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Flut 2021Gemeinde Kall hat knapp ein Drittel der Wiederaufbauprojekte umgesetzt

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Ein Schuttberg liegt neben dem Markt in Kall. Im Hintergrund ist die Kirche zu sehen.

Der Kernort war von der Flut stark betroffen. An verschiedenen Stellen wurde anschließend der Müll gesammelt.

Schäden von knapp 100 Millionen Euro sind bei der Flut an der Infrastruktur der Gemeinde Kall entstanden. Der Wiederaufbau wird noch Jahre dauern.

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe ist der Wiederaufbau für die Gemeinde Kall weiter eine große Herausforderung. Allein die Kommune beklagt Schäden an der Infrastruktur in Höhe von knapp 100 Millionen Euro. „Wir gehen aber davon aus, dass noch nicht alle Schäden erfasst sind“, sagt Bürgermeister Emmanuel Kunz. Aktuell befinden sich laut Gemeinde 89 Projekte in der Umsetzung, 31 sind abgeschlossen.

Von der Flut im Juli 2021 waren im Gemeindegebiet die Orte Kall, Golbach, Sötenich und Anstois betroffen. In Wahlen, Krekel und Sistig gab es Starkregenschäden. Drei Menschen aus der Gemeinde kamen ums Leben. „Wer die Katastrophe miterlebt hat, wird sich an viele schlimme Dinge erinnern“, so Kunz.

31 von 140 Wiederaufbauprojekten sind abgeschlossen

Wichtig sei aber, nach solchen Unglücken die Arme hochzukrempeln und zu arbeiten. „Wo nach der Flut Schutthaufen lagen, ist jetzt wieder Leben im Ort“, betont der Bürgermeister mit Verweis auf den Bahnhofsvorplatz und die dort stattfindenden Veranstaltungen.

Inklusive der geplanten Präventionsmaßnahmen hat die Gemeinde 140 Projekte vor der Brust. 31 Maßnahmen sind nach Angaben von Wiederaufbaukoordinator Manfred Poth, Kunz und seinem Allgemeinen Vertreter Markus Auel bereits fertiggestellt. Dazu gehören beispielsweise die Brücke im Weiherbenden, der Bahnhofsvorplatz, die Grundschulen in Kall und Sistig sowie die Kindergärten, das Haus der Begegnung, das Rathaus und die Spiel- und Sportfläche in der Auelstraße. Auch die mehr als vier Millionen Euro teure Sanierung des Rathauses konnte nach fünf Jahren abgeschlossen werden.

An verschiedenen Pavillons mit Pflanzen stehen Menschen.

Auf dem Bahnhofsvorplatz in Kall finden mittlerweile Veranstaltungen statt, die für eine Belebung des Ortskerns sorgen.

Seitlicher Blick auf das zweigeschossige Haus der Begegnung.

In Haus der Begegnung gibt es verschiedene Angebote aus den Bereichen Kultur, Bildung und Integration.

89 Projekte befinden sich aktuell in unterschiedlichen Phasen der Realisierung: Während am Bürgerhaus Sötenich eifrig gebaut wird, ist das Feuerwehrgerätehaus in Kall noch in der Planung. Andere Dinge, beispielsweise die Instandsetzung von Gemeindestraßen, Wirtschaftswegen und einigen Bachläufen, habe man bewusst zurückgestellt. „Wir können nicht alles gleichzeitig erledigen“, hofft Kunz auf Verständnis. Doch auch zu den Projekten gebe es viele Anfragen.

Arbeiten in Sötenich sollen bis Jahresende fertig sein

Sehr gut läuft nach Angaben von Poth das Projekt in Sötenich, wo ein Kunstrasenplatz mit Sportheim, eine Bürgerhalle und ein Starkregenschutz gebaut werden. Der Kunstrasenplatz ist bereits fertiggestellt, die Arbeiten an der Bürgerhalle und dem Sportheim laufen noch. „Bis Jahresende soll alles fertig sein“, erklärt Poth. Anschließend wird der Kanal entlang der Straße „An der Hardt“ bis zur Urft gebaut.

Blick auf einen Teil des Sportplatzes und das im Bau befindliche Bürgerhaus.

Das Bürgerhaus und das Sportheim am neuen Kunstrasenplatz in Sötenich sollen Ende des Jahres fertig sein.

Blick auf den neuen und alten Rathausteil.

Die umfangreiche Sanierung des Rathauses konnte jetzt nach gut fünf Jahren abgeschlossen werden.

Insgesamt werden im Bereich am Sportplatz gut zwölf Millionen Euro verbaut, die aus verschiedenen Fördertöpfen und mit erheblichen Mitteln der Gemeinde finanziert werden. „Bei der Maßnahme müssen drei Förderprogramme für Sportstätten, Wiederaufbau und Prävention berücksichtigt werden“, sagte der Leiter des Wiederaufbauteams.

Nicht einfach in der Planung, aber unproblematisch in der Ausführung sei die Sanierung des Gillesbachs am Hermann-Josef-Haus in Urft gewesen. „Der Hang gehört einer Stiftung, und von der Flut waren auch Flächen des Hermann-Josef-Hauses betroffen“, berichtet Poth. Dadurch seien mehrere Eigentümer involviert gewesen. Auch beim Bahnhofsvorplatz und bei der Brücke im Weiherbenden sei alles reibungslos verlaufen. „In all den Fällen gab es gute Planer und kaum Schwierigkeiten mit den beauftragten Firmen“, berichtet Poth.

Viele Probleme beim Bau des Kunstrasenplatzes in Kall

Anders sei die Situation beim Kunstrasenplatz an der Kaller Auelstraße. Zunächst hatten kurzfristige Umplanungen – statt des ursprünglich geplanten Rasenplatzes wurde ein Kleinspielfeld samt Spiel- und Sportfläche errichtet – einige Zeit gekostet.

Kurz nach Beginn der Bauarbeiten im Juni 2023 gab es dann die Vorgabe des Kampfmittelräumdienstes, dass die Fläche bis auf das Niveau von 1945 abgetragen werden musste. Das sorgte für Verzögerungen von zwei Monaten und Mehrkosten von rund einer Million Euro für die Gemeinde. Zu allem Überfluss meldete das Bauunternehmen während der Realisierung Insolvenz an. „Danach ging auch wieder einige Zeit ins Land“, sagt Auel. Restarbeiten wurden zum Teil nicht mehr ausgeführt.

Auch beim größten Wiederaufbauprojekt, dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses, läuft es nicht rund. Für mehr als 23 Millionen Euro soll das neue Gerätehaus an der Straße „Am Kreisgarten“ errichtet werden. „Wir tappen im Dunkeln und warten immer noch auf eine Aussage des Landes, wie hoch die Förderung ausfallen soll“, teilt Kunz mit.

Diskussionen über Standards im neuen Feuerwehrgerätehaus

„Die Neubauten sollen nach dem Stand der Technik ausgeführt werden“, ergänzt Poth. „Über diesen Stand kann man sich beim Feuerwehrhaus trefflich streiten. In dem Prozess befinden wir uns gerade.“ Man spreche über jeden Raum, jedes Treppenhaus und jeden Flur. „Die DIN gibt Mindeststandards vor. Ist ein Raum dann zwei Quadratmeter größer, wird diskutiert“, berichtet Auel von den Gesprächen. Hinzu komme, dass weitere rechtliche Vorgaben wie Unfallverhütungsvorschriften beachtet werden müssten.

„Aber das soll keine Behördenschelte sein. In dem alten Gerätehaus waren zum Beispiel verschiedene Funktionen in einem Raum untergebracht“, erläutert Poth. Heute seien dafür separate Räume vorgesehen, und das sorge für Erweiterungen. „Da kann man dann auch schon mal unterschiedlicher Meinung sein“, so Poth. Im September soll es eine Sondersitzung des Gemeinderates zu dem Thema geben, wenn bis dahin eine Rückmeldung des Landes vorliegt. Für Poth sind die von Bund und Land zur Verfügung gestellten Mittel unterm Strich aber „eine tolle Unterstützung für die Region“.

Beim Schwimmbad ist man aus zwei Gründen erst in der Planungsphase: „Der Wiederaufbau von Schulen und Kitas war priorisiert, und das war auch richtig“, sagt der Bürgermeister. Außerdem würden die Planungsprozesse für ein Schwimmbad viel Zeit in Anspruch nehmen. Hinzu kam aber auch, dass der Rat zuerst eine Sanierung am alten Standort beschlossen und sich dann erst später für den Neubau an anderer Stelle entschieden hatte. Auch das kostete Zeit.

100 Millionen Euro werden letztlich wohl nicht reichen

Poth ist optimistisch, dass Anfang September eine Entwurfsplanung vorliegt: „Bei der Genehmigung erwarten wir dann keine Probleme, weil wir nur das bauen, was vorher da war.“ Der ursprünglich geplante Bau einer neuen Turnhalle war wegen der schwierigen Haushaltslage zurückgestellt worden.

Ob die 100 Millionen Euro letztlich ausreichen, darf bezweifelt werden.   „Es kommt immer wieder vor, dass in Immobilien größere Schäden auftauchen als erwartet“, erklärt der Leiter des Wiederaufbauteams, Manfred Poth. Bei Projekten wie beispielsweise dem Schwimmbad sei eine Sanierung geplant, dann aber ein Neubau an anderer Stelle beschlossen worden: „Deshalb sind die Abrisskosten nicht im Wiederaufbauplan enthalten und müssen nachgemeldet werden.“ Auch die Preissteigerungen würden dafür sorgen, dass im Vorfeld kalkulierte Summen nicht eingehalten werden könnten.

Der Wiederaufbau wird nicht bis 2030 abgeschlossen sein

Für Kunz ist klar: „Der Wiederaufbau ist bis 2030 nicht zu schaffen. Für diese Dimensionen sind wir personell nicht aufgestellt.“ Das Personal sei das Nadelöhr beim Wiederaufbau: „Planungen kann man vergeben, aber die Bauherrentätigkeit können wir nicht abgeben.“

Poth meint: „Wenn wir das bisherige Tempo halten, dann ist 2032 schon ein ambitioniertes Ziel. Aber es kann auch 2035 werden, ehe alle Projekte abgeschlossen sind.“ Für neun Brückenprojekte habe man jüngst die Planungen vergeben. „Planungen für den Bauhof und das Schwimmbad werden im Herbst vorliegen.“

Weil der Wiederaufbau nicht bis 2030 abgeschlossen sein wird, hatte die Gemeinde das Land um eine Verlängerung der Frist bis 2035 gebeten. Doch die wurde abgelehnt. „Das Land will nur bei einigen Maßnahmen die Frist verlängern. Dafür muss aber eine Begründung vorgelegt werden“, so Poth.

Erste Präventionsmaßnahme wird in Sötenich umgesetzt

Für Präventionsmaßnahmen stehen der Gemeinde zehn Millionen Euro zur Verfügung. Die erste Maßnahme am Sportplatz in Sötenich ist schon in der Umsetzung. Dort wird zum Schutz vor Hangwasser bei Starkregen oberhalb der letzten Häuser in Richtung Keldenich ein 640 Meter langer Wall mit einer Höhe zwischen 50 Zentimetern und einem Meter und einer Breite von zwei Metern angelegt. Das gesammelte Wasser wird dann mit einem Kanal am Sportplatz vorbei in die Urft abgeleitet.

Darüber hinaus wurden laut Poth auch schon erste weitere Planungsschritte unternommen: „Dabei geht es um Regenrückhaltemaßnahmen am Gillesbach in Urft und am Kallbach zwischen Golbach und Sistig.“ „Zu den Schutzmaßnahmen gehört darüber hinaus auch der Einbau von Hochwasserschotts, beispielsweise im Rathaus. Jede abgeschlossene Baustelle ist ein weiterer Schritt nach vorne“, ergänzt Auel.

Für die Arbeit von Poth und dem aus Mitarbeitern verschiedener Fachabteilungen bestehenden Wiederaufbauteam ist Bürgermeister Kunz voll des Lobes: „Wir sind sehr zufrieden. Wenn es nach uns geht, bleibt Poth bis zum Ende des Wiederaufbaus.“