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Nach Abbruch in HellenthalZugvögel-Festival am Weißen Stein steht vor ungewisser Zukunft

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Menschen laufen bepackt über einen Parkplatz, auf dem Busse und Autos parken.

Mit Bussen und Privatautos machten sich die Teilnehmer des Zugvögel-Festivals vom Parkplatz am Weißen Stein aus auf den Rückweg in ihre Wohnorte.

Bei der Crew des Zugvögel-Festivals herrschte nach der erneuten Absage am Wochenende Schockstarre. Die Brandgefahr am Weißen Stein war zu groß.

Wenn einmal so etwas wie eine Chronik des Zugvögel-Festivals geschrieben wird, dann wird das Jahr 2026 mit Sicherheit als das „annus horribilis“ in die Annalen eingehen. Ein Ausdruck, den die britische Königin Elizabeth II. einst für das Jahr 1992 geprägt hat. Denn gleich beide Festivalwochenenden mussten angesichts der anhaltenden Dürre und der damit verbundenen Brandgefahr verkürzt werden: Am ersten endete die Show am Sonntagmorgen, am zweiten und letzten Wochenende bereits am Samstagmorgen. Was mit Blick auf die Zukunft eine ernste Gefahr für das Event darstellt.

Es war der Graslandfeuerindex (GLFI), der den Veranstaltern gleich zweimal einen Strich durch die Rechnung machte. Dieser zeigt nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) das witterungsbedingte Feuerrisiko in fünf Gefahrenstufen für „offenes, nicht abgeschattetes Gelände mit abgestorbener Wildgrasauflage“. Die Gemeinde Hellenthal hatte für den Fall, dass die Prognose des DWD für diesen Wert Stufe 4 (hohe Gefahr) erreichen sollte, weitreichende Konsequenzen verordnet. Dann müsse für den prognostizierten Tag und den vorherigen Tag die Veranstaltung abgesagt und das Festivalgelände mit Ausnahme der Crew geräumt werden.

Absage des Festivals trotz Brandschutzmaßnahmen

Die Waldflächen um das Festivalgelände und die kaum einzuschätzende Gefahr eines Brandes hatten die Verwaltung dazu bewogen, trotz vieler Brandschutzmaßnahmen, die die Zugvögel getroffen hatten, diese Verordnung zu erlassen.

Für das Festival war das eine existenzielle Gefahr, das wurde den Veranstaltern um Tobias Kirchgatter und Carsten Kugele schnell klar. Denn von Planungssicherheit könne nicht die Rede sein, wenn an jedem Morgen der Blick auf die neuen Prognosen des DWD zur Pflicht werde, so Kirchgatter am Samstag. Dass Planungssicherheit für die Veranstalter entscheidend ist, ist verständlich angesichts des Aufwands, den die Crew in weiten Zügen ehrenamtlich betreibt, um jedes Jahr ein außergewöhnliches, buntes und kreatives Ambiente zu schaffen. So klagten sie vor dem Verwaltungsgericht gegen die Verordnung, scheiterten jedoch in zwei Instanzen.

Die Besucher des Festivals waren trotzdem begeistert

Die Festival-Besucher und Besucherinnen nahmen das vorzeitige Ende der Party diszipliniert und friedlich auf. Enttäuscht, aber dennoch zufrieden machte sich ein Teil von ihnen am Samstag auf den Heimweg. Es waren vor allem die, die mit Shuttle-Bussen in die Eifel gekommen waren und so einen festen Abreisetermin hatten. Andere wiederum nutzten den Tag, um sich in der Eifel zu vergnügen. Oder sie blieben mit ihrem Zelt noch eine weitere Nacht am Weißen Stein.

Eine Gruppe junger Menschen steht rund um ihr Gepäck.

Etwas traurig, aber begeistert von dem Ambiente des Festivals, verabschiedete sich diese Gruppe aus Köln von der Eifel.

„Wir sind sehr traurig, es war voll schön“, sagte Lisiane, die mit ihrer Gruppe aus Köln an einem Berg Gepäck stand und auf ihre Abfahrt wartete. „Vor allem tun mir aber die Veranstalter leid, die sich diese ganze Arbeit gemacht haben. Wenn das nächstes Jahr wieder stattfindet, sind wir auf jeden Fall mit dabei“, fügte Thilo hinzu. „Wir hatten trotzdem an dem einen Tag viel Spaß, es hat sich gelohnt, dass wir gekommen sind“, ergänzte Sophia. Die Liebe zum Detail, die bei den Bauten der Zugvögel zu sehen gewesen sei, sei großartig. „Die Veranstalter sollen bitte nicht den Kopf in den Sand stecken“, wünschte sie sich.

„Alle waren begeistert“, berichtete auch Rosa aus Köln, die sich mit ihren Freunden zum Bleiben entschlossen hatte. Alle hätten Vollgas gegeben und den einen Abend genossen, so dass sie erst morgens schlafen gegangen seien. „Es war eine besondere Energie“, resümierte sie das Erlebte.

Die Crew des Zugvögel-Festival ist bestürzt

Während die Besucher erfüllt von den Erlebnissen der Nacht waren, herrschte bei der Crew am Samstagnachmittag Katerstimmung, Fassungslosigkeit über das jähe Ende und so etwas wie Schockstarre. Keiner der Menschen, die über Wochen die Bühnen und Bauten des Festivals erdacht und realisiert hatten, mochte einen Kommentar abgeben. In manchen Augen waren Tränen zu sehen. „Wenn du morgen kommst, kann ich reden, jetzt nicht“, war nicht nur einmal die Entgegnung auf die Frage des Reporters nach einer Einschätzung der Situation. Deutlich war die Sorge zu spüren, dass es das Festival im nächsten Jahr nicht mehr geben werde.

Das Bild zeigt ein kunstvoll gestaltetes, große Zelt mit einer Absperrung davor.

Gesperrt wurde auch die „Kapelle“, die von den Zugvögeln auf dem Festivalgelände errichtet worden war.

Der Betreiber steht in einem Tanktop an einem Imbisswagen und hält eine Kartoffel in der Hand.

Hofft auf Fortsetzung: Timon Verleger, der die „Schmauserei“ betreibt.

Nicht reden wollte auch Tom, der als Bauleiter die Wochen des Aufbaus begleitet hatte. „Mir bedeutet das Zugvögel-Festival alles“, hatte er bereits gesagt, als am ersten Wochenende die Absage festgestanden hatte. Die Zugvögel seien für ihn Familie. Für ihn würde ein wichtiges Element aus dem Leben wegbrechen, wenn das Festival nicht mehr weitergeführt werde, denn er sei jetzt schon die ganzen zehn Jahre mit dabei. Das Festival sei sein Leben, sein Zuhause. „Für mich wäre es eine absolute Tragödie, wenn es nicht mehr stattfinden könnte“, hatte er deutlich gesagt.

Die Händler haben selbst Einbußen, zeigen aber Mitgefühl

Auch für die Händler, die Kleidung, Schmuck oder Essen anboten, war die Absage ein Schlag ins Kontor. Doch bei ihnen war vor allem Mitgefühl für die Veranstalter zu hören. Es sei so schade für die Menschen, die alles aufbauten und organisierten, sagte eine der Händlerinnen. Sie hoffe, dass es weitergehe. „Das Publikum war super diszipliniert“, lobte eine andere.

Es sei schade, dass die Gemeinde das Festival in diesem Jahr ihrer Meinung nach nicht so unterstützt habe. „Seit Corona kann mich nichts mehr schocken“, zeigte sich Timon Verleger unbeeindruckt. Er betreibt die „Schmauserei“. Viele Jahre sei er schon beim Zugvögel-Festival. Seit der ersten Stunde sei er überrascht und hoffnungsfroh, dass es so viele achtsame junge Leute gebe. Er habe noch Hoffnung für das Festival. „Diese Leute finden einen Weg.“

„Das Zugvögel-Festival ist nicht irgendetwas. Es ist nicht ersetzbar“, sagte Kirchgatter. Es müsse in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hellenthal eine Lösung gefunden werden, sonst werde das Festival nicht mehr stattfinden. Wenn die Verordnung früher existiert hätte, hätte das Festival aufgrund des GLFI bereits in den Vorjahren dreimal abgesagt werden müssen, führte er aus. Doch das sei für keinen Veranstalter zu kalkulieren. „Zwei Festivalwochenenden kurzfristig geschlossen, das kann man niemandem zumuten“, betonte er.