Altbewährtes nutzenExperten aus dem Kreis Euskirchen geben Tipps zum Heizen

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Ein Mann und eine Frau zeigen Hausmittelchen gegen die Kälte: Wärmflaschen, kupferne Bettwärmer und in Sohlenform geschnittenes Zeitungspapier.

Altbewährte Hausmittel gegen Kälte zeigen Raphael Thörmer und Monika Blaeser: eine Wärmflasche aus Gummi, einen kupfernen Bettwärmer und für die Füße in Sohlenform geschnittenes Zeitungspapier als Schuheinlagen.

Was sorgt für wohlige Wärme und treibt idealerweise die Heizkosten nicht in astronomische Höhe. Experten aus dem Kreis Euskirchen nennen da auch bewährte Hausmittelchen.

Nichts scheint gerade komplizierter zu sein als das „richtige“ Heizen. Deshalb gibt es Experten wie Energieberater oder Bauhistoriker beim LVR-Freilichtmuseum in Kommern. Wie man die eigenen vier Wände warm hält, war eben schon immer ein Thema.

Ein Mann, der weiß, wie man richtig heizt, ist Manfred Scheff, Energieberater beim Kreis Euskirchen. Er hat derzeit jedoch Wartezeiten, Termine sind   knapp. Seit der Flut, dann mit Beginn des Ukraine-Krieges und der Energiekrise mit drastisch steigenden Strom- und Gaspreisen ist die Nachfrage nach guten Tipps deutlich gestiegen. Doch Scheff hat nur eine halbe Planstelle bei der Kreisverwaltung.

Beim Thema Heizen lauern zahlreiche Fehlerquellen

Richtiges Heizen ist auf den ersten Blick relativ einfach, auf den zweiten nicht: Ein Außentemperaturfühler regelt in modernen Heizungsanlagen die Erwärmungstemperatur im Heizkessel und dem ab- und zuführenden Wasserkreislauf in den Rohren zu den Heizkörpern, wo man in der Regel mit dem Fünf-Stufen-Regler die gewünschte Raumtemperatur einstellen kann.

In der Praxis gibt es in allen Teilen dieses Systems mögliche Fehlerquellen, die unnötigen Energieverbrauch und entsprechende Kosten verursachen können. Wer technisch geschickt ist, kann einiges selbst verbessern, ansonsten sind Fachleute gefragt. „Heizungsbauer neigen zum Beispiel dazu, die Vorlauftemperatur etwas zu hoch einzustellen“, so Scheff. Eine Wohlfühlreserve sozusagen, die dazu führt, dass das Heizsystem zu schnell zu hoch gefahren wird, nur um danach heruntergeregelt zu werden, bis die gewünschte Temperatur erreicht wird.

Kreis Euskirchener Energieberater weist auf die Einstellungen hin

Die zu finden und das Heizsystem exakt einzustellen, hängt von drei Faktoren ab: dem Zustand des Gebäudes, der Größe der Heizfläche und der Außentemperatur. Über die „Heizkurve“ kann man bestimmen, wie sich die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von der Außentemperatur verändern soll. „Wenn Sie das alles richtig einstellen, auch das Heizungsthermostat an den Heizkörpern, die zudem regelmäßig entlüftet und alle 20 Jahre erneuert werden sollten, dann können Sie richtig Energiekosten sparen“, sagt Scheff. Wie viel? Das könne in Summe schon in den zweistelligen Prozentbereich gehen.

Auch von einem weiteren Klassiker unter den Fragen, die ihm gestellt werden, weiß Scheff zu berichten: Wie vermeidet man Schimmelpilzbildung im Schlafzimmer? Die Ausgangslage ist dabei einfach: Weil moderne Wohnungen und Häuser nahezu perfekt gedämmt sind, kann kaum ein Luftaustausch entstehen, wenn alle Fenster geschlossen sind.

Die Heizung ist meist nur in Wohnräumen, im Bad, vielleicht in der Küche an, im Schlafzimmer nicht. Ist dann die Entlüftung schlecht, kommt es gerade hier zum Schimmelbefall: Warme Luft kondensiert an kalten Wänden, es bilden sich feuchte Stellen – und dann Schimmel. „Man sollte auch das Schlafzimmer beheizen“, so Scheff. Nicht unter 16 Grad Celsius sollten die Räume auskühlen.

Kommerner Freilichtmuseum zeigt das Heizen vor 300 Jahren

Kann man trotz der guten Dämmung und moderner Heizanlagen etwas aus der Vergangenheit lernen? Einen Einblick gibt Raphael Thörmer, Bauhistoriker im Freilichtmuseum.  In der Baugruppe Eifel geht’s ins Prinzenhaus aus Bad Münstereifel-Scheuerheck von 1711.

Es bietet jede Menge Anschauungsmaterial, wie vor 300 Jahren ein Wohnhaus beheizt wurde: eine offene Feuerstelle, eine Takenplatte aus Gusseisen, eine Öffnung zur Wärmeleitung in die Stube dahinter und den Takenschrank, der zur Lagerung etwa von Salz und kälteempfindlichem Zinngeschirr diente.

Die Feuerstelle war einst das Zentrum des Hauses

Bevor sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Zentralheizung durchsetzte, war dieses System oft die einzige Wärmequelle. „Am Feuer spielte sich das häusliche Leben ab“, so Thörmer: „Hier wurde gekocht, im Bereich der Strahlungswärme hielt man sich auf.“ Gab es Schimmelbildung in anderen Räumen? Nein. „Weil die Fachwerkhäuser natürlich nicht so gedämmt waren wie heute, war immer eine Luftzirkulation gegeben. Die Fenster waren meist auch nicht ganz dicht“, so Thörmer. Selbst noch nach dem Aufkommen der an den Hauskamin angeschlossenen Holz- und später Brikettöfen wurden bis Mitte des 20. Jahrhunderts in vielen Häusern nur einzelne Räume beheizt.

Im Hof aus Elsig aus dem Jahr 1719 hat Monika Blaeser, Gästebetreuerin und Hauswirtschafterin, Alltagstipps von anno dazumal gegen die Kälte auf Lager. „Das hier hat meine Oma noch so gegen kalte Füße gemacht“, sagt sie und zeigt mehrere Schichten in Sohlenform geschnittenes Zeitungspapier, das   in die Schuhe eingelegt wurde.

Geschlafen wurde im Bettkasten oder unterm Baldachin

Auf dem Tisch vor dem Sparherd von Anfang des 20. Jahrhunderts – in den kleinen Brennkammern wurden Vorläufer der heutigen Holzpellets oder Briketts verbrannt – deutet sie auf weitere praktische Hausmittelchen: kupferne Bettwärmer, Tonflaschen, die mit erwärmtem Sand gefüllt wurden, und natürlich – ein Zeitsprung – die gute alte Wärmflasche aus Gummi. „Dazu kommt natürlich die entsprechende Kleidung nach dem Zwiebelprinzip“, so Bläser. Leinenunterbekleidung, Wollgewebe, Filz. Eine Eifeler Spezialität war das Tirtey-Mischgewebe aus Leinen oder Hanf und Wolle. Für Letzteres waren die Schafherden im Hohen Venn zuverlässige Lieferanten.

Die Wahl des richtigen Bettes ist damals wie heute entscheidend. Im 18. Jahrhundert waren Bettkästen aus Holz an die Kaminwand gebaut, oder der offene Alkoven verbreitet. Wer es sich leisten konnte, hatte Baldachinbetten, die rundum mit einem Vorhang zu schließen waren und die Wärme halten sollten.

Manfred Schaff schwört auf Filzpantoffel

Ein Prachtexemplar steht im Museum in einem Haus aus Bonn von 1616. Dort sind an einigen der ohnehin schon kleinen Sprossenfenster kleine Schiebefenster zu sehen: Sie dienten dem Warenaustausch, dem Verzäll mit dem Nachbarn – und hielten die Wärme im Raum. „Fachwerkhäuser sorgten aufgrund der Holz-Lehmbauweise für ein gesundes Raumklima“, so Raphael Thörmer. Verbinde man das mit einem modernen, effizienten Heizsystem, habe man in Sachen Wohnhausbeheizung das Beste aus zwei Welten.

Dem stimmt Manfred Scheff zu. Auch in einem anderen Punkt ist er durchaus altmodisch: „Filzpantoffel! Sind die Füße warm, ist es auch der Körper“, wirbt Scheff. Und ergänzt für alle Fälle: „Da gibt es auch durchaus schicke Modelle!“


Kreis Euskirchen bietet Sanierungstreffs an

Auch in diesem Jahr bietet der Kreis Euskirchen seine Sanierungstreffs an, bei denen es auch um die Heizungsoptimierung im Bestand oder um regenerative Heizungssysteme geht. Die Auftaktveranstaltung der vom interkommunalen Klimaschutzteam organisierten Reihe beginnt am Mittwoch, 8. März, 18.30 Uhr. Das Thema von Manfred Scheff lautet „Wärmepumpen und Photovoltaik“. Die weiteren sieben Termine bis November sind auf der Internetseite des Kreises abrufbar. Alle Veranstaltungen finden digital per Video-Stream über Zoom statt. Die Zugangsdaten erhalten die Teilnehmer nach der Anmeldung. Nähere Informationen gibt es bei Andreas Glodowski, dem Klimaschutzbeauftragten des Kreises Euskirchen, Tel. 0 22 51/ 1 54 06. (sli)  

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