Für den natürlichen Starkregenschutz muss zunächst eine Förderung beantragt werden. Die Umsetzung wird vermutlich noch mehrere Jahre dauern.
„Leaky dams“Modellprojekt mit durchlässigen Dämmen soll Anstoiser Wohnungen schützen

Unbedeutende Rinnsale, die zuweilen gar kein Wasser führen, haben sich bei der Flutkatastrophe in reißende Ströme verwandelt. In Anstois soll diese Gefahr an Dränkensief und Rödchen durch durchlässige Dämme gebannt werden.
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Ziemlich enttäuscht gingen die Bürger aus Anstois, die zum Kaller Bauausschuss gekommen waren, nach Hause. Ihre Hoffnung, dass ihr Ort sehr schnell vor künftigen Starkregenereignissen geschützt werden könnte, hatte sich nicht erfüllt. Erst einmal soll mit der Kreisverwaltung Euskirchen geklärt werden, ob die geplanten Maßnahmen oberhalb des Ortes über den Wiederaufbaufonds als Präventivmaßnahmen gefördert werden können. Die Realisierung, so Bürgermeister Emmanuel Kunz, könne noch einige Jahre dauern.
Bei der Flut im Juli 2021 war es in Anstois zu erheblichen Starkregenschäden gekommen. „Ich glaube, dass damals mehr Wasser aus dem Waldgebiet oberhalb des Ortes gekommen ist als von der Urft“, erklärte Ortsvorsteher Dieter Pütz, der sich mit Eduard Zubiks von der Gemeindeverwaltung die Starkregenkarte und die Situation vor Ort angesehen und mögliche Schutzmaßnahmen besprochen hatte.
Aufschüttungen können Wohnbebauungen schützen
„Es gibt in dem Bereich zwei wasserführende Siefen, die auf den Ort zulaufen und Wasser, das sich im Wald sammelt, in den Ort transportieren“, erklärte Pütz im Ausschuss. Einer davon ist der „Dränkensief“, der entlang einer Wiese verläuft.
Mit einer Aufschüttung von rund 30 Metern Länge und einer natürlichen Drosselung des Durchtritts könnten bei Starkregen die zum Großteil oberirdisch verlaufene Niederschlagsentwässerung im Ort entlastet und Häuser in den Straßen „Zum Fahrenbach“ sowie im Mühlenweg geschützt werden. „Der Damm würde ausreichen, um viel Wasser zurückzuhalten“, sagte Pütz.
Das zweite Gewässer ist das „Rödchen“, das entlang eines Wirtschaftsweges verläuft und in der Folge auf den Kiefernweg führt. Auch in dem Fall könne die Wohnbebauung am Ginsterweg und am Kiefernweg mit kleineren Aufschüttungen vor Starkregenschäden geschützt werden, erklärte der Ortsvorsteher.
Durchlässige Dämme verlangsamen Abfluss des Wassers
Angedacht ist, so genannte durchlässige Dämme (englisch „leaky dams“) anzulegen. Bei dieser naturnahen Hochwasserschutzmaßnahme werden Holzstämme, Äste oder Reisig quer in kleine Bäche oder Gräben platziert. Sie blockieren das Wasser nicht vollständig, sondern verlangsamen den Abfluss, indem sie bei Starkregen das abfließende Wasser aufstauen und verzögert wieder abgeben.
In der Starkregengefahrenkarte des Kreises Euskirchen ist nach Angaben der Verwaltung zu sehen, dass an beiden Stellen eine Gefährdung der Wohnbebauung im Falle eines Starkregenereignisses vorliegt. Somit ist nach Einschätzung der Gemeinde eine Förderung der Maßnahmen über den Wiederaufbaufonds als Präventivmaßnahme im Rahmen des Budgets, welches der Verwaltung vom Kreis zur Verfügung gestellt wird, grundsätzlich möglich.
Es gibt einige Hürden für die Umsetzung des Modellprojekts
„Wir müssen in einem ersten Schritt die Fördermittel akquirieren und uns dann die Projekte näher anschauen“, skizzierte Bürgermeister Kunz die Vorgehensweise. Anschließend müsse auch mit den Eigentümern der Fläche, in dem Fall die Olefer Kirchengemeinde, gesprochen werden.
„Anschließend kann es sein, dass wir einige Ideen verwerfen müssen oder sie nicht realisierbar sind. Wir reden von einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren, in dem die Maßnahmen umgesetzt werden können“, musste der Bürgermeister den Anwohnern die Hoffnung auf schnelle Hilfe nehmen.
Aber es gibt noch einen haken an der Sache: Die Verwaltung hatte schon in der Vorlage darauf hingewiesen, dass aufgrund ohnehin überlasteter Personalkapazitäten eine Umsetzung dieser Maßnahme nur möglich sei, wenn andere Wiederaufbauprojekte zurückgestellt würden.
„Die durchlässigen Dämme wären auch eine Lösung für andere Gebiete in der Gemeinde. Das Projekt hat Modellcharakter“, meinte Bert Spilles (CDU).

