Obwohl der Bauausschuss eine der drei Varianten für das neue Kaller Bad favorisierte, wurde die Entscheidung in den Gemeinderat vertagt.
Entscheidung vertagtGemeinderat Kall muss nun über Vorentwurf für ein neues Bad abstimmen

Das alte Schwimmbad soll in Kürze abgerissen werden.
Copyright: Wolfgang Kirfel
Einig war sich der Bauausschuss bei seiner Sitzung am Mittwochabend im Haus der Begegnung, dass der Neubau des Schwimmbads möglichst schnell realisiert werden soll. Fast alle Ausschussmitglieder waren zudem der Meinung, dass das neue Bad ein 25-Meter-Becken mit drei Bahnen und einem Ein-Meter-Sprungbrett bekommen soll.
Doch trotzdem bekam der Planer nicht den Auftrag, diese Variante nun mit Hochdruck weiterzuverfolgen. Stattdessen soll er drei Alternativen prüfen: Ein 25-Meter-Becken mit und ohne Sprungbrett und ein nur 16 Meter großes Lehrschwimmbecken. Entscheiden soll dann der Gemeinderat am 9. Juli.
Das alte Schwimmbad war bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 schwer beschädigt worden und soll in Kürze abgerissen werden. Zu dem geplanten Neubau in der Auelstraße waren bei der Kaller Gemeinde gleich ein ganzes Bündel von Anregungen und Vorschlägen eingegangen (siehe „Schulen und Wasserwacht äußern sich“). Dabei geht es um die Beckengröße und -tiefe, die Ausstattung mit einem Sprungturm und weitere Ausstattungsmerkmale.
Planer präsentierte ersten Vorentwurf für das Schwimmbad in Kall
Bei einer Umfrage der CDU-Fraktion hatten sich, wie berichtet, 98 Prozent der mehr als 1000 Teilnehmer für ein Schwimmbad in der bisherigen Größe mit einem 25 Meter großen Becken mit vier Bahnen und einem abgetrennten Nichtschwimmerbereich ausgesprochen. 96 Prozent stimmten für ein Ein-Meter-Brett zum Üben von Sprüngen.
Gleich nachdem der Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde, stellte Fabian Nowald (SPD) einen Beschlussvorschlag zur Diskussion. Danach sollte der Ausschuss beschließen, dass der Planer die Bau- und Betriebskosten für die drei oben genannten Varianten ermittelt und vergleicht. Das habe die SPD auch schon nach der Ratssitzung im März der Verwaltung mitgeteilt.
Andreas Ditschuneit vom Büro 4a Architekten aus Stuttgart stellte den Vorentwurf für den Kombibau aus Schwimmbad und Turnhalle vor. Darin sind ein 25-Meter-Becken mit drei Bahnen, Ein-Meter-Sprungbrett und eine maximale Tiefe von 3,40 Meter vorgesehen. Damit orientiere man sich an dem alten Bad. Die Sammelumkleiden sollen für Bad und Halle genutzt werden. Die Gebäudeteile sollen um 1,20 Meter angehoben werden. Die Dächer sollen begrünt und auf der Halle eine PV-Anlage installiert werden. 15 Stellplätze seien vorgeschrieben. „Damit ist das Grundstück ausgereizt“, sagte der Planer. Die Technik werde mit Ausnahme der Badewassertechnik, die unter dem Schwimmbecken installiert werde, höher positioniert, um sie vor Hochwasser zu schützen.
Grüne und Linke wollen auf das Sprungbrett verzichten
„Wir müssen jetzt Gas geben. Es gibt kaum ein Thema, auf das wir so oft angesprochen werden“, meinte Bert Spilles (CDU). „Wir kriegen ein Bad, wie wir es auch vorher hatten.“ Die Fraktion von Grünen und Linken befürwortet auch ein 25-Meter-Becken. Die Wassertiefe soll aber maximal bei bis zu 1,50 Metern liegen, erklärte Daniel Knopf. Auf Sprungtürme und Startblöcke soll wegen der Folgekosten verzichtet werden.
Bürgermeister Emmanuel Kunz betonte, dass die zeitliche Komponente entscheidend sei: „Die Menschen in Kall warten auf das neue Hallenbad.“ Das Bad müsse verschiedene Bedürfnisse, beispielsweise für Schulen, abdecken. Bei den Folgekosten müsse man berücksichtigen, dass die Gemeinde aktuell mehrere Zehntausend Euro pro Jahr für den Transport der Kinder zum Schwimmunterricht bezahle.
Vorgestellte Planung ist wohl auch förderfähig
„Die vorgestellte Planung sei auch im Rahmen des Wiederaufbaus förderfähig“, ergänzte Manfred Poth, Leiter des Wiederaufbauteams. Die anderen Varianten noch einmal prüfen zu lassen, koste nur Zeit und Geld. Franz-Albert Groß (FDP) freute sich über den breiten Konsens und schlug vor, dass der Ausschuss den Planer beauftragen sollte, nur noch die von ihm vorgestellte Variante weiterzuverfolgen und die anderen wegfallen zu lassen.
Doch da hatte er die Rechnung ohne seine Parteifreunde Bastian Rupp und Hans-Dieter Schäfer gemacht. Sie betonten, dass der Rat entschieden habe, die drei Varianten prüfen zu lassen. Den Beschluss könne der Bauausschuss jetzt nicht kippen. Der Bürgermeister war sehr wohl der Meinung, dass der Ausschuss eine Variante empfehlen könne. Spilles gab zu bedenken, dass die Berechnungen für die Varianten auch in vier Wochen nicht vorliegen werden und der Rat insofern auch keine andere Entscheidungsgrundlage habe.
„Wir sind uns doch alle einig, dass wir das Schwimmbad haben wollen. Wir verlieren nur wieder unnötig Zeit“, verstand Harald Thelen (CDU) die Welt nicht mehr. Kunz betonte, man könne die Entscheidung des Ausschusses für die vorgestellte Lösung ja vom Rat bestätigen lassen.
Doch alle Bemühungen halfen nichts. Nach einigem Hin und Her wurde dann aber doch abgestimmt und der SPD-Beschlussvorschlag mit den drei Alternativen einstimmig angenommen. Nicht alle hatten bei der Diskussion offensichtlich den Durchblick behalten. Denn einige Ausschussmitglieder erklärten nach der Abstimmung, dass sie gedacht hatten, sie hätten dafür gestimmt, dass nur die vorgestellte Variante weiterverfolgt werde.
Wünsche von Schulen und Wasserwacht
Zur Ausgestaltung des neuen Bads haben sich die Grundschulen in Kall und Sistig, die Clara-Fey-Schule Schleiden und die Wasserwacht Kall zu Wort gemeldet. Die beiden Grundschulen fordern den Bau eines 25-Meter-Beckens, Startblöcke und die Unterteilung in einen Schwimmer- und einen Nichtschwimmerbereich mit Wassertiefen von 90 Zentimetern bis 3,20 Meter. Gewünscht werden auch ein Ein- und ein Drei-Meter-Brett und genug Sitzmöglichkeiten am Beckenrand.
Die Clara-Fey-Schule plädiert mit Nachdruck für den Bau eines neuen Hallenbads. Seit der Schließung fehle nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Sportunterrichts, sondern der gesamten Region ein Stück Lebensqualität. Das Bad sei eine „großartige Investition in die Zukunft der Kinder in unserer Region“.
Rettungsschwimmer brauchen ausreichend Wassertiefe
„Die Ausbildung von Rettungsschwimmern setzt bestimmte Voraussetzungen voraus. Tieftauchübungen, Rettungstechniken und realitätsnahe Trainingssituationen können nur mit ausreichender Wassertiefe fachgerecht durchgeführt werden“, so die Wasserwacht. Eine Beckentiefe von mindestens drei Metern sei dafür erforderlich. Das gelte auch für einen Sprungbereich, der nicht nur sportliche Aspekte erfülle, sondern auch wichtige Ausbildungsinhalte im Bereich Selbst- und Fremdrettung ermögliche.
Die Wasserwacht wünscht sich zudem, dass die Erfahrung von Vereinen und Rettungsorganisationen im weiteren Verlauf stärker in die Planungen einbezogen wird. „Organisationen, die regelmäßig Schwimm- und Rettungsausbildung durchführen, erleben die praktischen Anforderungen täglich und können wertvolle fachliche Perspektiven einbringen“, heißt es in dem Schreiben. Ein Hallenbad werde nicht für wenige Jahre gebaut, sondern für Generationen. „Deshalb sollte bereits heute berücksichtigt werden, welche Anforderungen Schulen, Vereine, Familien und Rettungsorganisationen auch künftig an eine solche Einrichtung stellen werden.“

