Jacques Tilly hält im Karneval den Mächtigen einen Spiegel vor, lässt sich auch von Putin nicht einschüchtern. Jetzt stellt er in Heimbach aus.
KunstakademieJacques Tilly zeigt Bilder und Figuren in Heimbach

Noch stehen die Exponate kreuz und quer im Ausstellungsraum in Heimbach, denn der Aufbau ist noch nicht fertig.
Copyright: Stephan Everling
Kein Zweifel: Das ist richtig große Kunst, die in der neuen Ausstellung „Unbequem“ der Internationalen Kunstakademie in Heimbach gezeigt wird. Denn die Ausmaße der Objekte und Skulpturen des Düsseldorfer Bildhauers und Satirikers Jacques Tilly sprengen sogar die Dimensionen, die in der an große Formate gewohnten Kunstwelt üblich sind. Das geht so weit, dass eine Skulptur sogar nur draußen auf der Straße gezeigt werden kann. Millionen Menschen haben die Werke von Jacques Tilly bereits gesehen.
Und auch die, die die Ausstellung in Heimbach besuchen werden, werden da keine Ausnahme sein. Sie werden viele alte Bekannte wiedersehen, manche im großen, für einen Karnevalszug geeigneten Format, andere wieder klein, eher in den Größe eines Briefbeschwerers. Sahra Wagenknecht, Friedrich Merz und Donald Trump sind da zu sehen – und natürlich Wladimir Putin. Durch eine Anklage Tillys in Russland wurde deutlich, wie sehr sich Putin durch die Figuren des Düsseldorfers auf den präsidialen Schlips getreten fühlt.
Putin steht nicht im Mittelpunkt der Ausstellung in Heimbach
Doch es ist nicht Putin, der im Mittelpunkt der vielfältigen Ausstellung in Heimbach steht, es ist die Arbeit von Tilly und seinem Wagenbauteam. Natürlich dürfen zumindest die Köpfe einiger Großfiguren aus den vergangenen Jahren nicht fehlen. Auch sind Modelle anderer, teils sehr bekannter Motive zu sehen. Neben Zeichnungen und Städtebildern des Künstlers, die deutlich machen, wie sich seine Arbeit überhaupt entwickelt hat, sind es aber vor allem eine Vielzahl von Fotos, die das Schaffen von Tilly dokumentieren.
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Denn seine Werke sind vergänglich und erwachsen nur an einem Tag zu ihrer vollen Schönheit. Bevor der Name ihres Schöpfers bekannt und zu einem Markenzeichen wurde, waren es seine Großfiguren, die auf den Mottowagen im Düsseldorfer Karneval Aufmerksamkeit erregten. Pointiert, frech, tabulos, aber immer mit Charme und einem Augenzwinkern bringt Tilly die Geschehnisse in der Republik und der Welt auf den Punkt.

Auch in kleineren Formaten sind manche der frechen Motive aus den Düsseldorfer Rosenmontagszügen zu sehen.
Copyright: Stephan Everling

Da die meisten Karnevalswagen nicht mehr existieren, werden sie in der Ausstellung mit Fotos dokumentiert.
Copyright: Stephan Everling
Dabei haben der Bildhauer und sein Team nie Scheu, sich mit den vermeintlich oder tatsächlich Mächtigen anzulegen. Ob es nun Joachim Kardinal Meisner war, der mittels Scheiterhaufen die Traditionen der Katholischen Kirche in den rechten Feuerschein setzt, oder Ex-Kanzler Olaf Scholz, der mit einem Tunnel durch seinen Kopf auf Durchzug geschaltet hat, nie war das Wagenbauerteam darum verlegen, kräftige und ausdrucksstarke Bilder zu Figuren werden zu lassen.
Doch während die hehre Museumskunst für die Ewigkeit gemacht zu sein scheint, sind Tillys Figuren für den Augenblick, für den schnellen Konsum gedacht. Einen Tag lang stehen sie im Fokus, sorgen einen Moment lang für Staunen oder einen Lacher.
Die Großfiguren stehen einen Tag lang im Fokus
Der Rosenmontag bestimmt ihr Sein: Wenn der Karnevalszug durch die Innenstadt von Düsseldorf zieht, dann dürfen seit vielen Jahren auch die Wagen von Jacques Tilly und dem Wagenbauteam nicht fehlen. Doch am Aschermittwoch ist alles vorbei: Mit dem Ende der Karnevalszeit ist dann auch das Schicksal der Großfiguren besiegelt, die dann zerstört werden. Eigentlich. Doch seit einigen Jahren hat sich das geändert.
Mittlerweile dürfen auch Wagen überleben und erfreuen sich großer Beliebtheit, dank einer Initiative von Andrea und Joachim Johänning. „Ich kenne ihn jetzt schon seit Jahren“, berichtete der Nideggener Immobilienmakler, der mit seiner Frau in Düsseldorf-Flingern das Quartier 8 betreibt, einen gemeinnützigen Kreativhof, in dem es nicht nur Künstlerateliers gibt, sondern der sich zu einem Nachbarschaftstreff entwickelt hat.
Tillys Botschaften haben über den Rosenmontagszug hinaus Bedeutung
Dank Johänning ist es mit der Vergänglichkeit von Tillys Werken vorbei – zumindest teilweise. „Ich übernehme immer zwei Wagen aus dem Zug“, sagte er. Es würden Botschaften transportiert, die über Karneval hinaus Gültigkeit hätten. Er lege den Finger in die Wunde. „Mir hat das wehgetan, dass diese Wagen vernichtet werden, deshalb habe ich mich entschlossen, einzelne Wagen zu bewahren“, so Johänning.
Und so sind die Motive immer wieder außerhalb des Rosenmontagszugs zu sehen, so auch der riesige Fisch mit der Aufschrift „Wir sind mehr“, der einen kleinen, populistisch braunen Fisch verschluckt, der von sich behauptet, er sei das Volk. Als der AfD-Politiker Björn Höcke letztens in Düsseldorf auftrat, war dieser Wagen Teil der Gegendemonstration. Bis vor kurzem waren die in Heimbach gezeigten Arbeiten im Europaparlament in Brüssel zu sehen, wo die FDP-Politikerin Agnes Strack-Zimmermann die Ausstellung eröffnet hatte. „Wo ich auch mit den Menschen rede, alle kennen ihn“, sagte Johänning.
Die Ausstellung ist der Start für eine nachhaltige Kooperation.
„Johänning hat die Brücke geschlagen, Tilly anzusprechen“, berichtete Luzia Schlösser, Leiterin der Kunstakademie Heimbach, über das Entstehen der Ausstellung. Gemeinsam seien sie nach Düsseldorf gefahren, um die Präsentation von Tillys Arbeiten im Stadtmuseum zu sehen. „Das Thema passt zur Akademie“, sagte Schlösser. Und so habe sie auch mit Tilly über Workshops gesprochen, die vielleicht in der Zukunft in Heimbach von der Akademie angeboten werden können. „Die Ausstellung ist der Start für eine nachhaltige Kooperation“, so Schlösser.
Besonders spannend finde sie die frühen Zeichnungen, Städtebilder und Karikaturen, mit denen der Werdegang des Künstlers vorgestellt werde. „Ich mag auch die Landschaften und Städtebilder, das ist ein witziges Format“, sagte sie. Vorgestellt werden im Rahmen der Ausstellung auch Miniaturen der vielen Wagen, die im Lauf der letzten Jahre zu sehen waren, die maßstabsgerecht hergestellt waren. „Den Miniaturen fehlt noch die Bemalung, doch das Projekt ist bereits zu sehen“, sagte er.
Die Ausstellung wird am Sonntag, 15. März, um 11.30 Uhr, in der Internationalen Kunstakademie in Heimbach, Hengebachstraße 48, in Anwesenheit des Künstlers eröffnet. Für die musikalische Gestaltung der öffentlichen Veranstaltung sorgt „TromPeter“ Peter Blum. Wer am Sonntag keine Möglichkeit hat, zu der Ausstellung zu kommen, oder weiteren Bedarf für persönlichen Kontakt hat, dem steht noch ein zweiter Termin zur Verfügung. Am Montag, 16. März, 11 bis 12 Uhr lädt Jacques Tilly Interessierte zu Gespräch, Begegnung, Getränken und Imbiss in die Kapelle des Bergfrieds der Burg Nideggen ein.
Die Ausstellung „Unbequem“ ist bis Sonntag, 17. Mai, zu den Öffnungszeiten der Akademie (montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr) zu sehen.

