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Nicht freiwilligDetlef Seif tritt als CDU-Chef im Kreis Euskirchen ab

Lesezeit 4 Minuten
Ingo Pfennings (l.) und Detlef Seif, hier bei einer Demo gegen den Krieg in der Ukraine in Vogelsang.

Obenauf? Schleidens Bürgermeister Ingo Pfennings (l.) will Detlef Seif als CDU-Chef ablösen. Der Weilerswister gibt das Amt schweren Herzens ab.

Politisches Beben zum Jahresbeginn: Detlef Seif tritt nach 14 Jahren als CDU-Chef im Kreis Euskirchen ab, Schleidens Bürgermeister will sein Nachfolger werden.

Er hätte es gerne den Mitgliedern zuerst verkündet, doch Recherchen dieser Zeitung kamen ihm zuvor: Detlef Seif gibt den Vorsitz der CDU im Kreis Euskirchen ab. „Ja, es ist richtig. Ich trete bei der Kreismitgliederversammlung am 3. Februar nicht mehr an“, erklärte der 60-Jährige auf Anfrage. Seif gab auch zu, dass sein Verzicht auf eine erneute Kandidatur nicht ganz freiwillig erfolge.

Unterdessen wurde bekannt: Der Schleidener Bürgermeister Ingo Pfennings will Seifs Nachfolger werden. Das kommt nicht überraschend: Bereits 2021, bei Seifs letzter Wiederwahl zum CDU-Chef, hatte der damalige Schleidener CDU-Vorsitzende Jochen Kupp im Vorfeld Pfennings als Gegenkandidaten zu Seif vorgeschlagen. Doch Pfennings zog nach einem Gespräch mit Seif zurück.

Großer Druck auf Noch-Parteichef Detlef Seif

Der Druck auf Seif wurde aber führenden Parteimitgliedern zufolge immer größer. Eine gewichtige Rolle sollen dabei die CDU Schleiden und die Junge Union im Kreis gespielt haben.

Ich hätte das Amt gerne noch eine Amtszeit bis 2025 fortgeführt
Detlef Seif

Für Seif war das offenbar ein Signal. Mit fast 14 Jahren sei er der Vorsitzende mit der längsten Amtszeit bei der CDU im Kreis, einschließlich des Altkreises Schleiden, so Seif. Dass dann bei den Mitgliedern irgendwann mal Überlegungen aufkämen, dass es Zeit für einen Wechsel sei, „ist ja nachvollziehbar“, so der Weilerswister. Er gibt aber auch zu: „Ich hätte das Amt gerne noch eine Amtszeit bis 2025 fortgeführt.“

Denn gerne hätte er den eingeleiteten Modernisierungsprozess innerhalb des Kreisverbands als Vorsitzender umgesetzt. „Ich hätte auch gute Aussichten für eine Wiederwahl gesehen, aber ich weiß, was es heißt, wenn es in einer Partei unterschiedliche Ansichten und unterschiedliche Personalvorstellungen gibt. Ich wollte vermeiden, dass die CDU durch diese Themen belastet wird.“  

Detlef Seif will 2025 erneut für den Bundestag kandidieren

Die Probleme des Landes und des Kreises – Corona, Flut, Kriegsfolgen – seien zu drängend, als dass sich die CDU vorwiegend mit sich selbst beschäftigen könne. Schon gar nicht im Vorfeld des Superwahljahres 2025, in dem Landrat und Kreistag, Bürgermeister und Räte   gewählt werden – und der kommende Bundestag. Für den will Seif dann auch wieder antreten – zum letzten Mal, wie er am Donnerstag sagte: „Ingo Pfennings hat mir für den Fall seiner Wahl auch die Unterstützung des Kreisvorsitzenden zugesagt. Ich nehme das positiv zur Kenntnis.“

Er ziehe sich nicht aus der Politik zurück, stellte Seif klar. 2029 wolle er dann aber auch nicht mehr für den Bundestag antreten: „Ich bin ja kein Konrad Adenauer.“

Ingo Pfennings geht davon aus, als Bürgermeister zu kandidieren

Und Pfennings? Kreisvorsitzende werden immer als erstes gehandelt, wenn’s um Kandidaturen geht. „Detlef Seif ist unser gewählter Bundestagsabgeordneter“, sagt Pfennings: „Und ich denke, dass er auch bei der nächsten Bundestagswahl durch die CDU-Mitglieder im Bundestagswahlkreis 92 (Euskirchen – Rhein-Erft-Kreis II) nominiert wird.“ Er gehe derzeit davon aus, dass er 2025 wieder für das Amt des Schleidener Bürgermeisters antreten werde, so Pfennings.  

Über die Kandidaturen werden wir wohl Ende des Jahres sprechen.
Ingo Pfennings

Auch bei der Frage nach einer Landratskandidatur zeigt sich der 38-Jährige zurückhaltend: „Über die Kandidaturen werden wir wohl Ende des Jahres sprechen.“ In einem Schreiben an die Vorstände der CDU-Stadt- und Gemeindeverbände hat Pfennings seine Kandidatur bekanntgegeben. Ob es weitere Kandidaten geben wird, ist noch unklar. Derzeit fragt die Kreisgeschäftsstelle ab, wer für welche Posten im Vorstand kandidieren wolle.

„Falls kein Mitglied aus Ihrem Verband für das Amt des Kreisparteivorsitzenden antreten möchte, würde es mich sehr freuen, wenn Ihr Verband meine Kandidatur aktiv in Form einer Nominierung unterstützen würde“, schreibt Pfennings und lobt Seif: „Mit seiner vermittelnden und stets an der Sache orientierten Art hat er dafür gesorgt, dass viele Wunden der Vergangenheit geheilt werden konnten und sich intern aufbauende Wogen erfolgreich geglättet wurden. Dafür gebührt ihm unser aller Dank.“

Kreis Euskirchener CDU positioniert sich vor dem Superwahljahr

Vor dem Superwahljahr 2025 sei es sinnvoll, jetzt festzulegen, wer die Partei führt, erklärte der Schleidener Bürgermeister dieser Zeitung: „Da war dann jetzt bei einigen der Wunsch laut geworden, dass man mit einer etwas neu aufgestellten Mannschaft   in die Wahlen geht.“

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen als ehemaliger Vorsitzender der Jungen Union im Kreis Euskirchen, seiner langjährigen Mitarbeit im CDU-Kreisvorstand, zunächst als Beisitzer und seit 2019 als stellvertretender Kreisparteivorsitzender, sowie seiner Funktion als Bürgermeister seit 2018 und seinen vorherigen Berufserfahrungen, sehe er sich für den Parteivorsitz handwerklich gut gerüstet. Ihm könnte dann der Nettersheimer CDU-Chef Andreas Winkler, der frühere Vorsitzende der Jungen Union im Kreis, zur Seite stehen.

Zumindest in der CDU-Kreistagsfraktion stieß Pfennings Vorgehen nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Dass er mit seinem Schreiben an die Stadt- und Gemeindeverbände den Kreis der Wissenden erheblich erweitert hat und damit Seif zuvorgekommen sei, kommt nicht überall gut an.

Darüber hinaus halten nicht wenige Kreistagsmitglieder den Termin der Wahl für zumindest unglücklich – mitten im Karneval, in dem einige Kreistagsmitglieder stark eingebunden sind.

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