescheinigen, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist. Ein Schadstoffgutachten wurde bereits beauftragt, weitere Untersuchungen stehen aus.
Schweinheimer sehen Dorfhaus als Schlüssel für die Zukunft des Ortes
Bei den Ehrenamtlichen wächst deshalb die Sorge, dass das Projekt trotz aller positiven Signale ins Stocken gerät. Verständnis gibt es zwar dafür, dass Schulen, Kindergärten oder Feuerwehrgerätehäuser Vorrang beim Wiederaufbau genießen. Gleichzeitig verweisen die Vereinsmitglieder darauf, dass auch ein funktionierendes Dorfleben Infrastruktur braucht. Zuständigkeitswechsel, Personalengpässe und langwierige Vergabeverfahren verlangsamten die Prozesse zusätzlich.
Dabei sehen die Verantwortlichen das Dorfgemeinschaftshaus als Schlüssel für die Zukunft des Ortes. Schweinheim wird jünger, neue Familien ziehen zu, und der Dorfplatz wird insbesondere an Wochenenden von zahlreichen Radfahrern genutzt. Langfristig könne das Gebäude nicht nur Veranstaltungsort bleiben, sondern auch Raum für neue Angebote schaffen – von Begegnungsmöglichkeiten bis hin zu Projekten für ältere Menschen.
Die Kombination aus engagierten Ehrenamtlichen, den verbliebenen Spendengeldern des Vereins und den Fluthilfemitteln der öffentlichen Hand könnte nach Ansicht des Vereins eine tragfähige Lösung ermöglichen.
Denn die Schweinheimer sind überzeugt: Der Wiederaufbau endet nicht mit neuen Gebäuden. Er ist erst abgeschlossen, wenn auch das Herz des Dorfes wieder vollständig schlägt.
