Der Kreis Euskirchen zieht eine Zwischenbilanz zum Anwerbungsprojekt für Pflegekräfte aus Indien. Elf Einreisen sind dieses Jahr noch geplant.
Schlechte BilanzErst eine indische Pflegefachkraft ist im Kreis Euskirchen eigenständig im Dienst

Fachkräfte in der Pflege werden auch im Kreis Euskirchen händeringend gesucht. Das kreisweite Projekt, diese auch im Ausland zu gewinnen, entwickelt sich anders als erwartet.
Copyright: Tom Steinicke
Das Projekt zur Gewinnung ausländischer Pflegefachkräfte, an dem verschiedene Institutionen aus dem Kreis Euskirchen teilnehmen, zeigt nach Angaben der Kreisverwaltung trotz verschiedener Herausforderungen erste Erfolge – wenn auch nur kleine. 18 Pflegefachkräfte sind im Rahmen des Projekts seit dem Start 2023 aus Indien in den Kreis gekommen.
Die Kosten pro angeworbener Pflegekraft liegen – je nach Leistungsumfang – zwischen 15.000 und 25.000 Euro. Finanziert wird das ausschließlich von den teilnehmenden Einrichtungen. Vieles ist darin nicht enthalten. Eine Wohnung etwa. Oder der Führerschein, wenn der indische nicht anerkannt wird – alleine das kann mit 3000 Euro zu Buche schlagen.
Es sollten mehr Pflegefachkräfte aus Indien in den Kreis Euskirchen kommen
Ursprünglich sollten 33 Fachkräfte aus Indien in den Kreis kommen. Jedoch ist es laut Kreis immer wieder zu Verzögerungen gekommen, zudem haben zwei Einrichtungen ihren Bedarf zwischenzeitlich nach unten korrigiert. Dadurch ist das Ziel nun auf 27 Personen angepasst. Zudem sind nicht alle geblieben. Laut Kreisverwaltung haben drei der 18 Fachkräfte Deutschland wieder verlassen.
Die Gründe seien vielfältig und individuell: Gesundheitliche Belastungen, persönliche Überforderung im Integrations- und Arbeitsprozess sowie familiäre Umstände werden genannt. Für 2026 rechnet der Kreis mit der Ankunft von elf weiteren Kräften. Zwei sollen im zweiten Quartal, fünf im dritten, vier im vierten Quartal einreisen. Eine weitere ist aktuell für 2027 geplant. Die vorgesehenen Kandidaten sind im Vorbereitungsverfahren. Das ergibt die anvisierte Zahl von 27 Pflegekräften.
Komplexe Einwanderungsprozesse sind eine hohe Hürde
Die Verwaltung führt die Diskrepanz zwischen geplanten und erfolgten Einreisen vor allem auf die komplexen Vorbereitungs- und Einwanderungsprozesse zurück. Bereits im Herkunftsland ist ein aufwendiger Prozess zu durchlaufen, Sprachkurse sind zu absolvieren, Prüfungen zu bestehen und verschiedene organisatorische Anforderungen zu erfüllen.
Nach Angaben der Rekrutierungsagentur springen regelmäßig Kandidaten während dieser Vorbereitungsphase ab. Gründe hierfür seien unter anderem nicht bestandene Sprachprüfungen, gesundheitliche oder familiäre Belastungen oder persönliche Veränderungen der Lebensplanung – und es komme auch zu Abwerbungen durch andere Agenturen.
Zusätzlich habe sich die mehr als sechsmonatige Vakanz der Projektleitungsstelle infolge einer Langzeiterkrankung negativ ausgewirkt. Dadurch haben zeitweise ein durchgängiges Controlling und die koordinierte Abstimmung aller beteiligten Einrichtungen gefehlt.
Kenntnisprüfung steht für die angehenden Pflegefachkräfte an
Trotz aller Komplikationen berichtet die Kreisverwaltung auch von Fortschritten. So werde mit dem Bildungsträger Care Forward und der DRK-Schwesternschaft Bonn am Standort Euskirchen die Qualifizierungsmaßnahme zur Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung weiterentwickelt. Diese soll stärker praxisorientiert und an die Anforderungen der Einrichtungen angepasst sein, in denen die Fachkräfte arbeiten werden.
Auch der Bereich der Sprachförderung wird verbessert: Nun können spezielle, berufsbezogene Kurse direkt in den Einrichtungen angeboten werden. Dies soll die sprachliche Integration der Pflegekräfte erleichtern.
Die Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Köln wurde intensiviert. Insbesondere die Verfahren zur Ausstellung der Berufsurkunden nach bestandener Kenntnisprüfung sollen transparenter und effizienter werden. Und während die Arbeitgeber sich bisher maßgeblich um die Wohnungssuche gekümmert haben, prüft der Kreis in diesem Bereich Unterstützungsmöglichkeiten.
Abgeschlossene Ausbildung wird nicht vollumfänglich anerkannt
Aktuell sind nach Angaben der Verwaltung 15 Pflegefachkräfte im Rahmen des Projekts im Kreis. Davon nehmen 14 an Qualifizierungs-, Integrations- und Sprachfördermaßnahmen teil. Nur eine einzige Pflegefachkraft hat seit dem Projektstart die aufwendigen Maßnahmen abgeschlossen und ist nun vollständig im Dienst.
Die Krux: Die in Indien abgeschlossene Ausbildung wird nicht vollumfänglich anerkannt. Daher ist eine Kenntnisprüfung erforderlich, für die die langwierige Vorbereitung nötig ist. Jedoch: Im Juni und Juli steht die Prüfung für sechs weitere Kandidatinnen und Kandidaten an.
Angesichts des weiterhin bestehenden Fachkräftemangels in der Pflege denkt der Kreis trotz aller Schwierigkeiten über eine Fortführung des Projekts nach. Im Mai informierten sich Vertreterinnen und Vertreter von zehn Pflegeeinrichtungen über die Optionen. Die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFA) stellte ihre Angebote vor.
Für ein mögliches Folgeprojekt plant die Verwaltung mehrere Anpassungen – die es den Kandidaten nicht leichter machen werden. So soll das erforderliche und im Heimatland nachzuweisende Sprachniveau von bislang B1 auf die nächst höhere Stufe B2 angehoben werden. Jedoch soll die Qualifizierungsmaßnahme zur Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung nicht mehr so lange dauern, so dass die Integration beschleunigt werden kann.
