Die Gemeinde Kall will die Zahl der Photovoltaik-Freiflächenanlagen begrenzen und hat mehreren Projekten eine Absage erteilt.
PV-FreiflächenanlagenGemeinde Kall spricht sich gegen zahlreiche geplante Projekte aus

Gleich neben der Bahnstrecke Köln-Trier bei Scheven baut die e-regio zurzeit einen neuen Solarpark.
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Neben dem bereits in der Umsetzung befindlichen und den bereits genehmigten privilegierten Solarparks an der Bahnstrecke Köln-Trier bei Scheven kann in der Gemeinde Kall vorerst nur eine weitere PV-Freiflächenanlage realisiert werden. Dabei handelt es sich um eine geplante Agri-PV-Anlage gegenüber dem Margaretenhof bei Keldenich. Das hat der Ausschuss für Entwicklung, Umwelt, Digitalisierung und öffentliche Sicherheit jetzt beschlossen. Über zwei weitere Vorhaben muss noch endgültig entschieden werden.
Der Ausschuss hatte im vergangenen Jahr einen Kriterienkatalog zur Entwicklung und Steuerung von PV-Freiflächenanlagen erarbeitet und beschlossen. Darin war die Gesamtfläche der Anlagen in der Gemeinde Kall von ursprünglich einmal 100 auf maximal 66 Hektar begrenzt worden. Anlagen innerhalb von privilegierten Bereichen an Bahnstrecken werden in diese Gesamtfläche einberechnet.
Außenbereiche und Feldflächen sollen geschützt werden
Ziel der Anpassung ist es laut Verwaltung, eine unverhältnismäßige Flächeninanspruchnahme zu vermeiden und den Außenbereich zu schützen. Zudem solle die Begrenzung insbesondere dem Erhalt des Landschaftsbildes, der Schonung von Freiraum- und Landwirtschaftsflächen sowie einer geordneten und ausgewogenen räumlichen Entwicklung dienen.
Politik und Verwaltung wollen die Ausweisung beschränken, um der Landwirtschaft nicht zu viele Flächen zu entziehen.
Zwischenzeitlich sind laut Verwaltung für das Gemeindegebiet diverse Anfragen für den Bau von PV-Freiflächenanlagen auf mehr als 90 Hektar eingegangen. Die Arbeitsgruppe „Erneuerbare Energien“ hat neben den Solarparks an der Bahnstrecke Köln-Trier bei Scheven mit einer Größe von insgesamt 16 Hektar aber erst einmal nur die Umsetzung von einer weiteren Anlage empfohlen. Dabei handelt es sich um ein Projekt in Keldenich gegenüber dem Margaretenhof. Auf einer Fläche von zwölf Hektar soll dort eine Agri-PV-Anlage mit einer Leistung von knapp neun Megawatt entstehen. Rund 3500 Haushalte sollen damit versorgt werden.
Sötenicher hatten Bedenken gegen PV-Projekt geäußert
Bei einem weiteren Projekt mit einer Größe von 15 Hektar am Hubertushof zwischen Keldenich und Sötenich soll laut AG nur eine Teilfläche realisiert werden, was aber wiederum der Projektierer für unwirtschaftlich hält. Nun sollen Visualisierungen erstellt und das Projekt im Herbst noch einmal beraten werden. „Es geht dabei um die Einsehbarkeit der Anlage von Sötenich aus“, erklärte Markus Auel, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. In Sötenich gebe es einige Bedenken gegen das Projekt.
Darüber hinaus soll die Verwaltung prüfen, ob eine weitere Anlage südlich von Wallenthal errichtet werden kann. „Vorher wird geprüft, ob der Bereich als Ausgleichsfläche für das geplante interkommunale Gewerbegebiet Kall/Schleiden genutzt werden kann“, so Auel. Wenn ja, dann sollen dorthin Feldlerchen umgesiedelt werden. Ein Termin mit den Beteiligten und der Unteren Naturschutzbehörde steht noch aus. „Wenn dort ein Park entstehen sollte, wird er aber nicht wie geplant 16 Hektar groß werden“, betonte Auel. Für alle diese Projekte muss von der Gemeinde Planungsrecht geschaffen werden.
Abgelehnt wurde eine Planung für einen Solarpark südwestlich vom Schevener Sportplatz (10 Hektar), weil in der Nähe des Ortes schon die beiden privilegierten Anlagen entstehen. Gleiches gilt für ein Vorhaben im Windpark Honderberg/Sistiger Venn bei Golbach (15), weil man keine Doppelbelastung haben wolle.
Kall will Gewerbeflächen für bestehende Betriebe vorhalten
Ähnlich lautet die Argumentation für eine Anfrage für Flächen zwischen dem Kreisverkehr Sistig und dem Umspannwerk Wollenberg (13,5), wo in der Umgebung einige Windräder geplant sind. Nicht umgesetzt werden soll ferner eine Planung für den Bereich zwischen der Firma Papstar und der Landesstraße 206 (3,5 Hektar). „Die Fläche ist für eine Erweiterung von Papstar vorgesehen“, nannte Auel den Grund für die Ablehnung. Insgesamt werden deutlich weniger als die ursprünglich einmal vorgesehenen 66 Hektar realisiert.
„Politik und Verwaltung wollen die Ausweisung beschränken, um der Landwirtschaft nicht zu viele Flächen zu entziehen. Das tun wir schon mit der Ausweisung von Gewerbegebieten“, sagte Bürgermeister Emmanuel Kunz. Hinzu komme, dass der Aufwand bei der Ausweisung von Arealen für PV-Freiflächenanlagen für die Gemeinde groß sei, der Ertrag im Gegensatz zu Gewerbeflächen aber marginal.
„Gewerbeflächen sind das finanzielle Lebenselixier der Gemeinde“, sagte Kunz. Deshalb sei es undenkbar, Gewerbeflächen wie bei Papstar für den Bau von Solarparks zu nutzen: „Das wäre wirtschaftlich völliger Unsinn.“ Grundsätzlich wolle man keine weiteren Anlagen. Ob zusätzlich zu den beiden in der Diskussion befindlichen Projekten künftig noch weitere Anlagen genehmigt würden, müsse letztlich aber die Politik entscheiden, ergänzte sein Allgemeiner Vertreter.
Solarparks bei Scheven
Auf einer 10,5 Hektar großen Fläche in einem Korridor von 200 Metern entlang der Bahnlinie Köln-Trier bei Scheven baut die e-regio aktuell auf dem Gebiet der Gemeinde Kall (sechs Hektar) und der Stadt Mechernich (vier Hektar) einen Solarpark. Im Herbst soll die Anlage voraussichtlich in Betrieb gehen und nach Angaben des Unternehmens rund 14 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Damit könnten bis zu 4000 Haushalte versorgt werden. Mit dem Bau des zweiten Parks bei Scheven soll im Oktober begonnen werden.
