Für eine Entscheidung über die Zukunft der Oleftalbahn gibt es noch immer keine belastbaren Zahlen. Die sollen zwei Gutachten liefern.
WiederaufbauWeitere Gutachten sollen für Klarheit zur Zukunft der Oleftalbahn sorgen

Fährt irgendwann wieder ein Zug durch den Gemünder Tunnel? Eine Studie soll die Kosten einer Sanierung der Oleftalbahn ermitteln.
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Mehr als fünf Jahre nach der Flutkatastrophe von 2021 ist in Bezug auf die Zukunft der Oleftalbahn noch keine Entscheidung gefallen. „Aktuell wird ein Gutachten zur Ermittlung der durch die Katastrophe entstandenen Schäden an der Oleftalbahn erstellt. Dabei ist eine klare Abgrenzung notwendig zwischen den tatsächlichen Flutschäden und Infrastrukturmängeln, die bereits vor der Flut bestanden haben“, teilt der Pressesprecher des Kreises Euskirchen, Wolfgang Andres, mit. Diese Kostenzuordnung werde derzeit von DB InfraGo Fahrweg und dem Eisenbahn-Bundesamt gemeinsam erarbeitet. Erst wenn eine belastbare Kostengrundlage vorliege, könnten die weiteren Schritte auf einer verlässlichen Basis erfolgen.
Bei der Flut im Juli 2021 war die Oleftalbahn zu rund 90 Prozent zerstört worden. Anschließend waren nur einige Teilbereiche der Strecke wieder instandgesetzt worden. 2023 hatte der Kreis Euskirchen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, in deren Rahmen bauliche und technische Maßnahmen für eine Reaktivierung und mögliche Betriebskonzepte für einen Stundentakt untersucht wurden. Die Kosten für eine Reaktivierung waren in einer darauf aufbauenden volkswirtschaftlichen Bewertung auf 75,5 Millionen Euro geschätzt worden. Das Fazit damals: Ein Wiederaufbau sei gesamtwirtschaftlich sinnvoll, wenn er durch die Fluthilfe gefördert werde.
Abschließende Untersuchung soll belastbare Zahlen liefern
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hatte auf Anfrage des Zweckverbands go.Rheinland im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass die Schäden mit Mitteln aus der Fluthilfe beseitigt werden können. Das BMDV ist nach Angaben des Kreises auch offen für eine Beteiligung an den Kosten der Reaktivierung der Oleftalbahn im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes. Die Bereitschaft des Bundes, die Oleftalbahn nachträglich noch in den Wiederaufbauvertrag für die von der Flut betroffenen Eifelstrecken einzubeziehen, sei positiv hervorzuheben, so der Kreis. Damit bestehe grundsätzlich eine Perspektive.
„Die Entscheidung hängt maßgeblich von einer noch durchzuführenden Nutzen-Kosten-Untersuchung ab. Ergibt diese einen Indikator von über eins, wäre eine Reaktivierung volkswirtschaftlich vertretbar“, so Andres. Bei einem Wert unter eins wäre dagegen davon abzusehen.
Bereits 2024 war im Rahmen einer Vorstudie eine vereinfachte volkswirtschaftliche Bewertung des Projekts vorgenommen worden. Diese beruht laut Andres aber noch auf verschiedenen Annahmen – insbesondere hinsichtlich der Finanzierung der Flutschadensanierung – und ersetzt deshalb keine abschließende Untersuchung auf Grundlage belastbarer Kosten.
Einen Zeitplan für die Oleftalbahn gibt es noch nicht
„Eine erste Version der Grobkostenschätzung wurde go.Rheinland vonseiten der DB InfraGo Fahrweg übermittelt. Allerdings konnten wesentliche Fragen zur Kostenzuschneidung der Flutschäden einerseits und zu den Vorschäden andererseits nicht geklärt werden. Diese Klärung dauert derzeit noch an“, teilt Benjamin Jeschor, Pressesprecher von go.Rheinland mit.
Wann die Ergebnisse vorliegen, ist völlig offen. Für die Durchführung der Untersuchung gebe es aktuell noch keinen festen Zeitplan. Und wenn es dann Ergebnisse gibt, muss go.Rheinland laut Jeschor darüber entscheiden, ob langfristig Mittel für die Finanzierung von Verkehrsleistungen auf der Oleftalbahn bereitgestellt werden. Go.Rheinland wird darüber hinaus im Herbst konkrete Gespräche mit dem Kreis Euskirchen und anderen wichtigen Stakeholdern wie DB InfraGO und der Rurtalbahn aufnehmen.
Die Rurtalbahn hatte mit der Bahn- und Businitiative Schleidener Tal (BuBI) und der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) bereits vor der Flutkatastrophe an einer Reaktivierung der Oleftalbahn gearbeitet. Die RSE hatte die 17,8 Kilometer lange Trasse von Kall nach Hellenthal für 50 Jahre von der Deutschen Bahn gepachtet und sie zwischen 2010 und 2021 regelmäßig für touristische Fahrten genutzt.
Rurtalbahn favorisiert eine schrittweise Reaktivierung
Die Dürener Eisenbahngesellschaft hatte im vergangenen Jahr ein Stufenkonzept für eine schrittweise Reaktivierung der Oleftalbahn vorgestellt. Die Rurtalbahn GmbH hat bereits bei der Reaktivierung der Eifel-Bördebahn von Euskirchen nach Düren bewiesen, dass ein solches Konzept erfolgreich umgesetzt werden kann.
In der Vergangenheit war es nach Angaben des Kreises durch die besondere Konstellation zwischen der Rhein-Sieg-Eisenbahn als damaliger Pächterin und DB InfraGo als Eigentümerin der Strecke zu Verzögerungen gekommen. Zwischen beiden Seiten habe es unterschiedliche Auffassungen darüber gegeben, wer für den Wiederaufbau verantwortlich ist. Zwischenzeitlich sei die RSE aus dem auf 50 Jahre laufenden Pachtvertrag ausgestiegen.
Der BuBI-Vorsitzende Wolfgang Heller ist einerseits unzufrieden, dass der Prozess so lange dauert: „Andererseits brauchen wir aber auch ein belastbares Ergebnis.“ Er sei immer noch optimistisch, dass es zu einer Reaktivierung komme: „Allerdings steht die Deutsche Bahn AG zurzeit bundesweit vor großen Herausforderungen.“
Die FDP im Kreis Euskirchen hat sich bereits im vergangenen Jahr gegen eine Reaktivierung der Oleftalbahn ausgesprochen. Die Kosten seien viel zu hoch, der Nutzen nicht gegeben. Stattdessen sollten zumindest Teile der Trasse für einen Radweg genutzt werden.
