Entscheidung vertagt: Der Kreis Euskirchen ringt um die Zukunft der Ideenfabrik. Hohe Defizite, auslaufende Förderung – und neue Perspektiven.
Hohe KostenNoch keine Entscheidung zur Ideenfabrik in der Alten Tuchfabrik in Euskirchen

Der Ausschuss für Wirtschaft, Beteiligung und Tourismus tagte in der Ideenfabrik.
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Wie geht es mit der Ideenfabrik des Kreises Euskirchen in der Alten Tuchfabrik zwischen Euskirchen und Euenheim weiter? In dieser Sitzungsperiode des Kreistags wird es keine Entscheidung geben – das hat der Wirtschaftsausschuss am Mittwochabend beschlossen. Es gebe noch zu viele Dinge, die abgewogen und diskutiert werden müssten, begründete Clas Kohlheyer (CDU) seinen Antrag, der einstimmig angenommen wurde.
Fakt ist, dass die Haushaltslage des Kreises sehr angespannt ist und für die Halle jährlich ein ein Defizit von rund 200.000 Euro zu erwarten ist (Ausgaben von etwa 230.000 Euro stehen Einnahmen von lediglich 30.000 Euro gegenüber. Fakt ist auch, dass die Förderung ausläuft. Der Kreis – und die damit Kommunen über die Umlage – muss dann alleine für die Finanzierung aufkommen, wenn er die Halle halten will. Diese Ausgangslage wir sich nicht ändern, egal ob die Politiker nun oder im Sommer eine Entscheidung treffen.
Beratungsbüro spricht sich für Erhalt der Ideenfarbik aus
Als weitere Diskussionsgrundlage referierte Nomo Braun, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Agiplan, über die mögliche Zukunft der Ideenfabrik – und sprach klar für den Erhalt aus, wenn auch mit teils neuer Marschrichtung. Ein wichtiger strategischer Schritt in die Zukunft wäre, so Braun, die stärkere Integration in den Raum Köln/Bonn. Pendler- und Studierendenbeziehungen zeigen ihm zufolge eine deutliche Orientierung vieler Bürger hin zu der Metropolregion.
Dank der guten verkehrlichen Anbindung biete sich Köln/Bonn als natürlicher Schwerpunkt an. Das Netzwerk der Ideenfabrik sollte dort gezielt ausgebaut werden, ohne die bestehenden Kooperationen im Raum Aachen aufzugeben.
Zudem sollte geprüft werden, ob ein aktualisiertes Marketingkonzept erforderlich ist, um die Reichweite und Wahrnehmung weiter zu steigern.
Vielmehr gehe es um eine Erweiterung des Radius und eine engere Anbindung an die Rheinmetropolen. Im Mittelpunkt der künftigen Ausrichtung bleiben die Räume, die flexibel für Workshops, Projekte, Kooperationen oder Veranstaltungen genutzt werden können. Wichtig sei eine kontinuierliche Vermarktung des Raum- und Nutzungsangebots sinnvoll, so Braun: „Dafür sollte ein jährliches Budget für digitale und analoge Marketingmaßnahmen bereitgestellt werden. Zudem sollte geprüft werden, ob ein aktualisiertes Marketingkonzept erforderlich ist, um die Reichweite und Wahrnehmung weiter zu steigern.“
Das Preisniveau der Miete für Co-Working-Spaces oder auch die große Veranstaltungsfläche liegt laut Agiplan-Chef „deutlich unter dem regionalen Durchschnitt vergleichbarer Angebote“. Da die Nutzer den bisherigen Förderhintergrund kennen, sollte eine moderate Preisanpassung über das gesamte Angebotsportfolio erfolgen. Zudem sollte die Einnahmesituation der Ideenfabrik verbessert werden, ohne dass eine nennenswerte Abwanderung der Nutzer zu erwarten sein muss.
Der Standort in Euskirchen wird als Pluspunkt gewertet
Neben laufenden Einnahmen und Mitteln des Kreises sollten künftig Drittmittel eine größere Rolle spielen. Braun: „Viele Unternehmen in der Region zeigen Bereitschaft, die Ideenfabrik zu unterstützen – sei es durch Kooperationen, Sponsoring oder projektbezogene Partnerschaften.“
Im Gegensatz zum Kreishaus werde die Ideenfabrik als deutlich weniger politisch geprägt wahrgenommen. Das senke Hemmschwellen, gerade für kleinere Unternehmen oder Akteure, die bisher wenig Kontakt zu öffentlichen Stellen hatten. Zudem seien mit dem Kreishaus oft bürokratische Erfahrungen verbunden, die manche abschreckten. Entsprechend sollte man sich, so Braun, Gedanken darüber machen, ob die gesamte Abteilung der Wirtschaftsförderung nicht an den Standort der Ideenfabrik umziehe – wenn es den Komplex denn weiter geben wird.
Ein weiteres Plus sei der Standort in Euskirchen selbst: kurze Anfahrtswege erhöhen Braun zufolge die Bereitschaft, an Veranstaltungen teilzunehmen. Das gehe auch aus einer Befragung der Nutzer hervor. Die Ideenfabrik werde zudem „als attraktiver Treffpunkt für Unternehmensberaterinnen, Dienstleister oder Gründerinnen wahrgenommen – insbesondere für Menschen, die keine eigenen Räume haben.“ Besonders gelobt worden sei in den Befragungen die hohe Aufenthalts- und Raumqualität. Die modernen, funktionalen Räume schaffen eine Atmosphäre, die kreatives wie konzentriertes Arbeiten ermöglicht.
Auch die Unterstützung durch die Mitarbeitenden der Wirtschaftsförderung werde ausdrücklich positiv hervorgehoben, so Braun. Allerdings müsse überlegt werden, ob man die Werkstatt samt 3D-Drucker und weiteren Geräten nicht für einen Seminarraum opfere, da sie nicht im gewünschten Rahmen genutzt werde. Langfristig ließen sich mit einem weiteren Seminarraum mehr Einnahmen generieren.



