Euskirchen – Sophia Jansen machte aus ihrer Wehmut kein Hehl: „Das ist heute wie eine Beerdigung“, sagte die Aachenerin, nachdem sie sich von weiteren Stammkunden verabschiedet hatte. Für sie und ihren Ehemann Reiner war es nach 31 Jahren der letzte Verkaufstag auf dem Euskirchener Wochenmarkt.
Reiner Jansen ist 71. „In meinem Alter sind andere schon ein paar Jahre in Rente. Irgendwann muss man aufhören“, erklärte der Käsefachmann, warum der Samstagsmarkt auf dem Annaturmplatz künftig ohne seine breit gefächerte Auswahl an Spezialitäten auskommen muss.
Zahlreiche Händler abgewandert
„In Euskirchen sind die Leute nett. Und das hier ist ein guter Markt“, sagte Jansen. Hunderte Male ist er seit 1990 samstags um 3 Uhr aufgestanden, um seinen Verkaufswagen zu bestücken und die einstündige Fahrt nach Euskirchen anzutreten. Jetzt kann er länger schlafen, was aber nicht heißt, dass er sich zur Ruhe setzt. Vielmehr wird er seinen Sohn unterstützen, der in der gleichen Branche arbeitet.

Nach 31 Jahren verkauften Reiner und Sophia Jansen, hier mit Enkelin Romy, zum letzten Mal auf dem Wochenmarkt Käsespezialitäten.
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„Wichtig ist, dass man gute Qualität anbietet, keine Massenware, die es an jeder Ecke gibt“, erläuterte Vater Jansen seine Geschäftsphilosophie. „Wir haben immer viel Käse verkauft, den wir von kleinen, ausgewählten Sennereien beziehen.“
Jansen ist einer von mehreren langjährigen Beschickern, die den Samstagsmarkt in den zurückliegenden Monaten verlassen haben. Die Obst- und Gemüsehändler Meurer und Zimmermann gehören ebenso dazu wie der Geflügelhof Heyden. Bündnis 90/Die Grünen nahmen die Entwicklung zum Anlass für einen Antrag, mit dem sich jetzt der Ausschuss für Wirtschaftsförderung befasste. Sie schlugen vor, mit den Beschickern eine Strategie zu erarbeiten, „um einer weiteren Abwanderung von Händlerinnen und Händlern entgegenzuwirken“.
Fotokampagne bei Social-Media geplant
Die Stadtverwaltung erörterte das Thema mit zwei Vertretern der insgesamt rund 20 Beschicker. Dabei kam man überein, die Werbung für den Wochenmarkt zu verbessern, wie Fachbereichsleiter Jan-Christoph Neitscher den Ausschussmitgliedern erklärte. Geplant sei unter anderem eine Fotokampagne, um die einzelnen Händler „auf den Social-Media-Kanälen mit ihrem nachhaltigen und regionalen Warenangebot vorzustellen“.
Auch werde ein Kamera-Team auf dem Wochenmarkt mehrere Kurzfilme erstellen, so Neitscher. Hinzu kämen Annoncen und Werbebanner, die im Stadtgebiet platziert werden sollen.
Eine Erweiterung des Angebots, etwa durch Kleidung und Haushaltsartikel, lehnen Händler und Verwaltung ab, ergänzte der Fachbereichsleiter. Man wolle verhindern, dass der Markt sein Alleinstellungsmerkmal als „Grüner Markt“ verliere.
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Die Verwaltung hat nach Neitschers Angaben „etliche regionale Unternehmen“ mit dem Ziel angesprochen, sie als Anbieter zu gewinnen. Dies scheitere jedoch meistens daran, dass Personal und Verkaufsstände fehlen.
Auch die Händler bemühen sich um neue Mitstreiter. „Es ist aber sehr schwer, jemanden zu finden“, sagte Margret Schmitz, die mit ihrem Ehemann Wilhelm auf dem Annaturmplatz seit Jahrzehnten Blumen, Kräuter und andere Pflanzen verkauft. „Ein Grund ist, dass die Kollegen in der Regel feste Termine auf anderen Märkten in der Region haben.“



