Die innere Uhr der Tiere folgt nicht der Uhrzeit: Im Berufsverkehr der Dämmerung häufen sich die Zusammenstöße. Polizei, ADAC und Jäger geben Tipps.
ZeitumstellungFast drei Wildunfälle am Tag: Warum es jetzt besonders kracht

Aufgepasst, wenn's dämmert: Wildunfälle häufen sich besonders in der Abenddämmerung.
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Fast drei Wildunfälle pro Tag im Kreis Euskirchen
Rund 1000 Wildunfälle registriert die Polizei im Kreis Euskirchen alljährlich. Das heißt: Jeden Tag kommt es im Durchschnitt fast dreimal zum Zusammenstoß zwischen einem Auto oder Motorrad und einem größeren Tier. Meist sind es Rehe und Wildschweine, Rotwild, Dachse, Hasen oder Füchse. Unzählige kleinere Lebewesen wie Igel, Wiesel oder Eichhörnchen, die ihr Leben auf der Straße lassen, tauchen gar nicht in der Statistik auf.
Im Herbst steigen die Zahlen ohnehin, durch die Zeitumstellung wird die Lage noch einmal gefährlicher. Davor warnt der ADAC ebenso wie die Jägerschaft. Das Problem: Weil die Uhren der Menschen um eine Stunde umgestellt sind, die innere Uhr der Tiere aber weiter ihrem natürlichen Rhythmus folgt, kommt es vermehrt zu gefährlichen Begegnungen im morgendlichen Berufsverkehr. Denn gerade in der Dämmerung wechselt das Wild auf der Suche nach Nahrung zwischen Wald und Wiesen. „Rehe, Hirsche und Wildschweine kennen weder die Uhrzeit noch die Straßenverkehrsordnung“, warnt die Polizei.
Eine steigende Unfalltendenz lässt sich aber schon vor der Zeitumstellung feststellen. Franz Küpper, Sprecher der Euskirchener Kreispolizeibehörde, hat dafür Zahlen auf Lager. Im Juli wurden 86 Wildunfälle registriert, im August 70, im September bereits 100. „Wir können nicht mal örtliche Schwerpunkte erkennen“, sagt Küpper. Die Unfälle passierten über den ganzen Kreis verteilt auf Bundes- und Landesstraßen.
Langsam fahren und aufmerksam sein
Der beste Schutz gegen Wildunfälle, den Polizei, ADAC und Kreisjägerschaft einmütig empfehlen, ist, langsam zu fahren und besonders aufmerksam zu sein. Vor allem in der Dämmerung. Vor allem an Stellen, wo auf der einen Straßenseite Wald und auf der anderen Wiese oder Feld ist. Und vor allem an Stellen, an denen Schilder vor Wildwechsel warnen. Und man sollte immer damit rechnen, dass dort, wo ein Tier die Fahrbahn überquert hat, ein zweites hinterherkommt. Oder vielleicht sogar ein ganzes Rudel Hirsche oder eine ganze Rotte Wildschweine.
Der Kreis verfüge auch über Dialogdisplays, mobile Anzeigetafeln, die zur Vorsicht mahnen und zum Langsamfahren auffordern könnten, berichtet Küpper. Die seien eher im Einsatz, wenn schönes Wetter viele Motorradfahrer in die Eifel locke. Man habe sie aber auch schon mit Erfolg bei gehäuftem Wildwechsel eingesetzt.

Meist sind Rehe beteiligt.
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Angela Schmitz, Vorsitzende der Kreisjägerschaft, warnt vor einer zusätzlichen Gefahr im Herbst. Es ist Drückjagdsaison, und da kann es passieren, dass aufgescheuchtes Wild am helllichten Tag die Fahrbahn überquert, eventuell noch gefolgt von Jagdhunden im Einsatz. In der Regel lasse der jeweilige Jagdleiter Warnschilder aufstellen, die auf den Jagdbetrieb hinwiesen, so Schmitz. Dann sollten Autofahrer unbedingt vom Gas gehen.
Nach dem Zusammenstoß: Polizei rufen
Manchmal lasse sich ein Zusammenstoß allerdings nicht vermeiden, weiß auch Angela Schmitz. Dann sollte man auf jeden Fall die Polizei rufen. Zum einen, weil dann gegenüber der Versicherung belegt werden kann, dass der Schaden am Auto von Hirsch oder Sau stamme. Zum anderen, weil die Polizei den jeweiligen Jagdausübungsberechtigten benachrichtige. Der entsorge dann entweder das tote Wild und mache sich auf die Suche, falls das Tier nicht an der Unfallstelle liege.
Gerade Schweine laufen oft auch mit schweren Verletzungen weiter und verenden dann qualvoll, wenn sie nicht gefunden werden. „Das ist schon eine Leistung der Jäger“, findet die Vorsitzende: „Die fahren abends oder nachts raus, auch wenn sie lieber auf dem Sofa säßen oder im Bett lägen.“
276.000 Wildunfälle sind laut dem Gesamtverband der Versicherer im Jahr 2024 bundesweit passiert. Das heißt, alle zwei Minuten ist es zum Zusammenstoß von Auto und Tier gekommen.
Der ADAC liefert Tipps, wie man sich verhalten soll, wenn plötzlich Wild auf der Straße auftaucht. Als Erstes solle man abblenden. Denn im Kegel des Fernlichts blieben die Tiere oft geblendet und verwirrt einfach stehen. Dann könne hupen helfen, sie aus ihrer Starre zu lösen. Wenn Reh oder Wildschwein völlig überraschend die Fahrbahn überquerten, warnen der Automobilclub und die Polizei vor Ausweichmanövern oder Vollbremsungen, bei denen das Auto ins Schleudern geraten könnte. Der Zusammenstoß mit einem Tier sei weniger riskant als der mit einem entgegenkommenden Bus oder einem Baum. (uj)
