Seit 2021 ist Corhelper im Kreis Euskirchen im Einsatz: 1874 Freiwillige retten Leben, oft vor dem Rettungsdienst. Mehr als 1000 Einsätze gab es bisher.
Retter per Smartphone-AppIm Kreis Euskirchen sind 1874 Ersthelfer für Corhelper registriert

Beim Herzstillstand kommt es auf jede Minute an – auch im Kreis Euskirchen.
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Schnelle Hilfe kann Leben retten – besonders dann, wenn der Rettungsdienst noch nicht da ist. Der Kreis Euskirchen zieht nun eine positive Zwischenbilanz zur Einführung des smartphonebasierten Ersthelfer-Alarmierungssystems Corhelper, das seit Februar 2021 in Betrieb ist.
Seit dem Start wurden im Kreisgebiet 1007 Alarmierungen ausgelöst, bei denen registrierte Ersthelferinnen und Ersthelfer im Rahmen der qualifizierten Laienreanimation und der frühen Ersten Hilfe zum Einsatz kamen. Mit mittlerweile 1874 registrierten Nutzerinnen und Nutzern zählt der Kreis Euskirchen zu den Regionen mit der am stärksten wachsenden Ersthelferstruktur in Nordrhein-Westfalen.
Diese Zahlen zeigen, wie engagiert die Menschen hier im Kreis sind.
„Diese Zahlen zeigen, wie engagiert die Menschen hier im Kreis sind“, sagt Dr. Tobias Ahnert, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Euskirchen: „Die Zukunft der Lebensrettung liegt im Ausbau solcher Strukturen – so entsteht ein Sicherheitsnetz, das im Ernstfall trägt.“
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Von den Alarmierungen wurden 869 Einsätze angenommen, was einer beeindruckenden Annahmequote von mehr als 90 Prozent entspricht. Besonders positiv bewertet der Kreis die durchschnittliche Eintreffzeit der freiwilligen Helferinnen und Helfer: Sie liegt bei rund vier Minuten. In Einzelfällen, insbesondere bei Reanimationen, trafen Ersthelfende sogar noch deutlich schneller ein – oft mehrere Minuten vor dem Rettungsdienst.
Bundesweit erleiden rund 120.000 Menschen jährlich einen Herzstillstand
Diese Geschwindigkeit kann entscheidend sein: Denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sinken die Überlebenschancen pro Minute ohne Hilfe um etwa zehn Prozent. Bundesweit erleiden jedes Jahr rund 120.000 Menschen einen solchen Notfall.
Das System Corhelper ist Teil der Initiative „Region Aachen rettet“, die in mehreren Kreisen und Städten der Region – darunter Aachen, Düren, Heinsberg und Euskirchen – aktiv ist. Über die zugehörige App werden qualifizierte Ersthelferinnen und Ersthelfer alarmiert, die sich in der Nähe eines Notfalls befinden und sofort mit lebensrettenden Maßnahmen beginnen können.
Im gesamten Verbund der Region Aachen sind mittlerweile 8809 Ersthelfende registriert. Sie wurden bereits zu mehr als 5700 Einsätzen alarmiert. Zusätzlich stehen in der Region mehr als 1000 Defibrillatoren zur Verfügung, über die Hälfte davon öffentlich zugänglich – rund um die Uhr. Im Kreis sind unter den freiwilligen Helfenden viele Angehörige der Feuerwehr, Mitglieder von Hilfsorganisationen, medizinisches Fachpersonal sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger. Sie alle leisten einen Beitrag, um das therapiefreie Intervall – also die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes – entscheidend zu verkürzen.
Die Initiative soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Geplant sind mehr digitale Schnittstellen, ein niedrigschwelliger Zugang zu Erste-Hilfe-Kenntnissen und eine stärkere Verankerung der Wiederbelebung als Bürgerpflicht. „Unser Ziel ist klar: Jede und jeder soll im Notfall helfen können – unabhängig von Alter oder beruflicher Qualifikation“, so Ulla Thönnissen, Geschäftsführerin des Region Aachen Zweckverbands.

