Weil Autofahrer zu schnell an der Einrichtung vorbeifuhren, schrieben Kinder vom Waldkindergarten in Kall an Bürgermeister Emmanuel Kunz.
Runter vom GaspedalKaller Kindergartenkinder wenden sich an den Bürgermeister

Das Schild befestigten Dieter Pütz (hinten r.) und Emmanuel Kunz (hinten l.) mit den Kindern an dem Laternenmast.
Copyright: Gemeinde Kall/Alice Gempfer
Ein Schild „Achtung. Spielende Kinder“ warnt jetzt am Waldkindergarten „Amselnest“ in Kall Autofahrer davor, zu schnell an der Einrichtung vorbeizufahren. Die Kinder selbst hatten sich dafür eingesetzt und sich an Bürgermeister Emmanuel Kunz gewandt.
Der eingruppige Waldkindergarten war kurz vor der Flut im Jahr 2021 an den Start gegangen. Die Kita ist eine von zwei Einrichtungen, die nicht von der Gemeinde betrieben werden. Auf dem rund 1500 Quadratmeter großen Gelände, das zum Amselweg hin abfällt, stehen drei Schäferwagen, zwei für die 20 Kinder, einer für das Personal. Am Samstag, 13. Juni, feiert der Waldkindergarten von 9 bis 13 Uhr sein fünfjähriges Bestehen.
Vor einiger Zeit hatten sich die Kleinen mit Einrichtungsleiterin Anna Herwix an den Bürgermeister gewandt, um mit ihm ein Problem zu besprechen. „Manche Autos fahren hier vor unserem Kindergarten viel zu schnell“, berichteten sie und zeigten Kunz, wo gerast wird. Der Bürgermeister hörte den Kindern genau zu und versprach: „Ich werde nun im Rathaus klären, was wir da machen können.“
Die Einrichtung einer Spielstraße ist nicht so einfach möglich
Kurz danach flatterte ein Brief des Bürgermeisters ins „Amselnest“, in dem er die Sachlage erklärte: „Leider lässt sich das Problem nicht mit einer offiziellen Entscheidung regeln, weil dafür bestimmte Vorgaben eingehalten werden müssen.“ Eine offizielle Regelung sei beispielsweise die Einrichtung einer Spielstraße. Dafür gebe es aber gesetzliche Vorgaben, zudem liege die Entscheidung darüber bei der Kreispolizeibehörde.
Deshalb schlugen Kunz und Ortsvorsteher Dieter Pütz eine andere Lösung vor. Sie wollten ein Schild aufhängen, auf dem spielende Kinder zu sehen sein, damit die Autofahrer langsamer und vorsichtiger fahren.
Bereits kurz darauf tauchten der Verwaltungschef und der Ortsvorsteher wieder im Waldkindergarten auf. Pütz hatte einen Bollerwagen mit allerlei Werkzeug und dem Schild mitgebracht. Das wurde dann mit vereinten Kräften an der Straßenlaterne aufgehängt, an der bereits das offizielle Schild befestigt wurde, das auf einen Kindergarten hinweist.
„Das ist eine sehr wichtige Erfahrung für die Kinder, dass sie mit ihren Anliegen ernst genommen werden und auch etwas bewegen können“, sagte Herwix. Eine Kopie des Bürgermeisterbriefes hatte sie allen Mädchen und Jungen in die Mappe gelegt, die sie nach ihrer Kindergartenzeit mitnehmen. Bei der Verabschiedung bedankte sich auch der Bürgermeister: „Danke auch für eure tollen Ideen – ihr habt richtig gut mitgedacht.“

