Der Gemeinderat beschließt einstimmig eine Resolution gegen das geplante 75-Millionen-Euro-Projekt. Acht Gründe gegen die Oleftalbahn.
Einstimmiger BeschlussDie Gemeinde Kall lehnt die Reaktivierung der Oleftalbahn ab

Mit erheblichem Aufwand müsste die Oleftalbahn reaktiviert werden. Dagegen sprach sich der Kaller Gemeinderat aus.
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Einstimmig hat der Kaller Gemeinderat sich am Dienstag gegen die Reaktivierung der Oleftalbahn ausgesprochen. Die veranschlagten Kosten von mehr als 75 Millionen Euro wurde auch vor dem Hintergrund der Haushaltslage als „finanzieller Wahnsinn“ bezeichnet. „75 Millionen für eine Bimmelbahn sind 75 Millionen zu viel“, so das Fazit der Kaller Politiker. Bor allem vor dem Hintergrund, das mit deutlich höheren Kosten zu rechnen sei. In einer Resolution nennt der Gemeinderat sogar eine Summe von 160 Millionen Euro, würde man notwendige Maßnahmen wie Grunderwerb, Sicherungstechnik, Umwelt- und Hochwasserschutz einberechnen. Preissteigerungen und Inflation sind noch nicht eingerechnet.
In der Resolution nennt der Gemeinderat acht Punkte, die gegen die Reaktivierung und für eine andere Nutzung sprechen. So sieht der Gemeinderat erhebliche Nachteile für den Kaller Bahnhof. Dieser sei inklusive des Umfelds in den vergangenen Jahren zu „einem attraktiven und leistungsfähigen Mobilitätsknoten“ entwickelt worden. In naher Zukunft wolle die Deutsche Bahn den Gleisbereich barrierefrei gestalten. Die Reaktivierung einer historischen Bahntrasse schränke die Möglichkeiten allerdings erheblich ein.
Oleftalbahn bietet laut Gemeinde Kall keinen zusätzlichen Mehrwert
Die Politik befürchtet außerdem erhebliche Einschränkungen im Straßenverkehr. Innerhalb von Kall selbst sei insbesondere die Querung der Aachener Straße auf Höhe der Metzgerei Engel äußerst problematisch. Durch die Schrankenschließungen würden sich Rückstaus bis in die Kreisverkehre an den Zufahrten zur Ortsmitte bis zur Bahnhofstraße ergeben. Diese schlechtere Erreichbarkeit habe Auswirkungen auf die Geschäfte in der Ortsmitte. Schließungen oder Einschränkungen der Bahnübergänge „Im Sträßchen“ und in Anstois würden Umwege für Bürger verursachen. Um Anstois zu erreichen, wäre eine alternative Verkehrsführung erforderlich, deren Ertüchtigung erhebliche öffentliche Mittel beanspruchen würde.
Bereits jetzt sei über die Linien SB81 und 829 eine direkte Busverbindung zwischen Hellenthal, Schleiden und dem Bahnhof Kall sowie zum Nationalpark/Vogelsang verfügbar. Deshalb sieht die Gemeinde Kall keinen Grund, parallel eine zusätzliche kostenintensive Schieneninfrastruktur wiederherzustellen. Ohnehin ist die Gemeinde davon überzeugt, dass die Verkehrswende nicht zwingend auf der Schiene stattfinden muss.
Der Straßen-ÖPNV biete erhebliche Vorteile: die Anbindung zahlreicher Ortsteile ohne Bahnübergänge und eine Flexibilität bei Veränderungen der Nachfrage. Nach der Elektrifizierung der Eifelstrecke würde auch die Anschlussqualität in Kall verbessert. „Eine zusätzliche Schienenverbindung muss sich deshalb an ihrem tatsächlichen Mehrwert messen lassen und darf nicht allein mit dem Argument begründet werden, dass auf einer historischen Trasse eine Eisenbahn fuhr“, heißt es in der Resolution.
Fördermittel allein sind kein Grund für die Reaktivierung der Oleftalbahn
Stattdessen biete die Oleftalbahn-Trasse eine einmalige Chance für den Radverkehr. Auf ihr könne eine durchgängige, attraktive und möglichst kreuzungsarme Radverkehrsverbindung durch das Schleidener Tal geschaffen werden – und sogar Teil eines überregionalen touristischen Radwegenetzes werden.
Die Sanierung und Reaktivierung der Oleftalbahn wäre ein mehrjähriges Projekt. Technische, bauliche, umwelt- und denkmalrechtliche Fragen müssten geklärt werden. Dabei stehe der Bereich Mobilität vor großen Veränderungen, etwa durch elektrische Busse oder On-Demand-Verkehr. Eine langfristige Festlegung erheblicher öffentlicher Mittel auf eine einzige, starre Verkehrsinfrastruktur sei nicht zielführend.
Ebenso wenig dürfe die Tatsache, dass Fördermittel für die Reaktivierung genutzt werden können, die Diskussion bestimmen, denn auch dabei handele es sich um öffentliche Mittel. Ein Kosten-Nutzen-Verhältnis sei schon in der Vorstudie aus dem Jahr 2024 kaum vorhanden gewesen. Es sei mit Betriebskosten von einer Million Euro jährlich für die Strecke zu rechnen. Und mit 500.000 Euro jährlich für die Unterhaltung der Infrastruktur.
„Wir müssen uns die Frage stellen, was wir uns mit den vorhandenen öffentlichen Mitteln leisten können, und was den Menschen im Schleidener Tal tatsächlich etwas bringt“, sagte Kalls Bürgermeister Emmanuel Kunz (SPD).
