Beerdigt sind die Neubau-Pläne in Kall keineswegs. Doch ohne das geplante Umsatzwachstum setzt Schoeller sie zunächst aus.
Weltwirtschaft bremst Pläne ausSchoeller baut vorerst keine neue Produktionsstätte in Kall

Mehr als zehn Millionen Euro investierte Schoeller um die Geschäftsführer Alexander Mertens (l.) und Michael Gottschalk in den „Laser XL+“. Die deutlich größere Investion in Kall ist nun zurückgestellt.
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Es vergeht fast kein Tag ohne schlechte Nachrichten aus Wirtschaft und Industrie, die weltpolitischen Entwicklungen tragen da stets ihr Scherflein zu bei. Davon bleiben auch die Unternehmen in der Region nicht unberührt. Und wenn es um eine Investition im oberen zweistelligen Millionenbereich geht, ist das Prinzip Vorsicht nicht außer Acht zu lassen. Beim Hellenthaler Rohrhersteller Schoeller Werk führt das nun zu der Entscheidung, die neue Produktionsstätte im interkommunalen Gewerbegebiet in Kall vorerst nicht zu bauen. Die Planungs- und Finanzierungsaktivitäten für das geplante Rohrzugkompetenzzentrum werden „vorübergehend pausieren“, so das Unternehmen in einer Mitteilung.
Geschäftsführer Alexander Mertens präzisiert das im Gespräch: „Es geht hier um unternehmerische Verantwortung.“ Er betont vor allem, dass diese Entscheidung weder das endgültige Aus für die Neubau-Pläne in Kall bedeutet und erst recht nicht, dass das gesamte Unternehmen in eine Schieflage geraten sei. Letzteres ist schon daran zu erkennen, dass laut Mertens aktuell keine Maßnahmen wie Kurzarbeit für die rund 770 Mitarbeiter geplant seien.
Bürgermeister sieht Rückschlag für wirtschaftliche Entwicklung in Kall
In der Mitteilung des Unternehmens und der Gemeinde bedauert auch Kalls Bürgermeister Emmanuel Kunz die Entwicklung: „Die Entscheidung stellt zweifellos einen Rückschlag für die wirtschaftliche Entwicklung der Region dar.“ Jedoch zeige sie auch, „wie wichtig verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen in Deutschland und auf den internationalen Märkten sind“.
Und damit hat er einen wesentlichen Punkt, der die Schoeller-Verantwortlichen laut Mertens in den vergangenen drei Wochen intensiv hat beraten lassen. Muss man angesichts der Lage sowie der Prognosen und mit Blick auf die enormen Verpflichtungen, die man mit solch einem Großprojekt eingeht, nicht doch auf die Bremse treten? Leicht gemacht, so Mertens, habe man sich die Entscheidung fürs Bremsen wahrlich nicht.
Umsatz bei Schoeller bewegt sich auf dem Niveau des Vorjahres
Laut Mertens hat man bei Schoeller mit einer Erholung der gesamtwirtschaftlichen Lage in diesem und dem kommenden Jahr gerechnet. Vor dem Hintergrund und entsprechend der Wachstumsstrategie wurde mit einem höheren Umsatz kalkuliert. Doch diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Es ist zwar kein Einbruch eingetreten, laut Mertens bewegt sich der Umsatz für dieses Jahr mit rund 220 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Nur die Steigerung gebe es eben nicht.
Das hat wieder mit der binnen- und weltwirtschaftlichen Lage zu tun. Während Mertens sagt, dass man in den vergangenen zwei, drei Jahren durchaus den Eindruck habe gewinnen können, dass die negativen Trends an Schoeller vorbeiziehen, bekomme man sie nun bei der Wachstumsstrategie zu spüren. Potenzielle Großkunden agieren ebenfalls vorsichtig, schieben ihre Projekte und erteilen die entsprechenden Aufträge noch nicht. Das gelte sowohl räumlich als auch inhaltlich für die verschiedensten Märkte. Der Blick von Mertens und seinen Kollegen geht ohnehin stets über den großen Teich zu US-Präsident Trump: „Man weiß ja nie, was der für Ideen hat, mit denen er die Weltwirtschaft ins Schwanken bringt.“
Betroffen von der „Bremse“ sind auch Projekte am Stammsitz in Hellenthal, die im Zuge der Neustrukturierung und „Revitalisierung“ der Produktionsstätten vorgesehen sind. Doch diese Maßnahmen seien nicht so signifikant. Das große Ziel ist, spätestens 2035 klimaneutral zu produzieren. Die dafür notwendigen Maßnahmen, das hatten die Verantwortlichen ohnehin angekündigt, seien ein kontinuierlicher Prozess, der so umgesetzt werde, wie es die wirtschaftliche Lage hergebe.
Einen konkreten Zeitplan, wann das Projekt in Kall wieder angegangen werden kann, gibt es laut Mertens noch nicht. Jedoch seien zum einen die Pläne weitgehend fertig – eigentlich hatte man in diesem Jahr mit den Bauarbeiten beginnen wollen –, zum anderen bestehe die Notwendigkeit für den Bau weiterhin. Auch sei man weiterhin von der Erholung der gesamtwirtschaftlichen Lage überzeugt. Daher könne man das Thema gar nicht ewig auf die lange Bank schieben.
